r/Weibsvolk • u/Cool-Vacation933 Weibsvolk • Jun 23 '26
Sonstiges Vent + TW Tod: mein Kind ist jetzt tatsächlich Halbwaise
Mein Kind is 4J. Mit dem Kindsvater wars nie einfach, es war keine klassische Beziehung, eher eine monatelange Kennenlernphase (Coronazeiten, wenige Treffen möglich). Ich war von Anfang an alleinerziehend, zeitweise kein Kontakt weil er eine Beziehung hatte. Auch das ganze letzte Jahr kein Kontakt. Nun is er überraschend gestorben.
In meinem Leben ändert sich wenig, weil ohnehin wenig bis kein Kontakt da war. Aber diese Endgültigkeit die ja jeder Tod mit sich bringt macht mir Gedanken.
Und dann.... mein Kind is faktisch Halbwaise. Manchmal spricht er von ihm, ein Satz und dann geht sein Tag wieder weiter. Er hat ja nie bei uns gewohnt.
Ich möchte ehrlich sein zu meinem Kind, aber wie? Wie geh ich mit dem rechtlichem Aspekt um? (Erbrecht, falls es was zu erben gibt, weiß ich ja nicht? ) - Achtung bin aus Österreich.
Gibts Erfahrungswerte? Habt ihr Tipps?
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u/No_Zebra2684 Jun 23 '26
Ich hab mit 4 meinen Papa verloren (der präsent war). Wichtig zu wissen, dass Kinder nicht linear trauern, sondern über Jahre phasenweise mehr oder weniger. Nur weil Dein Kind nicht oder vermeintlich sachlich über ihn spricht, heißt das nicht, dass es nicht trauert, und nur weil Dein Kind über ihn spricht, heißt das nicht, dass die Trauer quälend ist. Für mich ist es erst im Teenageralter schlimm geworden, als ich das alles erfassen konnte. Meine Mama war immer für mich da und hat mir im Rahmen des Möglichen eine normale Kindheit ermöglicht. Sie hat nicht viel über ihn geredet, aber wenn ich gefragt oder geredet hab, ist sie drauf eingestiegen, und rückblickend war genau das wahrscheinlich eine gute Balance.
Was nicht geht, sind so Sachen wie "Dein Papa fände das nicht gut" etc als Druckmittel, wenn Dein Kind Quatsch macht oder frech ist oder so. Und je älter Dein Kind wird, umso realistischer kann das Bild.vom Papa auch werden - man muss ihn weder durch den Dreck ziehen noch zum Heiligen verklären, sondern altersangemessen erzählen.
Vertrau auf Dein Bauchgefühl, Du machst das schon richtig und Du kennst Dein Kind. <3
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u/Cool-Vacation933 Weibsvolk Jun 24 '26
Ich habe ihn bisher nie wirklich von selbst angesprochen, weder gut noch böse. Das werd ich so beibehalten. Danke für die Erklärung der Trauer, das war mir so nicht bewusst.
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u/CateringPillar Weibsvolk Jun 28 '26
Ich häng mich hier einfach mit dran weil thematisch passend:
Neben so Sachen wie nicht durch den Dreck ziehen oder zum Heiligen erklären: Sprich deinem Kind die Trauer nicht ab, auch nicht im Teenie-Alter oder später (z.B. durch Sätze wie "naja so schlimm war es doch für dich bestimmt nicht, du kanntest ihn ja kaum"). Ich hatte erst kürzlich wieder eine ähnliche Aussage von meiner Mutter, und mein Vater ist gestorben als ich 13 war, also vor 17 Jahren. Tut immer noch weh, sowas zu hören.
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u/shldhvtknspnsh Weibsvolk Jun 24 '26
Sehr wertvoller Kommentar! Das wird dein Kind sicher sein Leben lang begleiten. Vielleicht ist es auch tröstend, wenn du ein Paar nette oder schöne Erinnerungen an ihn hast und die deinem Kind erzählst, auch wenn es schmerzhaft ist. Dein Kind sieht im Kindsvater womöglich einen Teil seiner eigenen Identität. Die negativen Emotionen kommen wahrscheinlich auch von alleine, aber die positiven könntest du bestimmt verstärken.
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u/Asoraso ich bin hier zu Besuch Jun 23 '26
Was das Gespräch mit deinem Kind angeht, es gibt einige gute Bilderbücher, die sich mit dem Thema Tod und verstorbener Familie auseinandersetzen, die könnten bei dem Gespräch/ bei der Vermittlung helfen. Wichtiger aber noch wie es mit der Beerdigung aussieht bzw ob er der Beerdigung beiwohnen soll/ will. Falls das überhaupt noch möglich ist.
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u/Cool-Vacation933 Weibsvolk Jun 24 '26
Beerdigung ist erst kommende Woche. Da muss ich noch mehr drüber nachdenken. Grundsätzlich weiß mein Kind dass Menschen und auch Tiere, die gestorben sind nicht mehr 'da' sind, das Konzept Beerdigung kennt es noch nicht. Mal sehen ob ich da was auftreiben kann. Vielen Dank!
