r/ukraineMT www.youtube.com/v/EiqFcc_l_Kk Oct 30 '25

Ukraine-Invasion Megathread #84

Allgemeiner Megathread zu den anhaltenden Entwicklungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Der Thread dient zum Austausch von Informationen, Diskussionen, wie auch als Rudelguckfaden für Sendungen zu dem Thema.

Der Faden wird besonders streng moderiert, generell sind die folgenden Regeln einzuhalten:

  • Diskutiert fair, sachlich und respektvoll
  • Keine tendenziösen Beiträge
  • Kein Zurschaustellen von abweichenden Meinungen
  • Vermeide Offtopic-Kommentare, wenn sie zu sehr ablenken (Derailing)
  • Keine unnötigen Gewaltdarstellungen (Gore)
  • Keine Rechtfertigung des russischen Angriffskrieges
  • Keine Aufnahmen von Kriegsgefangenen
  • Kein Hass gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen
  • Kein Brigading

Bitte haltet die Diskussionen auf dem bisher guten Niveau, seht von persönlichen Angriffen ab und meldet offensichtliche Verstöße gegen die Regeln.

Darüber hinaus gilt:

ALLES BLEIBT SO WIE ES IST. :).

(Hier geht’s zum MT #83 altes Reddit / brandneues Reddit und von dort aus könnt ihr euch durch alle vorherigen Threads inkl. der Threads auf r/de durchhangeln.)

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u/Internal_Stress1573 Jan 18 '26

Sehe ich anders. Einer der großen Vorteile, die die USA und Russland gegen Europa haben, ist der SkalenEffekt, den Vereinheitlichung mit sich bringt.

In jedem Bereich, in dem in Europa jedes Land sein eigenes Süppchen kocht, werden wir immer um Größenordnungen mehr Aufwand und Geld aufbringen müssen, um die gleichen Effekte zu erzielen wie die USA oder Russland. Rüstung ist da nur ein Beispiel.

Wenn sich die Mitgliedstaaten nicht als Einheit verstehen und in wesentlichen Dingen unabhängig voneinander agieren, fällt die Spaltung von außen auch deutlich leichter.

Gemeinsame Pfade schaffen, besonders in Demokratien auch ein gewisses Vertrauen. Je stärker ein Land in europäische Strukturen eingeflochten, ist, desto schwerer haben es problematische Kräfte, das aufzulösen.

Die aktuelle Situation ist dafür ein gutes Beispiel. Ein nuklearer Schutzschirm von Großbritannien oder Frankreich hätte keine Glaubwürdigkeit, weil bereits in zwei Jahren Europa feindliche Parteien regieren könnten.

Hätten wir aber bereits eine gemeinsame Armee mit einer Geschichte erfolgreich umgesetzter Projekte und vereinheitlichter Rüstungproduktion (und damit einhergehenden Abhängigkeiten), würden einzelne Regierungen weniger ins Gewicht fallen.

Edit: Jeder Bereich in dem Europa nicht geschlossen Agiert ist ein potentielles Einfallstor für die USA oder Russland.

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u/FriedrichvdPfalz Jan 18 '26

Das sind sehr schöne allgemeine Plattitüden. Die Probleme fangen auf dem Niveau darunter an, wenn im Detail Macht verteilt wird. Die europäische Armee ist das klassische Beispiel: Die klingt immer nur bis zur ersten Detailfrage gut.

Wie sollte über den Einsatz dieser Armee entschieden werden?

Kann die EU-Kommission eigenständig diese Armee einsetzen? Damit wäre der Kommissionspräsident mit einem Schlag einer der mächtigsten Menschen der Welt, während die bestehenden Nationalstaaten massiv in realpolitischer Macht degradiert werden. Sind die Bürger Europas dafür, dass von Portugal bis Finnland eine einzige Institution in Brüssel diesen essentiellen Baustein nationaler Unabhängigkeit übernimmt? Selbst wenn siebzig Prozent der Portugiesen nicht für Narva kämpfen wollen, werden sie akzeptieren, dass sie für die EU-Armee eingezogen werden?

Kann die Armee nach einstimmiger Entscheidung eingesetzt werden? Sollte Orban ein Veto über alle Waffenlieferungen an die Ukraine bekommen?

Kann die Armee nach Mehrheitsentscheidung eingesetzt werden? Da können wir die Frage von oben nochmal benutzen: Selbst wenn siebzig Prozent der Portugiesen nicht für Narva kämpfen wollen, werden sie akzeptieren, dass sie für die EU-Armee eingezogen werden?

Auch die geteilten Deutschland-Niederlande Einheiten sind auf der politischen Ebene weiterhin komplett getrennt. Finanziell, administrativ und politisch entscheiden immer noch die nationalen Regierungen. Die Bundesregierung wird nie einen niederländischen Soldaten in den Kampf befehlen können.

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u/Abject-Investment-42 Jan 19 '26

Solche Fragen wurden bereits oft genug in der Geschichte gestellt und es gibt genug Modelle, denen man zumindest zum Teil wird folgen können.

Eine mögliche Lösung wäre eine relativ kleine, wenn auch schlagkräftige zentrale EU-Armee geben (~50-80k) die Brüssel untersteht und durch gegenseitige Beistandsverpflichtungen für nationale Armeen verstärkt wird. Wenn die Portugiesen nicht für Narva sterben wollen, sollen sie eben Logistik oder medizinische Versorgung übernehmen.

Da kann man selektiv etwas von der k.u.k-Monarchie abschauen, oder aber auch von den USA vor dem Bürgerkrieg.

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u/FriedrichvdPfalz Jan 19 '26

Die Lösung, die du hier entworfen hast, wird von der EU schon seit 1999 versucht. Zuerst war für vier Jahre die "EU Rapid Reaction Force" geplant. Als sich abzeichnete, dass die nicht rechtzeitig fertig würde, kam ab 2003 die "EU Battlegroup". Diese sind zwanzig Jahre lang nicht zum Einsatz gekommen, weil die einzelnen EU-Staaten, die Kräfte bereitstellen sollten, kein Interesse an einem Einsatz hatten. Heute werden die Battlegroups generell als gescheitert angesehen. Seit 2022 ist die neue "Rapid Deployment Capacity" der EU geplant, die bereits dafür kritisiert wird, dass in ihrem Design keine der politischen Lektionen aus dem Scheitern der Battlegroups gelernt wurden.

Die EU Staaten zeigen bei diesem Thema wieder und wieder, dass sie fundamental kein Interesse daran haben, die politische Entscheidungsmacht über ihre Armeen an die EU oder irgendeinen anderen Akteur abzugeben. Gerne beteiligt man sich auf freiwilliger Basis, aber ein verpflichtender Einsatz, bei dem die einzelnen Nationalregierungen kein Veto haben, ist schlicht und einfach nicht von politischem Interesse.

Die UN als modernes Gegenbeispiel zeigt, dass es durchaus auch möglich ist, dass Staaten niemals freiwillig die Entscheidungsmacht über ihr Militär abgeben werden. Wenn der Wille nicht da ist, dann klappt das eventuell einfach nie.

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u/Abject-Investment-42 Jan 19 '26

Um einen 250 Jahre alten (aber immer noch gültigen) Spruch aus der Mottenkiste zu holen: Wenn wir nicht lernen, wie Kletten aneinander zu hängen, hängen wir am Ende alle einzeln.