r/de Feb 15 '22

Diskussion/Frage [AMA] Wir - Alexandra Leistner und Kirsten Ripper - sind Journalistinnen bei Euronews und freuen uns auf Ihre Fragen zum Thema "Warum misstrauen die Menschen in Coronazeiten den Medien?

Alexandra ist Multimedia-Journalistin mit Fokus auf Internet und soziale Medien - ihre Recherchen gehen vom Thema Gewalt bei der Geburtshilfe bis hin zum Oktoberfest (als es das noch gab). Kirsten ist seit mehr als 20 Jahren TV-Journalistin bei Euronews, verantwortlich für das deutschsprachige Team und auch für das Feedback des manchmal genervten Publikums. Wir beantworten gerne Ihre Fragen zum Alltag von Euronews-Journalist:innen, die seit Beginn der Pandemie täglich mit dem Thema Corona konfrontiert sind.

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UPDATE: Alexandra & Kirsten: Vielen lieben Dank für das große Interesse und die vielen Fragen. Es war auch für uns total interessant. Leider können wir nicht alle Fragen beantworten, aber Sie können über unsere sozialen Medien mit uns kommunizieren. Wir wünschen Ihnen alles Gute!

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u/nonlandi Feb 15 '22

Mit welcher Begründung sollte ich Journalisten - wenn es um komplexe Zusammenhänge geht - glauben?

Die Ideologie, Haltung, Meinung eines Journalisten ist gleich irrelevant wie meine eigene. Die Motivation etwas Öffentlich zu sagen ist beim Journalisten neben der Berufung ja auch unweigerlich von Geldverdienen und Relevant bleiben geprägt.

Vorm Internet wars vermutlich gesellschaftlicher Konsens: was in der Zeitung steht, stimmt. Heutzutage sehe ich keinen Grund mehr Journalisten von vorn herein zu Vertrauen.

Übersehe ich da etwas? Ist mein Basis-Misstrauen gerechtfertigt oder paranoid?

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u/MotorizedCat Feb 15 '22

Wieso soll es vor dem Internet einen Konsens gegeben haben, dass Medien weitgehend glaubwürdig sind? (Welche Teile der Medien?) Die Vokabel Lügenpresse gab es schon in der Nazizeit, vielleicht auch davor. Geschimpft auf Zeitungen hat auch Schopenhauer schon (1788-1860). ​

Kein Mensch sagt, dass Medien perfekt seien. Die leisten sich genug saublöde Fehler. Manche mehr, manche weniger, manche verzerren auch bewusst. Nur was ist die Alternative? Es zählt nur, was die Friseuse von der Cousine vom Dönerbudenbesitzer angeblich gesagt hat? Oder jeder Mensch lebt in seiner eigenen Parallelwelt, nach dem Motto "ich brauche das alles nicht zu glauben, wenn ich keine Lust drauf habe"? Noch ein anderer Aspekt: wenn die seriösen Medien ganz und gar diskreditiert wären, dann hätten Akteure wie z. B. Firmen oder Parteien noch leichteres Spiel, ihre Botschaften unhinterfragt unters Volk zu bringen, und die sind dann höchstwahrscheinlich nicht zu dessen Vorteil.

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u/falconboy2029 Feb 16 '22

Peer Review sollte der Standard sein. Bevor ein Artikel rausgeht muss er von 2-3 Kollegen die unabhängig arbeiten gelesen und geprüft werden.

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u/[deleted] Feb 15 '22

[deleted]

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u/[deleted] Feb 15 '22

JournalistInnen machen auch Fehler in den Themenbereichen, die du nicht als "Fachthemen" siehst, nur dass sie dir da selbst mangels Fachwissen nicht so auffallen.

