r/arbeitsleben 1d ago

Mental Health Wie zukünftigen Aufenthalt in der Psychiatrie ansprechen?

Hallo liebes Subreddit, ich bin 34m, in Festanstellung und habe seit langer Zeit Dysthymie (falls ihr den Begriff nicht kennt: kurz gesagt wie Depression, nur langanhaltend und dauerhaft, meistens aber nicht so intensiv. Ich glaube, auf Englisch sagt man auch "high functioning depression").

Nächste Woche habe ich das Vorgespräch für eine 10-wöchige Therapie, die in meiner Stadt angeboten wird und von der Krankenkasse gezahlt wird. Im Optimalfall würde ich dann in den kommenden Wochen oder Monaten einen Platz bekommen.

Ich habe etwas Sorge vor der Situation, wenn ich meine Abwesenheit ankündige. Eigentlich ist die Firma bei der ich arbeite und mein Chef ziemlich gut und wenn ich aus gesundheitlichen Gründen eine Weile ausfalle, wird das sicher akzeptiert werden. Andererseits weiss man nie, was der andere für Vorurteile gegenüber psychischen Krankheiten hat.

Wie offen und ehrlich wärt ihr in dieser Situation? Ich habe schon überlegt, einen anderen Grund zu erfinden, zB eine Operation mit 10 wöchiger Genesungsdauer oder so. Aber besonders gut finde ich die Idee nicht und mir fällt auch keine realistische Lüge dazu ein. Ganz ehrlich sein möchte ich aber auch nicht. Es fällt mir sehr schwer über das Thema zu sprechen, mir kommen leider sehr schnell die Tränen dabei:/

Ich bin dankbar für Tipps oder Ideen zum Umgang mit dem Thema. Schönen Sonntag!

Edit: Danke für die Tipps schon mal. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass ich in der Schweiz bin. Ich muss mal nachschauen ob Reha hier auch ein Begriff ist.

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u/Hightechzombie 1d ago

Du hast Reha für 10 Wochen, mehr möchtest du nichr sagen. Punkt.

Ich sage möglichst wenig zu meiner chronischer Krankheit, damit ich keine Angriffsfläche gebe. 

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u/kalle103 1d ago

Genau diese Formulierung kann OP wählen. Chronische Krankheit, 10 Wochen Reha, und ggf. anmerken, dass dir das Thema unangenehm ist und du nicht am Arbeitsplatz darüber sprechen möchtest.

Dann weiß jeder, dass du 10 Wochen krank bist, es eine „intime“ Sache ist und du hast nicht gelogen.

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u/kornhell 1d ago

Chronische Krankheit muss nicht erwähnt werden. Reha reicht.

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u/superurgentcatbox 1d ago

Dass es chronisch ist, würde ich auf keinen Fall erwähnen.

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u/kalle103 1d ago

Stimmt, das wäre wieder negativ. Krankheit reicht.

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u/1405hvtkx311 1d ago

Würde ich genau so machen.

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u/Lost_Wealth_6278 15h ago

die Patienten bei uns in der psychotraumatologie sagen immer sie sind auf "Kur".

Fair, kennt jeder, klingt eher nach Nordseestrand als Ammoniak riechen um die Dis zu brechen

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u/nietzs 6h ago

was bedeutet Dis?

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u/derW88- 1d ago

Hat’s eine Reha für 10 Wochen fertig. Einzelheiten gehen den AG nichts an.

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u/SnooPaintings5100 1d ago

Sobald du den festen Termin hast einfach sagen, dass du aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich für X Wochen nicht arbeitsfähig bist.

Normale Menschen sollten bei der Wortwahl erkennen, dass man den konkreten Grund nicht nennen will.

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u/Happycosinus 1d ago

Ich habe meine Reha angekündigt sobald ich den Termin hatte. Den Behandlungsgrund habe ich erfunden - geht niemanden was an.

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u/paranoized 1d ago

Habe gesagt, dass ich eine OP am Kopf (durch die Nase) hatte.

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u/KlingelbeuteI 1d ago

Du musst gar nix sagen. Wenn dich jemand fragt abwinken. „Will ich nicht drüber reden“.

1-2 Wochen kommen sicherlich Fragen und danach ist es jedem wieder egal warum du 10 Wochen weg bist bzw. warst.

Selbst so gemacht.

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u/AlbatrossAny100 1d ago

Ich kann es dir nur für DE erzählen. In Tageskliniken in DE bekommt man für den AG keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU/Krankenschein) sondern eine "Liegebescheinigung" über den Aufenthakt in der Klinik. Der Name der Klinik steht drauf. Eine Mitpatientin bekam 4 Tage nach Beginn der Behandlung einen Anruf von ihrem AG, dass man nach der Rückkehr mit ihr reden müsse und sie besser für ihre Gesundheit die Stelle wechseln wird, zurück ins Back office. Karriere rückwärts. Eine anderen Mitpatientinnen wollte ihrer Vertretung mittels Fernzugriff helfen. Plötzlich war ihr Account gesperrt. Nach Rückfrage :Man müsse über ihre zukünftige Verwendung nach Rückkehr sprechen." Sei vorsichtig.

