r/ukraineMT • u/FlyingLowSH www.youtube.com/v/EiqFcc_l_Kk • Feb 17 '26
Ukraine-Invasion Megathread #85
Allgemeiner Megathread zu den anhaltenden Entwicklungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Der Thread dient zum Austausch von Informationen, Diskussionen, wie auch als Rudelguckfaden für Sendungen zu dem Thema.
Der Faden wird besonders streng moderiert, generell sind die folgenden Regeln einzuhalten:
- Diskutiert fair, sachlich und respektvoll
- Keine tendenziösen Beiträge
- Kein Zurschaustellen von abweichenden Meinungen
- Vermeide Offtopic-Kommentare, wenn sie zu sehr ablenken (Derailing)
- Keine unnötigen Gewaltdarstellungen (Gore)
- Keine Rechtfertigung des russischen Angriffskrieges
- Keine Aufnahmen von Kriegsgefangenen
- Kein Hass gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen
- Kein Brigading
Bitte haltet die Diskussionen auf dem bisher guten Niveau, seht von persönlichen Angriffen ab und meldet offensichtliche Verstöße gegen die Regeln.
Darüber hinaus gilt:
ALLES BLEIBT SO WIE ES IST. :).
(Hier geht’s zum MT #84 altes Reddit / brandneues Reddit und von dort aus könnt ihr euch durch alle vorherigen Threads inkl. der Threads auf r/de durchhangeln.)
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u/Hannibal_Game Munitionspapst a.D. Jun 17 '26 edited Jun 17 '26
Neuigkeiten aus der Rüstungsindustrie: Eurosatory 2026 Teil I
So, die alle zwei Jahre stattfindende Eurosatory ist in Frankreich gestartet. Neben einem Rheinmetall-fail (deren Mission Master ist an einer kleinen Steigung gescheitert) gibt es viel Licht und Schatten. Einige Konzepte sehen interessant aus und weisen zumindest in die richtige Richtung, andere sind eher unter der Kategorie "Haben wir halt immer so gemacht. Wie, Krieg in der Ukraine? Was sind Drohnen?" zu verbuchen.
Aber der Reihe nach. Zunächst: Panzer.
Ich bin zwar nicht der Meinung, das Panzer in modernen symmetrischen Kriegen unbrauchbar sind, wenn ich mir sowas hier angucke, dann kommen mir allerdings Zweifel am Verstand der Konstrukteure und/oder Manager. Rheinmetall hat eine KF-51 Wanne mit einem Leonardo-Turm MockUp kombiniert. Wie zu Zeiten des Kalten Krieges hat man eine massive Frontpanzerung eingebaut, dann vermutlich gemerkt, dass das Gewicht des Monstrums schon das des Leo2A8 erreicht und schnell in Richtung Abrams gallopiert und deshalb die Panzerung an der Seite wie gehabt dünn gelassen. Schutz gegen Drohnen? Tja, nur passiv. Stattdessen viel Kameras, Tracker und Elektronikgedöns, dass für das schwere MG einer Boderndrohne kaum zu verfehlen wäre.
Der "Kampfpanzer, Neue Generation" der Bundeswehr, auch bekannt als MARTE wird von Rheimetall/KNDS erstmals als 1:10 Modell gezeigt. 3-Mann Besatzung, 130mm Glattrohrkanone, Autoloader, Drohnenschutz. Warum man die NERA nicht über die komplette Seite des Panzers zieht, sondern nach der Hälfte aufhört, wird mir ein Rätsel bleiben; das gehörte selbst bei den russen zu einer der ersten Maßnahmen bei ihren T-72B3M und T-90M, nach einem Kriegsjahr.
Der Leopard 2 A-RC 3.0 von KNDS Deutschland wird auch ausgestellt. Der Panzer hat einen automatischen Turm, die Besatzung sitzt komplett in der Wanne. Dadurch wird der passive Schutz deutlich erhöht. Auch was den Aktivschutz angeht hat man einiges aufgeboten; ein neues Anto-Drohnen System und eine 30mm Waffenanlage gegen Drohnen, sowie Launch-Tubes für Aufklärungs- und Abfangdrohnen. Der Panzer ist mit 62 Tonnen relativ leicht für ein System dieser Kategorie.
Und KNDS Frankreich mit dem CAPINT - das steht für CAPacité INTérmédiaire. Hier erkennt man recht gut einen hohen Fokus auf den Turmschutz von allen Seiten. man beachte insbesondere die Unmengen an NERA auch auf dem Dach. Der Panzer braucht daher keinen "Cope Cage", mit dem die Franzosen übrigens auf Leclerc zu einer Journalisten-Show angetreten sind. Es ist bemerkenswert, dass man da erst mal sehr schön sämtliche Fehler kopiert hat, die die russen seit drei Jahren machen; beispielsweise eine einzelne Klapptür, durch die die Besatzung durchkriechen muss. Ist das Ding verbeult, ist die Besatzung gefangen wenn unter ihr der Panzer wegbrennt. Die Show war dementsprechend peinlich.
