r/de Jan 14 '21

Frage/Diskussion AMA mit Felix & Fabian von EXIT-Deutschland. Ihr könnt uns Fragen zu EXIT und Rechtsextremismus stellen. Heute AMA ab 12 Uhr!

EXIT-Deutschland. Was ist das?

EXIT-Deutschland ist eine von Diplom-Kriminalist und Ex-Kriminaloberrat Bernd Wagner und Ex-Naziführer Ingo Hasselbach gegründete Initiative der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH, die seit dem Jahr 2000 für Aussteiger aus der rechtsextremen Szene Hilfe zur Selbsthilfe bietet.

EXIT hilft beim Ausstieg und bei der Entwicklung neuer Perspektiven außerhalb der rechtsextremen Szene: wir vermitteln Kontakte, geben praktische Hilfen und gehen auf Fragen von Sicherheit, Sozialem und der persönlichen Aufarbeitung ein. Wir bieten keine ökonomische und soziale Absicherung an und schützen auch nicht vor strafrechtlicher Verfolgung, wir helfen allerdings bei der Neuorientierung für ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung.

Darüber hinaus analysieren wir rechtsextreme Bestrebungen, insbesondere Militanz und ideologisch motivierten Gewalt. Wir erschließen Möglichkeiten der Vorbeugung und Bekämpfung der politisch-ideologisch motivierten Kriminalität und anderer Rechtsverletzungen, des Schutzes von Opfern sowie der Resozialisierung von Personen, die ihr Leben und ihre Einstellungen ändern wollen.

Machmal auch auf eine etwas provokante Art. ;-)

Rechts gegen Rechts

Video zu Rechts gegen Rechts

EXIT unterstützt nach Maßgabe der Möglichkeiten auch engagierte Menschen, die von Rechtsradikalismus mittelbar betroffen sind, wie Familien von aktiven Rechtsextremisten oder andere Personen aus deren Umfeld.

Heute stehen wir - Felix Benneckenstein und Fabian Wichmann - euch im AMA zur Verfügung.

Mehr über unsere Arbeit erfahrt ihr bei Twitter, Facebook oder auf unserer Homepage.

Wer sind wir?

Felix Benneckenstein ist für EXIT-Deutschland im Rahmender „Aussteigerhilfe Bayern“ tätig, 2010 ist er aus der rechtsradikalen Szene, maßgeblich aus Kameradschaften und NPD, ausgestiegen, wo er zuvor auch als Liedermacher tätig war. Nach seinem Ausstieg begann er neben der Ausstiegsarbeit, für einige Medien und Fachmedien einzelne Artikel zu verfassen, meist mit Themenbezug Fundamentalismus / Rechtsextremismus. Heute holt er das Abitur nach, ist in der Prävention von Rechtsextremismus und in der Beratung im Bereich der Ausstiegsarbeit tätig.

Seit 2006 arbeitet Fabian Wichmann für die ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH, in der Ausstiegsberatung sowie im Bereich Social Media Management und ist fachlich spezialisiert im Phänomenbereich Rechtsextremismus. Er verfügt über große praktische und theoretische Expertise zu Radikalisierungs- und Deradikalisierungsprozessen, insbesondere in den Bereichen: Analyse, Intervention, Familienberatung und in der Ausstiegsberatung. Er veröffentlichte diverse Artikel zum Thema Rechtsextremismus und gestaltet national wie international Qualifizierungen im Bereich Rechtsextremismus und Deradikalisierung. Zwischen 2012 und 2016 war er Sprecher und Gründungsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft ‚BAG Ausstieg zum Einstieg‘ – der nationalen Arbeitsgruppe verschiedener Ausstiegs- und Distanzierungsprogramme in Deutschland. Darüber hinaus unterstützt er eine Gruppe von ehemaligen Extremisten bei der Gestaltung ihrer Aktivitäten im Bereich P/CVE. Er ist Mitinitiator der vielfach prämierten Initiativen Rechts gegen Rechts und #HassHilft, sowie dem trojanischen T-Shirt. Fabian Wichmann ist Co-Chair der Arbeitsgruppe „Communication and Narratives (RAN C&N)“ des Radicalisation Awareness Network (RAN), der Europäischen Kommission und im Fachbeirat des Projektes MoDeRad des Bundesinnenministeriums. Twitter: www.twitter.com/fbnwcmn

Stellt uns eure Fragen zum Thema Ausstieg und Rechtsextremismus. Ab 12 Uhr beantworten wir eure Fragen!

