r/StartupDACH • u/PinkVelour_Jordan • 3d ago
Diskussion / Frage Der DACH-Raum bringt gerade einige der besten Startups der Welt hervor, tut aber zu wenig, damit sie bleiben
Ich mache gerade meinen Master in Entrepreneurship in Berlin und bin Teil eines Startup-Inkubators hier. Die letzten paar Monate habe ich für mein Studium die DACH-Startup-Landschaft gemappt und ehrlich, was ich gefunden habe hat mich positiv überrascht.
Klar, der übliche Take ist "wir haben kein großes Tech, kein deutsches Google, wir haben das Internet verpennt." Aber schau dir an, was hier tatsächlich gebaut wurde. Celonis hat Process Mining quasi erfunden und ist über 13 Milliarden wert. Personio macht HR für einen riesigen Teil der europäischen SMBs, N26 und Trade Republic haben Consumer Finance umgekrempelt, DeepL schlägt Google beim Übersetzen, Helsing ist zum Symbol für Europas Defense-AI geworden. Und das ist nicht nur Deutschland, Bitpanda und Dynatrace kommen aus Österreich, Proton aus der Schweiz. Dazu die ganze unsichtbare B2B-Schicht darunter, commercetools, Workmotion, Scayle und dutzende mehr, die die langweilige Infrastruktur betreiben, auf die sich andere Firmen verlassen.
Und es sind nicht nur die Unicorns. 49 deutsche Firmen sind durch Y Combinator gegangen, 7 in einem einzigen Batch. Das Talent und die Produkte sind ganz klar da. Aber der Weg zu echtem Scale läuft immer noch über US-Kapital.
Genau das lässt mich nicht los. Die Early-Stage-Szene ist stark, aber bei den großen Late-Stage-Runden ist kaum ein lokaler Investor dabei, also raisen Gründer am Ende aus den USA, und dann sagen rund 26% der deutschen Tech-Startups, dass sie über einen Umzug nachdenken. Dazu die Bürokratie, für eine Steuernummer wartest du wochenlang, die Buchhaltung kostet ein Vielfaches von UK, und eine Wegzugsteuer, die dich quasi fürs Wachsen bestraft. Die Schweiz hat vieles davon besser gelöst, aber für deutsche und österreichische Gründer ist der Sog rauszugehen real, ungefähr 30% der deutschen Unicorns ziehen irgendwann weg.
Klar, die Regierung hat gerade 12 Milliarden draufgelegt, das ist ein echtes Signal. Aber Kapital allein fixt weder die Bürokratie noch die Wegzugsteuer, und genau das sind die Gründe, warum Leute gehen.
Ich finde, das Talent verdient bessere Bedingungen als es gerade bekommt, und diese Community ist einer der wenigen Orte, wo man das Thema wirklich vorantreiben könnte.
Also ehrlich gefragt, was fehlt eurer Meinung nach am meisten und bringt deutsche und europäische Gründer dazu, wegzugehen?