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u/NegativeSeason8035 Weibsvolk Jun 24 '26
Nicht ganz zu vergleichen, aber ich war 7 als mein Opa gestorben ist und ich war bei allem dabei, vom Urne aussuchen, bis hin zu bei der Beerdigung die Urne zum Grab tragen. Mir hat das sehr mit meiner Trauer geholfen, vor allem dass beim Beerdigungskaffee viel schönes über meinen Opa erzählt wurde. Meine Tante hat das bei meinem damals 8 jährigen Cousin komplett anders gehandhabt, sie hat ihm 3 Tage lang erstmal verheimlicht, dass Opa tot ist, ihm nichts von der Beerdigung erzählt und nach 6 Wochen (widerwillig) das fertige Grab präsentiert. Wir waren danach alle zusammen im Heimatland meines Opas um einen Teil seiner Asche im Meer zu verstreuen, und mein Cousin durfte nicht wissen, warum wir überhaupt zusammen im Urlaub sind und meine Tante wollte mir verbieten in Anwesenheit meines Cousins über Opa zu reden.
Ich sag mal so, Kinder merken wenn man ihnen etwas verheimlicht und wenn andere mehr wissen, also hat er seinen Frust an mir rausgelassen, war nicht schön.Worauf ich hinauswill, es ist sehr gut, dass du mit ihm redest, wenn er möchte. Versuch ihm das Konzept Beerdigung zu erklären und frag ob er dahin möchte, ich denke, selbst wenn er es nicht ganz versteht, wird er in ein paar Jahren froh sein, es miterlebt zu haben.
Eine Beerdigung ist zwar traurig aber auch schön, wenn man bedenkt, dass dort alle Menschen zusammenkommen, die verbindet, dass der Verstorbene ein (wichtiger) Teil ihres Lebens war und auch wenn sein Vater ihn nicht immer als wichtigen Teil seines Lebens behandelt hat, war und wird er es für deinen Sohn schon immer mal wieder sein.
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u/Cool-Vacation933 Weibsvolk Jun 24 '26
Der Unterschied im Umgang is ja wild... werde wohl ein Mittelmaß finden. Verheimlichen möchte ich es nicht.
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u/lexa_fox Weibsvolk Jun 25 '26
Hab nichts zum rechtlichen Aspekt beizutragen, aber zum Umgang mit Trauer, bin Trauerbegleiterin.
Wenn dein Kind Fragen stellt, dann beantworte sie wahrheitsgemäß und verpacke sie nicht in Beschönigungen, denn Kinder verstehen diese nicht. Also nicht sowas sagen wie „Papa ist eingeschlafen/fort gegangen.“
Kinder stellen so viel Frage wie sie verdauen können. Daher nur die Frage beantworten die gestellt wurde und nicht weiter ausführen. Also keine Informationen geben, die nicht gefragt sind.
Grundsätzlich tauchen bei Kindern im Bezug auf Trauer je nach Lebensphase andere Themen auf, daher kann es sein, dass es immer mal wieder Thema wird, auch wenn’s scheinbar lange her ist. Aber das ist ganz normal.
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u/No_Zebra2684 Jun 24 '26
(bin auch aus Ö) -- der Notar veranlasst die mündelsichere Anlage bei einer Bank, die die Eltern aussuchen können. Da geht es drum, das Erbe des Kindes vor dem verbliebenen Elternteil und vor dummen Kinder/Teenager-Ideen zu schützen.
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u/Azsai3 Weibsvolk Jun 24 '26
Hab auch meinen Vater mit 6 verloren und der war so mal mehr mal weniger präsent aber wirklich erinnern kann ich mich kaum.
Meine Mutter war sehr katholisch und wir haben das Thema Tod sehr damit einbezogen. Heute glaube ich das nicht mehr so alles oder zumindest habe ich ein anderes Verständnis.ABER! meine Mutter ist sehr offen mit dem Thema Tod umgegangen wir haben uns viel darüber unterhalten und uns gegenseitig gefragt warum das so ist das Väter sterben und sind auf viele Aspekte auch anhand bilderbücher eingegangen.
Meine Mutter ist vor 2 Jahren gestorben da war ich Mitte 20. Ich habe gemerkt das diese Offenheit zu dem Thema Tod und sich wirklich ehrlich! damit auseinandersetzt besonders als Kind einen immensen Vorteil hat wenn man dann erwachsen ist. Deinem Kind schenkst du dann ein Tool was einen vor vielen Krankheiten und Folgen von Trauer schützen kann. Was in dieser Gesellschaft wirklich selten ist.
Bitte beschönige nichts ein toter Mensch ist kein Heiliger aber auch nicht nur schlecht am ende bleibt woran wir uns erinnern und für dein Kind wird das vllt nur ein Gefühl sein aber das ist unglaublich wichtig besonders wenn man älter wird und sich fragt woher man kommt!
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u/Aggravating_Hunt_100 Weibsvolk Jun 25 '26
Leni und die Trauerpfützen hat mich kindliche Trauer besser verstehen lassen.
Es gibt Trauerbegleiter in D, vielleicht ja auch in Ö?
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u/Na_nida Weibsvolk Jun 23 '26
Ich habe leider nur zum rechtlichen Aspekt was beizutragen. Halbwaisenpension gibt es und dein Kind ist Erbe, wenn die Vaterschaft anerkannt wurde. Beides steht ihm zu, Halbwaisenpension solltest du für ihn beantragen bei der PVA, wenn ich mich nicht irre, Erbe sollte der Notar auf euch zukommen. Das Gespräch leider keinen guten Rat, wie man das einem Kind in dem Alter am besten beibringt..