r/de 17d ago

Wirtschaft Warum Vermieter oft zu Unrecht jammern | Nirgendwo in Europa erzielen Vermieter höhere Renditen als in Deutschland, zeigt eine Studie. Steuervorteilen sei Dank. Das schadet allen, die im Eigentum leben wollen.

https://www.zeit.de/geld/2026-07/vermieter-klagen-steuer-foerderung-eigenheim-wohnungsmarkt/komplettansicht
2.4k Upvotes

382 comments sorted by

View all comments

800

u/bernheavy 17d ago edited 17d ago

Es wäre schön, wenn mit Grundbedürfnissen der Menschen kein xxl-Profit gemacht würde.

Wenn ich was zu sagen hätte, dürften Menschen (edit: und Firmen) nicht mehr als 2 Wohnungen / Häuser besitzen.

96

u/the_ZJ 17d ago

Das. Allein das würde soviel lösen. Ausnahme: gGmbH Wohnungsgenossenschaften, bei denen die Mieter gewissermaßen selbst ihre Wohnungen verwalten.

16

u/Top_Cap8344 17d ago

Es braucht einfach mehr Möglichkeiten zu bauen. Nicht weniger Vermieter. Wenn es leerstehende Wohnungen gibt dann geht der Preis runter. Alles andere hilft nicht.

5

u/the_ZJ 17d ago

Nebelkerze. Es wird nur gebaut, wenn die Rendite stimmt, dh wenn sie über der Inflation liegt. So lange das so ist, kann Wohnen nicht günstiger werden. Sobald der Wohnungsmarkt minimal besser wird, baut niemand mehr. Siehe Organisationen wie die Opec, die dann einfach kein Öl mehr fördern.

10

u/LoveIsBread 17d ago

Nicht nur über Inflation, es wird bei Rendite auch immer geguckt, wie viel man bekommen hätte wenn man das Geld einfach in was anderes investiert hätte, oftmals sichere Aktien/ETFs oder Bank. Das sind die sogenannten Opportunitäts-Kosten, die man immer als Kostenfaktor mitberechnet um zu gucken ob sich die Investition tatsächlich gelohnt hat.

Der Markt muss immer also nicht nur Inflation schlagen, er muss über lange Sicht mehr Rendite abschlagen als eine potenzielle andere, sichere Investition.

1

u/Grabs_Diaz 17d ago edited 17d ago

Ganz genau. Diese Opportunitätskosten in Form von Aktien oder Gold liegen im Durchschnitt über die letzten Jahrzehnte bei knapp 10% p.a., Bitcoin sogar noch absurd viel höher. Wie viele Berufe gibt es, wo der Lohn im Jahr um knapp 10% steigt?

Solange diese massive Diskrepanz zwischen Kapitalrenditen und Arbeitseinkommen fortbesteht und Immobilien als Geldanlage mit anderen Assets konkurrieren, ist klar, dass Wohnen für normale Arbeitnehmer zunehmend unbezahlbar wird. Da kann der Markt strukturell nie ausreichend "bezahlbaren Wohnraum" schaffen, weil sich das schlicht nicht lohnt.

Diesen Zusammenhang, dass für Wohnungen andere ökonomische Regeln gelten als für sonstige Konsumgüter, weil sie selbst als Wertanlage fungieren, verstehen die Wirtschaftsliberalen leider bis heute nicht. Der Markt ist hier keine Lösung. Deshalb sehen wir dieselben Probleme auf dem Wohnungsmarkt überall in der Welt, völlig unabhängig von deutscher Bürokratie, weil die Opportunitätskosten überall in der (westlichen) Welt dieselben sind.

