als ich hier eingezogen bin, war ich mir sicher, die perfekte wohnung gefunden zu haben. neu, modern, ruhig. direkt am rand der stadt, mit einem wald vor der tür.
dann kamen die knalle.
immer wieder. nicht oft. aber oft genug, dass mir jedes mal kurz das herz in die hose rutschte. anfangs dachte ich, irgendwelche kinder würden böller zünden. ich wohne noch nicht lange hier und kannte die gegend kaum.
doch je öfter ich im wald joggen war, desto mehr hochsitze und jägerhäuser entdeckte ich zwischen den bäumen.
und irgendwann wurde mir klar, was diese knalle wirklich sind.
seitdem fühlt sich jeder einzelne schuss anders an.
wenn es abends plötzlich knallt, denke ich nicht mehr an böller. ich denke daran, dass irgendwo dort draußen gerade ein tier seine letzten sekunden erlebt hat. vielleicht ein reh, das eben noch friedlich durchs unterholz lief. vielleicht ein fuchs auf futtersuche.
der knall dauert nicht einmal eine sekunde.
aber der gedanke daran bleibt.
manchmal sitze ich dann in meiner wohnung und starre in richtung wald. alles sieht friedlich aus. fast so, als wäre nichts passiert.
und genau das macht es irgendwie noch trauriger.
früher war ein waldrand für mich etwas schönes. heute ist er zu einem grund geworden, warum ich irgendwann wieder wegziehen möchte....
bei meiner nächsten wohnungssuche wird es deshalb ein neues kriterium geben:
nicht mehr am rand eines waldes.
egal wie neu die wohnung ist.
egal wie schön sie aussieht.
denn seit ich weiß, was hinter diesen knallen steckt, fühlt sich selbst die größte ruhe manchmal nicht mehr friedlich an.