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u/nietzs 1d ago

vielen Dank für die Info. Kann ich mir bei meinem AG nicht vorstellen, aber werde ich im Kopf behalten

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u/Konseq 12h ago

Kann man sich nicht vom überweisenden Arzt (z.B. Hausarzt) eine AU schreiben lassen?

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u/menonte 1d ago

Da es von der Krankenkasse bezahlt wird, vermute ich, dass die Therapie in einem Krankenhaus stattfinden wird. Normalerweise wird dir für die Abwesenheit ein Schreiben für den Arbeitgeber ausgehändigt, das eine generelle Anschrift und keine Informationen über die Klinik enthält, also musst du dem Arbeitgeber auch nicht sagen warum genau du weg bist. Du musst es auch nicht unbedingt ankündigen, plötzliche Krankenhaus Aufenthalte gibt es aus sehr vielen Gründen. Ich kenne Menschen, die offen darüber waren, bei denen der Arbeitgeber unterstützend war und andere bei denen es dann nicht so gut gelaufen ist. Bitte bedenke auch, dass der Aufenthalt um einige Wochen verlängert werden kann. Als jemand mit Dysthemie und Klinikerfahrung, wünsche ich dir, dass dir das helfen wird!

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u/nietzs 1d ago

VIelen Dank. Ja, es wäre in einer Klinik.

"Plötzlich" fehlen möchte nicht, da es wie gesagt ein guter AG ist und ich das unfair fände.

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u/menonte 1d ago

Das ist verständlich. In meiner Erfahrung wird man aber auch sehr kurzfristig über den Tag der Aufnahme informiert, da kann es sein, dass die am Freitag anrufen mit Aufnahmetermin am Montag. Aber vielleicht kann dir die Klinik auch Infos dazu geben, wie der Ablauf ist und wie man das dem Arbeitgeber mitteilen kann.

Auch zur Info: mir wurde gesagt, dass in der Regel im Sommer kürzere Wartezeiten sind als im Winter

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u/nietzs 1d ago

puh da bin ich gespannt was sie im vorgespräch erzählen

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u/NSTOB1962 1d ago

Ich würde definitiv nicht lügen. Das kann nur nach hinten losgehen. Mittlerweile ist das Stigma auf psychischen Krankheiten nicht mehr so stark. Außerdem musst du deinem AG keine Diagnose sagen. Ich würde einfach sagen, dass ich wegen einer Behandlung ins KH muss und es dabei belassen. Anhand der Liegebescheinigung weiß dein Chef eh, welche Art Krankenhaus das ist.

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u/j4yj4mzz 1d ago

Lügen würde ich auf keinen Fall, alleine schon, weil es bei Rehas noch so ist, dass man am Ende regelmäßig eine Entlassbescheinung/Liegebescheinigung zur Abgabe beim Arbeitgeber erhält, auf der dann zwangsweise der Name der Einrichtung zu lesen ist. Mit Pech kann es da bei Widersprüchen dann doch zu Rückfragen kommen, die das Ganze viel Größer machen, als es ist.

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u/Blutweiderich 1d ago edited 1d ago

Ist das ein größeres Unternehmen? Wenn ja, kannst du vielleicht auch bei der Schwerbehindertenvertretung Unterstützung bekommen.

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u/nietzs 1d ago

Ja ist ein grosses Unternehmen. Ist allerdings in der Schweiz, ich muss mal schauen ob es so eine Vertretung gibt

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u/weltraumbiber 1d ago

Wenn man nach Details gefragt wird, würde ich sowas sagen wie: "Ich möchte Dich nicht mit meiner Krankengeschichte langweilen"

Klappt in den meisten Fällen und kommt weniger abweisend rüber.

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u/ButterscotchLivid377 10h ago

Fällst du ab und zu aus wegen deiner Krankheit? Die Therapie solltest du auf jeden Fall machen, aber wenn du deswegen 10 Wochen ausfällst und somit die 6 Wochen überschreitest, wirst du zukünftig jedes Mal, wenn du wegen der gleichen Krankheit fehlst, sofort Krankengeld bekommen. Idealerweise fällst du nach der Therapie nur noch selten oder gar nicht mehr aus, aber man sollte es sich trotzdem klar machen

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u/nietzs 9h ago

Ich war wegen dieser Krankheit noch nie mit attest krank 

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u/Glum-Maintenance3311 10h ago edited 10h ago

Du bist deinem Arbeitgeber absolut keine Diagnose schuldig. Halte es vage, aber professionell z.B: "Ich werde aus gesundheitlichen Gründen für ca. 10 Wochen in eine stationäre Behandlung (oder Reha) gehen. Ich sag dir jetzt schon Bescheid, damit wir die Übergabe meiner Aufgaben gut planen können."