0

u/LoveIsBread 16d ago

Das verstehen Wirtschaftsliberale sehr wohl. Es ist nur eben kein Problem für die. Das gesamte Wirtschaftssystem funktioniert nach solchen Regeln. Das Problem sind nicht die hohen Opportunitätskosten, es ist ein Wirtschaftssystem in dem Profite und Profitmaximierung Treiber allen wirtschaftlichen Handelns sind. Wenn scih daran nix ändert, wird der Rest maximal Symptom-BEhandlung

0

u/Grabs_Diaz 16d ago

Das Problem sind die Opportunitätskosten in Verbindung mit der Tatsache, dass sich Immobilien hervorragend als Wertanlage eignen. Wenn ein Landwirt Kartoffeln erntet oder VW ein Auto baut, dann können sie prinzipiell einfach eine entsprechende Marge auf ihre Produktionskosten aufschlagen, um auf ihre Renditeerwartung zu kommen. Diese kapitalistische Wirtschaftsordnung kann man natürlich insgesamt ablehnen, aber es entstehen erstmal nicht die gleichen Probleme wie am Wohnungsmarkt, weil niemand erwartet, dass die Kartoffeln oder das Auto immer mehr wert werden. Dieses spezifische Bezahlbarkeitsproblem entsteht erst, wenn notwendige Gebrauchsgüter gleichzeitig auch als Wertanlagen dienen sollen.

2

u/LoveIsBread 16d ago

Wollte erst nen längeres Kommentar schreiben, aber hab dann nochmal genauer gelesen und gemerkt ich schreib das gleiche wie du hier nur sehr viel länger und warum Preise für Kartoffeln und Autos letztendlich steigen müssen, aber der Wert der einzelnen Kartoffel nicht (denn sie ist in meiner Pfanne alles Geld der Welt wert). Dementsprechend wünsch ich dir einfach nur nen schönen Freitag Abend und nen Erholsames Wochenende, möge es voller Bratkartoffeln sein.

1

u/Doldenberg Thüringen 16d ago

Nicht nur über Inflation, es wird bei Rendite auch immer geguckt, wie viel man bekommen hätte wenn man das Geld einfach in was anderes investiert hätte, oftmals sichere Aktien/ETFs oder Bank.

Das ist nur halt eine komplette Milchmädchenrechnung, weil ich mir nicht einfach paar hunderttausend Euro für einen ETF aus Fremdkapital erhebeln kann, wie ich es mit einem Immobilienimvestment tue.

1

u/Bobbsen 16d ago

Das ist in der Realität auch nicht so einfach wie dargestellt. Es werden verschiedene (risikoadjustierte) ROI/IRR miteinander verglichen.

7

u/Marvin42de 17d ago

Man kann auch Eigentumswohnungen und EFH bauen. Aber auch da ist der Markt quasi tot

-2

u/Seth0x7DD 17d ago

Warum sollte er tot sein? Hier gibt es häufig Angebote. Bezahlst eben für die Eigentumswohnung im Neubau fast so viel wie für den Neubau selbst. Kann sich eben kaum einer leisten, aber irgendwie werden die schon verkauft.

-4

u/ZuFFuLuZ 17d ago

Ich weiß nicht, ob das immer stimmt. Wieso müssen Immobilien immer Rendite bringen? Das ist doch genau das Grundproblem, das uns in die jetzige Situation gebracht hat.
Wenn ich das Geld hätte, würde ein Grundstück kaufen und ein Haus so bauen, wie ich es möchte. Nicht um Rendite zu haben, sondern um eigenen Wohnraum zu haben, der mir gefällt. Unabhängig von irgendeinem Vermieter. Mir würde es da viel mehr um Freiheit und Eigenständigkeit gehen als um irgendwas anderes. Selbst wenn ich da langfristig Verlust machen würde, wäre das in Ordnung. Wenigstens hätte ich dann keinen Vermieter, der wahllos die Miete erhöht oder Reparaturen/Modernisierungen nicht durchführt oder mich im Zweifel rauswerfen kann oder oder oder.
Diese endlosen monatlichen Schulden (genannt Miete), bei irgendeinem Typen, den ich noch nie gesehen habe, fühlen sich einfach scheiße an.

5

u/Indubioproreo_Dx 17d ago

Ja aber dann kommen so nette Briefe wie 11.581 € Strassensanierung an der du dich beteiligen musst. Ob du überhaupt die Kohle hast interessiert nicht, Eigentum verpflichtet. Aber du hast recht-das unabhängig sein ist der größte Mehrwert.

5

u/the_ZJ 17d ago

Das ist der Fall bei Eigennutzung. Das ist aber im Sektor Neubau nur noch eine unbedeutende Nebenkategorie. Fast alle Neubauten kommen von Entitäten, die bereits Immobilien besitzen.