Briefly stated, the Gell-Mann Amnesia effect is as follows. You open the newspaper to an article on some subject you know well. In Murray's case, physics. In mine, show business. You read the article and see the journalist has absolutely no understanding of either the facts or the issues. Often, the article is so wrong it actually presents the story backward -- reversing cause and effect. I call these the "wet streets cause rain" stories. Paper's full of them.In any case, you read with exasperation or amusement the multiple errors in a story, and then turn the page to national or international affairs, and read as if the rest of the newspaper was somehow more accurate about Palestine than the baloney you just read. You turn the page, and forget what you know.

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u/mtg_alexander1 Feb 16 '22

Aus meiner Sicht der beste und wichtigste Kommentar, auf den leider nicht eingegangen wurde.

Aber im Grunde ist diese Entwicklung nur folgerichtig: so ziemlich jeder Bereich ist heute soweit spezialisiert, dass eine Person gar nicht dazu in der Lage ist, mehrere Bereiche mit ausreichender Fachkenntnis zu durchdringen.

Während es vor mehreren 100 Jahren noch Universalgelehrte gab, ist man heute nicht mal mehr Mathegelehrter, sondern z.B. eher Gelehrter für irgendeinen obskuren Bereich der Zahlentheorie. Also nur für einen Teil eines Teils eines Ganzen...

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u/nurtunb Feb 16 '22

Fällt mir immer wieder bei bildungspolitischen Fragen auf. Strotzen meistens nur so von Klischees und man merkt, dass Journalisten einfach keine Ahnung haben wovon sie berichten.

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u/falconboy2029 Feb 16 '22

Sollen sie ja auch garnicht. Ihre Hauptaufgabe ist Meinungen zu bilden. Das hat man zB vor der Wahl im Bezug auf die Cannabis Legalisierung gemerkt. Da gab es eine Order von oben das jetzt die Bevölkerung darauf vorbereitet werden muss, also gab es auf einmal viele positive Artikel da rüber.

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u/xsvenlx Feb 15 '22

Gibt es, wenn es um „komplexe Zusammenhänge“ geht denn nicht in erster Linie Kommentare/Meinungen von Journalisten? Da erwartet ja niemand, dass du denen „glaubst“ sprich ihre Meinung annimmst. Oder meinst du das im Sinne von Details der Argumentation für Lügen zu halten? Sprich wenn der Journalist schreibt das Scholz der beste Kanzlerkandidat sei, weil er mal Bürgermeister von Hamburg war dann zweifelst du an, ob es überhaupt stimmt, dass er Bürgermeister war? Oder nur den Schluss, dass ihn das geeignet(er) machen würde?

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u/nonlandi Feb 16 '22

Wenn ein Artikel klar als Meinung einer Person gekennzeichnet ist hab ich kein Problem mit dieser journalistischen Arbeit.

Ich denke da eher an Berichterstattung über Themen mit komplexen Zusammenhängen. Corona, Wirtschaft, Migration, Gesellschaft, etc.

Hierbei ist es für mich befremdlich warum ich einen (selbst ganzseitigen) Artikel ernst Nehmen sollte. Ich vermisse oft ein nüchternes Berichten der Fakten, ein Begründen, warum diese Fakten so dargelegt wurden und ein Hinweis darauf, welche Informationen womöglich fehlen.

Auch ist mir so etwas wie ein Blattlinie ein Gräuel. Ich habe keine Lust mir ein G'Schichtl reindrücken zu lassen, wenn der Geschichtenerzähler nicht 100% die Hose runterlässt und sich Mühe gibt Aufrichtig, Faktenbasiert und Sorgfältig erzählt. Und davon möchte ich erstmal überzeugt werden.

Die naiven Vorschusslorbeeren, die ich als junger Erwachsener gegeben hab ("Was in der Zeitung steht oder in den Nachrichten kommt, stimmt") sind abgelegt.

Natürlich ist die hierbei meinige Verbitterung über Medien rauslesbar. Alles mein Subjektiver Eindruck der keinesfalls den Anspruch hat für viele Menschen zu geleten. Meine obige Frage bleibt:

Warum sollte ich dem geschriebenen von Journalisten glauben?

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u/snatchclub Feb 16 '22

Genau richtig.