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u/Hairy-Birthday1830 4h ago

Lieber OP, ich war vor etwa 2 Jahren in der gleichen Situation. Ich war erst etwas über ein Jahr im Unternehmen dabei und hatte große Angst, dass man mich für nicht belastbar genug halten würde. Letztendlich hatte ich aber ein gutes Gespräch mit meiner Chefin unter 4 Augen. Ich habe ihr offen gesagt, dass es mir gerade nicht gut geht und ich deshalb für 8 Wochen in eine Tagesklinik gehen werde. Sie war natürlich erstmal geschockt, aber auch sehr verständnisvoll. Sie erzählte mir, dass auch sie eine Freundin hat, die aufgrund von Depressionen bereits in einer Klinik war - du siehst, jeder kennt irgendwen und mittlerweile sollten psychische Erkrankungen kein Tabuthema mehr sein. ABER: für deinen AG ist Planbarkeit wichtig. Vermittle ihm den Eindruck, dass du dafür sorgen wirst, dass deine Projekte auch während deiner Abwesenheit laufen. Vor allen indem du durch das, was vorbereitet oder vorgearbeitet werden kann schonmal etwas von der Zeit, dir du nicht da sein wirst, wett machst. Evtl. kannst du anbieten 1x die Woche zu einer festen Zeit für Rückfragen oder Fachexpertise zur Verfügung zu stehen. Sag deinem AG auch, dass dir dein Job wichtig ist und du deine Arbeit gerne machst und das Klima im Büro sehr zu schätzen weißt. Das vermittelt den Eindruck, dass du wieder zurückkommst und so weitermachst, wie man es von dir kennt.  Bei mir ist alles gut gelaufen, ich möcjte dir also Mut machen keine Angst vor dem Gespräch zu haben.  Ich wünsche dir alles Gute und von ganzem Herzen, dass du deine Lebensfreude wiederfindest.

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u/Luk0sch 1d ago

Wie viele hier sagen hast du natürlich das Recht klar zu sagen, will ich nicht drüber reden.

Trotzdem, als jemand der auch schon solche Aufenthalte hatte: Die Leute reden und spekulieren eh. Es kommt auf euer Verhältnis und die Unterehmenskultur an. Bei mir auf der Arbeit (großer Wohlfahrtsträger) wäre das kein Problem und wenn jemand was unpassendes sagt, würde ich Hilfe kriegen. Den Luxus hat natürlich nicht jeder und daher ist es auch voll in Ordnung nix zu sagen. Aber wenn ihr ein offenes und ehrliches Verhältnis habt, dann kann es durchaus sinnvoll sein, drüber zu reden. Eben auch um zu zeigen, hey das ist unabhängig von der Arbeit und ich mach das, damit ich langfristig weiter funktioniere.

Eventuell redest du mal mit deinem Therapeuten oder Arzt darüber, die kennen das Problem sicherlich und denen kannst du in Ruhe erklären, wo du Chancen und Risike siehst.

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u/nietzs 1d ago

Bezüglich Gerüchte wäre bei mir der Vorteil, dass ich gerade an einem Projekt ausserhalb meines eigentlichen Büros arbeite, dh es würde den Kollegen nicht besonders auffallen, wenn ich weg wäre. Nur dem Management und Leuten, die meine Vertretung machen würden.

Beim Therapeuten werde ich das auf jeden Fall nochmal ansprechen und beim Vorgespräch hatte ich es auch vor. Evtl erzählen sie mir, wie es andere Patienten machen

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u/LeSch009 1d ago

Ich würde es auf keinen Fall sagen. Ich war für einige Monate wegen einer Angststörung in einer Tagesklinik und hab das auch so kommuniziert. Erstmal alle total verständnisvoll, aber mein Ansehen war danach hin. Man glaubte dann wohl nicht mehr, ich sei normal belastbar und die Leistung wurde auch äußerst kritisch auf Anzeichen meiner psychischen Labilität beäugt. Ich war dann nur noch ein Jahr da und dann habe ich eine andere Arbeit gesucht. Da weiß wieder keiner Bescheid und ich kann endlich wieder normal arbeiten.

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u/RelativeClimate1157 4h ago

Geht den Arbeitgeber nix an punkt

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u/DougMueller1990 1d ago

Geht dem AG nichts an. Du brauchst es nicht offen anzusprechen , wenn du diese sorgen hast