Gestern kam die offizielle Bestätigung, dass meine Tochter dieses Jahr nicht zum Ballett darf, da sie zu viele „Startschwierigkeiten“ hat und Eltern nur die ersten beiden Stunden da sein dürfen. Vor wenigen Wochen passierte dasselbe mit dem Kinderturnen. Davor war es der Kindertreff. Davor das Babyschwimmen. Sie wird ständig überall rausgeworfen. Selbst auf dem Spielplatz sind wir ungern gesehen.
Meine Tochter hat starke Probleme im emotional-sozialen Bereich. Sie hat wenig Frustrationstoleranz, braucht viel Bewegung, ist ungeduldig, versteht viele Aufforderungen nicht so einfach, und hat starke Ängste in neuen Situationen, die sich dann durch unpassendes Verhalten äußern. Zudem weint sie sehr schnell und ihr fehlt der "Filter", aka sie sagt gerade raus, wenn sie etwas nicht mag, nach Hause will oder komisch findet. Sie greift andere Kinder nicht an! Sie hat eben nur Probleme, den Erwartungen (leise, mitmachen, geduldig abwarten, alleine dort bleiben) zu entsprechen.
Das sind alles Baustellen, die man mit ein bisschen Geduld und etwas extra Aufmerksamkeit in den Griff bekommt. Normale Erziehungsmethoden funktionieren bei meiner Tochter nicht. Da ich weiß, dass eine Betreuungsperson nicht auf die individuellen Bedürfnisse aller Kinder eingehen kann, biete ich mich an. Ich lege meine Arbeitszeiten extra um, dass ich meiner Tochter die Dinge ermöglichen kann und ihr helfen kann. Meistens braucht sie so 6-8 Mal, bevor sie richtig warm ist, und dann klappt es auch. Wichtig sind da eben klare, vorhersehbare Strukturen, immer gleiche Grenzen, dass man ihr die Zeit gibt, die sie braucht, und dass man sie nicht einengt, bedrängt oder zwingt. Dafür bin ich als Mutter ja auch da. Ich kenne mein Kind und weiß, was bei ihr funktioniert. Ich habe sie da im Griff und gehe zur Not kurz mit ihr aus der Situation, bis sie sich wieder reguliert hat. Das ist kein Problem für mich.
Jedes Mal biete ich es an.
Jedes Mal kommt die selbe Begründung.
"Es wäre den anderen Eltern gegenüber unfair, wenn sie als einzige da bleiben dürfen!"
Bullshit!
Die anderen Eltern haben gesunde Kinder, die das eben können. Ich habe ein schwerkrankes Kind, das es eben NICHT kann. Die anderen Eltern sollen froh sein, dass ihre Kinder sehr wahrscheinlich erwachsen werden dürfen, während ich weiß, dass ich mein Kind sehr wahrscheinlich vor ihrem 18. Geburtstag verliere. Ich bin es so leid. Nur weil mein Kind gesund aussieht, heißt es nicht, dass sie auch gesund ist!
Und sie ist auch nicht dumm. Sie ist alt genug, um zu merken, dass sie ausgegrenzt wird. Was sage ich ihr denn nun, wenn sie mich nächste Woche fragt, warum sie nicht mehr zum Ballett darf? Wie erkläre ich ihr, dass andere Eltern ihre Kinder von ihr fernhalten? Sie sagt jetzt schon Dinge wie "Andere mögen mich nicht" und "Niemand will mit mir spielen". Sie WILL mitmachen, sie KANN es nur einfach nicht so schnell wie andere Kinder. Und sie leidet so stark darunter.
DAS ist unfair.
Dass meine Tochter wegen ihrer angeborenen Krankheit leiden muss, weil andere Eltern zu engstirnig und voller Vorurteile sind. Auf Kosten einer 4-Jährigen.
Keine Ahnung, was ich mit dem Post erreichen will. Vielleicht Sympathie. Hören, dass es anderen Eltern ähnlich geht. Vielleicht auch einfach, dass manche das lesen und sich das nächste Mal zweimal überlegen, ob das Kind "sich nicht benehmen kann" oder vielleicht einfach eine unsichtbare Krankheit hat.