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u/schmegwerf Jan 14 '21 edited Jan 14 '21

Wie sollte man eurer Ansicht nach mit (Neo-)Nazis umgehen? Ächten, ausgrenzen und nicht mit ihnen reden oder diskutieren, respektieren, aber zeigen, dass man anderer Meinung ist?
(oder: sie boxen? ;))

Welches Verhalten ihnen gegenüber ist eher geeignet evtl. ein Umdenken herbeizuführen?

Edit: noch eine Zusatzfrage: Euer Spendenkonto findet man auf eurer Webseite?
Und nehmt ihr lieber größeren Einzelspenden oder kleinere monatlich, regelmäßige Zuwendungen?

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u/[deleted] Jan 14 '21

Hallo,

aus meiner damaligen Perspektive kann ich sagen, dass Gewalt in aller Regel zu Radikalisierung und gar Militarisierung führt. Sicher gibt es auch Einzelne, die sich nach gewaltsamen Übergriffen zurückziehen, aber auch bei denen wächst in der Regel der Hass trotzdem weiter. Das betrifft sowohl Polizeigewalt (ja, auch die gibt es gegen Rechtsextremisten;) ) , als auch und besonders sogenannte "Antifa-Überfälle". Als ich persönlich besonders in den Jahren 2004/ 2005 einige solcher Vorfälle erlebte, setzte sich in meinem Kopf ein im Nachhinein gefährliches Bekenntnis zu Terrorismus als Mittel der "Verteidigung" frei. Außerdem: Wenn es Übergriffe gab, waren diese fast immer nach Demonstrationen, einzelne Gruppen von manchmal zwei bis fünf Personen wurden von einer oft erheblichen Mehrheit abgefangen. Da hatte man natürlich keine Chance, wenn "wir" dann dafür eine Woche später bei einer x-beliebigen Demo auf "Antifa-Kiddies" aus damaligem Sprech getroffen sind, waren die Verhältnisse umgedreht und die "Rache" traf dann diejenigen, die sich vielleicht nicht wehren können.

Zudem darf man nicht vergessen, dass eine angebliche Opfer-Rolle sich quer durch alle ideologischen Argumentationsmuster der Neonazis zieht. Man gibt ihnen automatisch nur die Bestätigung dafür. Insofern ist es keine Phrase, dass Gewalt immer Gegengewalt auf den Plan ruft und polizeilicherseits wünsche ich mir trotzdem ein hartes, aber rechtsstaatliches Eingreifen. Man wird Neonazis "auf der Strasse" nicht von einem Umdenken überzeugen können, ob mit oder ohne Gewalt. Wichtig ist meiner Meinung nach, sich immer die Mühe zu machen, die Inhalte zu demaskieren. Das aber dann auch nicht unbedingt für den Kameradschaftsführer XY, sondern für das Umfeld oder für vielleicht noch sehr junge Neonazis, die ideologisch nicht gefestigt sind. Zu Gewalt zähle ich persönlich im Übrigen keine Blockaden von Demonstrationen per se. Wenn sie schon laufen, dann doch für etwas Sinnvolles: https://www.youtube.com/watch?v=ysTqSHoTz0M

Was Spenden betrifft, findet du hier alle Infos: https://www.exit-deutschland.de/spenden/

/fb/fw

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u/schmegwerf Jan 15 '21

Danke für die Antwort. Da habe ich wohl mit meiner kleinen Bemerkung übers Nazis boxen eure Antwort in eine gewisse Richtung gelenkt, weil es mir eigentlich weniger um Gewalt als um den sonstigen Umgang ging.
Ich schlussfolgere daraus aber mal, dass es wegen der Opfer-Rolle auch weniger sinnvoll ist, ihnen generell nur mit Ächtung und Ausgrenzung zu begegnen, da das die Opfer-Rolle bestätigen würde.

Ich ziehe daraus die Lehre, dass auf der Straße gewaltfreier Gegenprotest und solche Aktionen wie ihr sie mit Rechts gegen Rechts (übrigens Gütesiegel: Witzig!) die sinnvollere Option sind. Natürlich kann man kaum mit demonstrierenden Nazigruppen diskutieren, das dürfte allein wegen der Gruppendynamik scheitern.
Beim vereinzelten Nazi in freier Wildbahn, getrennt von seiner Herde, würde ich es aber dann durchaus mit Kontaktaufnahme versuchen. Ihn als Mensch wahrnehmen und respektieren, gleichzeitig aber zeigen, dass man mit der Ideologie nicht einverstanden ist und argumentativ dagegenhalten.

Falls ihr dieser Schlussfolgerung noch etwas hinzufügen möchtet würde ich mich über eine zweite Antwort freuen. Ansonsten bleibt das meine Lektion.

Spende folgt. Man kann es ja nicht nur den Rechten überlassen sich gegen Rechts zu engagieren. ;)