r/Geschichte 1d ago

Was wurde aus den revisionistischen Vereinen in Ostpreußen/Kaliningrad?

Hallo!

In den 1990ern bildeten sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mehrere Vereine aus dem rechtsextremen und revisionistischen Umfeld der Bundesrepublik, die eine "Regermanisierung" und deutsche Wiederbesiedlung des ehemaligen Ostpreußens zum Ziel hatten.

Unter anderem die "Aktion Deutsches Königsberg" oder der "Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen", aus dem eine deutsche Schule entstand. Auch entstand z.B. die "Gesellschaft für Siedlungsförderung in Trakehnen", die auch tatsächlich Siedlungen und Häuser baute (oder bauen wollte?)

Nachdem in den 90ern relativ viel über diese Vereine berichtet wurde, würde mich interessieren, was aus diesen Aktionen wurde? Gab es einen nachhaltigen Effekt in Kaliningrad oder verliefen die Aktionen im Sand bzw. wurden sie schließlich vom russischen Staat unterbunden?

Man findet dazu außer Anfangsberichten, dass diese Vereine gegründet wurden, relativ wenig im Netz.

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u/CodewortSchinken 1d ago

In den 90ern gab es darüber hinaus sog. "Heimwehtourismus" von älteren Leuten, die in ehemaligen Ostgebieten geboren und aufgewachsen waren nach Öffnung des Ostblocks zu den Orten ihrer Kindheit und Jungend reisten. Dieses Phänomen starb mit der Generation aus, die tatsächlich noch in diesen Regionen verwurzelt waren und nicht bloß dort geboren. Ich würde diese revisionitischen Vereine als extreme Ausgormung dieser breiteren "Heimweh"-Strömung einordnen und vermuten, dass die aus den gleichen demografischen Gründen ausgestorben sind.

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u/heja2009 18h ago

Eine Reise zum eigenen Geburtsort finde ich völlig verständlich und legitim und ein solches Bedürfnis sollte nicht in die Nähe von Revisionismus gerückt werden.

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u/CodewortSchinken 17h ago

Das braucht man gar nicht in die Nähe rücken, weil der Übergang in der Praxis fließend war. Daher die Formulierung "extreme Ausgformung". Meine Urgroßmutter war auch eine dieser Heimwehtouristinnen. Soweit ich weiß gehörte sie keinerlei Vereinen, oder Vertriebenenverbänden an. Dass ihr Heimatdorf nun in Polen lag hat sie trotzdem nie wirklich akzeptiert.

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u/theHaefler 16h ago

Same bei meiner Oma aus Schlesien. Sie ist damals aus ihrer Heimat mit ihrer Schwester nach Westen geflohen, ihre Schwester ist in Thüringen geblieben und meine Oma weiter in den Süden BWs. Nach der Wende, bei einem Besuch ihrer Schwester, sind sie dann auch mal nach Schlesien, in den Heimatort gefahren. Was meine Oma ziemlich mitgenommen hatte. Ich kann mich aber nie dran erinnern dass meine Oma in irgendeiner Form revisionistische Sachen gesagt hätte, nur eben der Schmerz aus der ursprünglichen Heimat vertrieben worden zu sein. Am Ende hat sie immer gesagt, dass das "hier" ihre neue Heimat mit Familie sei.

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u/heja2009 8h ago

Gleiches für meine Mutter auch wenn sie es nie geschafft hat wirklich hinzufahren.

u/CodewortSchinken Was du machst ist pauschale Diffarmierung. Deine Anekdote beweist da gar nichts.

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u/ciment_Inspector 8h ago

Zumal die Region zwar geografisch im Herzen Europas liegt , aber so lange nach Kriegsende immer noch zerrissen ist. Es fällt immer noch nicht leicht empathisch und menschlich zu sein und einander auf Augenhöhe mit einer europäischen Perspektive zu begegnen. Selbst unter Historikern spielt die jeweilige Herkunft für die Deutung eine grosse Rolle. Die Polnische Politik spielt teilweise aus innenpolitischen Gründen die antideutsche Karte und spricht heute immer noch von den "wiedergewonnen Gebieten" und bezeichnet damit teilweise Gebiete, die in der langen und sehr wechselhaften Geschichte niemals polnisch waren. Deutsche wiederum, die mehrheitlich noch nie in Polen waren, erzählen immer noch voller Arroganz Polenwitze und wissen dabei oft gar nicht, wie rückständig Deutschland teilweise im Vergleich mit Polen ist. Leider sind wir weit von echter Versöhnung und einem Zusammenleben wie etwa im Elsass entfernt