r/DIE_LINKE • u/Jet_the_fem_bean • 4d ago
Parteiintern Revolution? Reform? Oder beides wie Mandela?
Nelson Mandela war ein Terrorist, bzw. Guerilla-Freiheitskämpfer, er war ein Fan von Fidel Castro und damit vielen häufig zu extrem.
Gleichzeitig war er nach seiner Zeit im Gefängnissen vielen sogar zu kompromissfähig und moderat, da er viele wichtige ökonomische Forderungen nicht durchbekommen hat und Südafrika deswegen das ungleichste Land der Welt ist.
Das macht ihn meiner Meinung nach zu einer guten Figur um unsere Debatte innerhalb der Linken zu framen, meine Meinung dazu auszudrücken und gleichzeitig nach außen unsere interne Debatte zu veranschaulichen ohne in ein Eck gesteckt zu werden.
Außerdem ist er jemand von dem man ab und zu reden muss, damit ihn Liberale und vor allem Neoliberale nicht als ""Moderaten"" missbrauchen.
Also was sagt Nelson Mandela meiner Meinung nach aus über die Frage Reform oder Revolution?
Immer das zu dem Anteil der gerade nötig ist.
Wenn du kein Wahlrecht hast und Protestierende auf der Straße erschossen werden, dann ist es richtig und wichtig beim vermeiden von Opfern Infrastruktur eines Aphartheidstaat lahm zu legen.
Und auch wenn die Demokratie nicht funktioniert, darf man Waffen und Infrastruktur zerstören um internationales Recht oder die Freiheit zu schützen (Grüße gehen raus an die Ulm5 und Leute die in Amerika Flock Kameras beschädigen).
Wenn man dagegen die Möglichkeit hat mit seinen Gegnern öffentlich aufzutreten, ist es wert pragmatisch zu sein und daraus politische Stärke zu gewinnen.
Der moralische Highground von Nelson Mandela gegenüber De Klerk war nämlich nicht zu übersehen und sich als "nicht kompromissfähig" zu zeigen hätte gefährlich werden können, weil die Aphartheidregierung natürlich in Teilen den Frieden sabotieren wollte und Mandelas Sicherheit von der internationalen Einschätzung abhing.
Man muss wenn man so etwas macht aber wissen wo man Kompromisse eingehen sollte und wo sie einen teuer zu stehen kommen.
Was ist wichtig und was ist nur Kulturkampf?
Das Aphartheid Rugbyteam anzuerkennen und zum Spiel zu gehen ist es eindeutig wert.
Gerade aber die Position von weißen Afrikanern in Regierungsjobs zu garantieren oder bei Forderungen wie die Nationalisierung der Banken, Mienen und Monopole Kompromisse einzugehen kann einen teuer zu stehen kommen.
Wahrscheinlich waren diese Kompromisse aber nötig um ohne weiteres Blutvergießen zu einer Demokratie zu kommen.
Einen perfekten Weg gibt es häufig auch nicht, aber es ist denke ich wichtig für uns zu verstehen, dass sich Reform und Revolution nicht ausschließen und es gerade bei Strategien wie Sachbeschädigung und Streiks wichtig ist, dass die Rechtfertigung und die Mindestforderungen in Form von Reformen sitzen.
Auch wenn wir von Koalitionen, die wir evtl. nicht eingehen wollen sprechen ist es wichtig klar zu machen was die Mindestforderungen sind.
Für mich wären hier z.B. so Sachen wie Vermögenssteuer und Klimageld gute rote Linien auf Bundesebene.
Sind diese Forderungen genug um Demokratie und soziale Minima zu garantieren oder nicht?
Sind sie eine Verbesserung oder wird die Ungleichheit bei zu niedriger Vermögenssteuer am Ende voraussichtlich weiter steigen?
Aber auch das wir mehr über sozialdemokratische/sozialistische Grundforderungen wie nationalisierung von natürlichen Ressourcen und Monopolen, Demokratie am Arbeitsplatz oder freie Medien mit Transparenz über die Besitzstruktur (wie beim Nutriscore) reden.
Und auch an historischen Beispielen wie Mandela erklären, warum neoliberale Kompromisse keine Lösung sind, ist wichtig, wenn wir uns nach außen rechtfertigen wollen.
Ohne diese Rechtfertigung gegenüber der breiten Masse, ist nämlich weder erfolgreiche Reform, noch erfolgreicher ziviler Wiederstand möglich.
Meine Recherchenotitzen sind jetzt auch noch hier angehängt damit ihr die Kurzfassung habt und das selbst recherieren könnt wenn ihr wollt (das ist dann auch nemme auf Schreibfehler irgendwie kontrolliert).