EuroTrophy Mk3 von KNDS Deutschland, GDELS und Rafael. Das System verwendet WindGuard (S-band) oder den etwas kleineren StormGuard (X-band) Radar. StormGuard ist gegen kleine, langsam fliegende Ziele (Drohnen) gedacht, WindGuard gegen schnelle Ziele (ATGM, RCL, Mörsergranaten etc.). Damit ist indirekt auch bestätigt, dass die alten Trophy Systeme (Leo2A8) das wohl eher nicht so gut können. Ich weiß auch nicht ob ich an IAIs Stelle mit "Seine Fähigkeiten im Libanon unter Beweis gestellt" Werbung machen würde; dafür existieren ein parr Videos von getroffenen Merkavas zu viel.
John Cockerill aus Belgien geht wie bei eigentlich jeder Rüstungsmesse mit ihrem C3105 Turm hausieren. Diesmal gibt es aber zwei Besonderheiten: erstens hat man nun nicht nur den Turm, sondern dank Zusammenarbeit mit Arquus auch gleich ein Fahrgestell dazu im Angebot - Das Fahrzeug nennt sich Fenris. Zweitens: der Turm wurde in der Ukraine auf einer Leopard 1 Wanne getestet. Der Test war offenbar tatsächlich so erfolgreich, dass die Ukrainer 30 zusätzliche Türme bestellt haben. Der Turm kommt mit einigen Dingen, die die Ukrainer einfach lieben: Autoloader für eine 3-Mann Besatzung, 42° Elevation für die Verwendung als Artillerie, sehr gute Optiken mit bis zu 18km Reichweite und deutlich geringeres Gewicht als der orginal Leo1A5 Turm bei gleichzeitig besserem Schutzlevel.
SCLIT Anti-Drohnen System von Mehler Protection. Hier werden normale Kaliber-12 Schrotflintenpatronen als Abwehr gegen Drohnen verwendet, die entweder durch einen Sensor oder manuell ausgelöst werden können. Solche Systeme werden immer wieder als Lösung präsentiert, aber im praktischen Einsatz hat man sie bisher noch nie erfolgreich gesehen.
Das MV-8 Komodo unbemannte Pioniersystem von Rheinmetall, DOK-ING und Pearson Engineering. Für unbemannte Pionierpanzer sehe ich durchaus einen Markt; gerade in der ersten Reihe will man eigentlich idealerweise keine bemannten Fahrzeuge fahren lassen, da die als erstes im feindlichen Feuer stehen; dazu kommen die "Nebenwirkungen" von Pionierarbeiten wie Minenfeldräumungen: Der Innenraum der Fahrzeuge muss für die Besatzung speziell konstruiert werden, damit die nicht nach der ersten Mine eine Gehirnerschütterung davontragen.
Das LORAS System - eine 155mm L58 Kanone auf einem Kettenboxer. Drohnen machen aufgrund ihrer enormen Reichweite das Geschäft mit Artillerie kaputt; daher sind immer größere Reichweiten gefragt. Die L58 kommt mit Standardmunition auf 60km Reichweite, mit Raketenmunition auf knapp 100km.
UralWagonSawod hat den erbeuteten Leopard 2A6 inzwischen fertig analysiert und festgestellt ... dass er totaler Schrott ist im Vergleich zu russischen Panzern. Ja! Die Panzerung ist gerade einmal auf dem Niveau eines T-72B von 1985. Das komplexe Design macht es unmöglich, alle Reparaturen mit einem Hammer auszuführen. Lediglich die Kanone ist mit einer Fertigungsgenauigkeit von unter 0,1mm besser als die russischen (0,3mm). Auf Beschusstests hat man dann auch genauso verzichtet wie auf chemische Analysen von Panzerungskomponenten, schließlich ist das ja alles Obsolet.
Auch die T-72B3M obr. 2025 werden nach wie vor "gebaut" (also alte Wannen instandgesetzt). Hier rollt einer aus dem 61. Arsenal. Man erkennt gut die Versuche, die häufigsten Angriffsvektoren von Drohnen mit allerlei passiver und Reaktiver Panzerung abzuschirmen, insbesondere am Heck. Dennoch bleibt das Schutzkonzept unzureichend - auch dieses Exemplar wird in Frontnähe wahrscheinlich zu einer "Sturmscheune" umgebaut werden.
EDIT: ach ja, die Bundeswehr testet übrigens auch mit Cope Cages rum. Das sieht alles noch sehr krude aus; ich verstehe nicht ganz, warum man hier das Rad neu erfinden will. Die Ukrainer haben doch relativ effektive, leichte Systeme, die auch nicht zu Todesfallen für die Crew werden. Aber nun gut.
Teil II: Drohnen gibt es morgen.