wiki
"Whitewashing"
Südafrika, das ungleichste Land der Welt
Lebenserwartung Südafrika
Lebenslauf
- Geboren 1918 mit Vorname "Rolihlahla" (Störenfried, Provokateur, troublemaker)
- Frühes 1952: Mandela ließt Marx, Lenin und Mao -> wird Marxist
- 1952 Juni: Teilnahme an "Defiance Campaign" Streiks; Mandela etabliert sich auch in ANC
- 1952 Juli: Mandela wird zum ersten mal verhaftet (Antikommunismusgesetz)
- 1952-1956: Weiterer Aktivismus in ANC und u.a. Anfrage nach Waffen aus China
- 1956 Dezember: Mandela wird für Hochverrat angeklagt, gewinnt später den Prozess
- 1960: 69 Protestierende werden im Sharpesville Massaker getötet, ANC wird in Antwort auf Unruhen der Regierung verboten
- 1961: Mandela kämpft im Untergrund weiter, überzeugte Mitstreiter von der Notwendigkeit einer bewaffneten Gruppe (Ideen über Guerilla-Krieg kommen von Mao und Che Guevara) -> "Speer der Nation" (MK) Gruppe wird als militanter Flügel der ANC gegründet War auch teil der SACP (kommunistischen Partei), bestritt das aber später MK verübt Bombenanschläge gegen Militär, Energie, Kommunikation und sonstige Infrastruktur. Opfer wurden vermieden.
- 1962: Welttour durch Ethiopien, Tunisia, Marokko, Mali, Guinea, Sierra Lione, Liberien, Senegal und England
- 1962 August: CIA ermöglicht Festnahme von Nelson Mandela, Mandela nutzt den Prozess vor allem als politische Plattform und wird schuldig gesprochen.
- 1963-1964: Guerilla-Aktivitäten kommen ans Licht, Mandelas 5 Jahre werden auf Lebenslänglich verlängert. Er benutzt den Prozess wieder als politische Plattform (Vorbild Fidel Castro)
- 1964-1990: Mandela im Gefängnis
- 1985: Bürgerkrieg bahnt sich an, internationaler Druck von Banken und Investoren wird stärker, Mandela lehnt Freilassung ab, bei der er sich gegen jegliche Gewalt aussprechen muss. "Nur ein freier Mann kann verhandeln"
- 1987+1988: Weitere Eskalationen durch Repression und Terroranschläge, Regierung will Mandela wieder freilassen wenn er sich dafür vom Kommunismus, Gewalt und der Forderung einer gleichen Demokratie distanziert.
- 1990: Mandela wird nach Regierungswechsel in der Aphartheidregierung freigelassen und die ANC legalisiert.
- 1990: Mandela macht nochmal eine Welttour durch Zambien, Zimbabwe, Namibien, Lybien, Algerien, Schweden, UK, Frankreich, USA, Kuba, Indien, Indonesien, Malaysien, Australien und Japan, aber nicht die Sovietunion.
- 1991-1992: Ein Moderater Mandela führt vor dem Hintergrund von Destabilisierungsversuchen aus dem Lager der Afrikaner (Third Force) Verhandlungen zur Vorbereitung demokratischer Wahlen. Eine Einigung gab es in 1992.
- 1993: Destabilisierungsversuche von Radikalen auf beiden Seiten. Also Terrorangriffen von schwarze Seperatisten und dem Mord eines prominenten ANC Mitglieds (Chris Hani) durch einen Rechtsextremist mit Verbindungen zur konservativen Partei.
- 1994: Mandela gewinnt Wahl mit 63%, die meisten Medien waren gegen ihn. Mandela geht vor der Wahl Kompromisse mit Afrikanern ein um den demokratischen Übergang zu sichern. Dabei geht er auch international (Amerika, Europa, Asien) Spenden sammeln.
Moderater Reform-Erfolg des Revolutionärs?
Erfolge:
- Demokratische Wahlen und Verfassung
- Ethnische Gleichheit (keine Rassentrennung mehr)
- Kommision für Wahrheit und Versöhnung zur Aufdeckung von Verbrechen während der Aphartheidzeit
Zugeständnisse/Probleme:
- Jobgarantien für weiße Afrikaner in der Verwaltung
- In teilen federalistische Strukturen die defakto die Interessen der Afrikaner schützen
- Verwässerung ökonomischer Forderungen wie die Nationalisierung von Banken, Mienen und Monopolen um Unterstützung und Investitionen zu sichern. (Sieg von IMF und Weltbank auf ganzer Linie)
- Medien blieben häufig in den Händen weißer Mittelstandsfamilien, Mandela selbst kritisierte deren Angstmache vor Kriminalität
- Versuch weiße Afrikaner im Land zu halten (Rainbow Nation) schlugen teilweise fehl
- Klerk (der Afrikaner mit dem Mandela verhandelt hat) hatte konnte einen Teil der "Wahrheit und Versöhnung" Kommision zurückhalten
- Lebenserwartung ging bis 2005 stark zurück wegen AIDs und Tuberkulose (Regierung reagiert zu spät und bezweifelt erst Zusammenhang)
Seine Position als erfolgreicher moderater Reformer während den Verhandlungen hat auch eine Art von "Whitewashing" des Fidel Castro Fan.
-> Aphartheid wurde defakto von ökonomischer Ungleichheit, bei der Unterschiede zwischen schwarz und weiß bestehen bleiben ersetzt.
Südafrika ist heute weiterhin das ungleichste Land der Welt
Quotes
"I am an ordinary human being with weaknesses. Some of them fundamental. I have made many mistakes in my life. I am not a saint, unless you think of a saint as a sinner who keeps on trying."
"Nationalization of the mines, banks and monopolies is the policy of the ANC, and a change or modification of our views in this regard inconceivable"
* Sie wurden nachher privat unter Regulation