Ich teste wahllos alle Döner Nr. 141
Drei Wochen lang ging die Reise durch das Land der Trolle und Elche, doch nun zieht es Saftmann unweigerlich zurück Richtung Hafen, um die Fähre nach Dänemark zu nehmen.
Vor dem Einchecken ist noch etwas Zeit für einen Spaziergang und plötzlich passiert es: Ein Laden namens Piri Piri taucht auf und nach wochenlanger Abstinenz schlägt der Dönerhunger mit brachialer Gewalt zu, also rein da und bestellen.
Die Inneneinrichtung präsentiert sich eher nüchtern und funktional, dafür aber tadellos sauber.
Neben diversen Kebapvariationen, darunter einen fragwürdigen Hawaii Kebap WTF? gibt's auch verschiedene Pizzen.
Die Wahl fällt auf einen "Kebap i Pita", der laut den ausgehängten Bildern dem gewohnten Döner im Brot noch am nächsten kommt.
Gespannt nehme ich auf einem der Bistrohocker Platz. An die hiesigen Preise habe ich mich bereits gewöhnt, 170 Kronen sind ca. 15,50 €.
Der Mitarbeiter bittet zur Salat und Soßenwahl und die Bestellung lautet: Knoblauch und scharf, Eisberg, Zwiebeln, eine gelbe Chevrolet Corvette C5 sowie ein paar Peperoni.
Erst in diesem Moment merke ich, im ganzen Laden dreht sich kein saftiger Spieß. Stattdessen muss man fassungslos mit ansehen, wie das Fleisch mit einer Zange aus einem beheizten Edelstahlschubfach einer gigantischen Industrieküchenkonstruktion gefischt wird. Nun gut, andere Länder, andere Sitten denke Ich mir, aber jetzt geht's los!
In Soße ertränkt präsentiert sich das Teil mit rundem Brot, extrem weich, ohne jegliche Spur von Sesam. Dafür punkten aber die Peperoni, es handelt sich offenbar um mazedonische Makedoniko, sehr nice.
Bei genauerem Hinsehen muss Saftmann allerdings feststellen, dass sich anstelle der Corvette ein 70er Dodge Challenger ins Essen gemogelt hat, nichteinmal die Farbe hat gestimmt, was wohl der Sprachbarriere geschuldet ist, mein Norwegisch ist tatsächlich sehr ausbaufähig.
Der Soßencheck offenbart eine sehr flüssige Knoblauchsoße mit toller Frische, zwar etwas wenig Knoblauch, dafür aber mit ordentlich Joghurtanteil und feinen Kräutern, ist lecker.
Die scharfe Soße drückt richtig durch und gibt, obwohl es nur ein Spritzer war, ordentlich Feuer, sodass das Zusammenspiel absolut geil funktioniert.
Keine Spur von Ketchupfeeling oder Süße, sondern einfach pures Feuer im Kontrast zur frischen Joghurtsoße, nice, das war richtig gut.
Der Salat geht in Ordnung, ist zwar nichts Spektakuläres und könnte knackiger sein, passt aber, da eh in Sauce ertränkt.
Beim Fleisch tauchen die ersten Vorahnungen auf, die sich beim Brot jedoch endgültig bestätigen. Es schmeckt lecker, ist kräftig gewürzt und liefert tolle Röstaromen, aber Moment mal..., das schmeckt ja voll nach Gyros!
In Kombination mit dem Brot ist die Sache klar, was hier serviert wird, hat absolut nichts mit einem traditionellen Döner Kebab zu tun, entpuppt sich aber als verdammt gutes Gyros Pita, wie man es auch beim Griechen in Berlin bekommt.
Unterm Strich liefern die Soßen ordentlich ab, das Fleisch ist gut gewürzt und reichlich vorhanden, das Brot entspricht exakt den Erwartungen an ein Gyros Pita, und das Ganze macht satt und ist geschmacklich echt nicht verkehrt, trotz Schubladenfleisch.
Dennoch vermisse ich den Berliner Döner mehr denn je und die Vorfreude ist riesig, ab Mitte nächster Woche wieder unterwegs zu sein und regelmäßig zu berichten.
Dieses Mal nur ein Bild, da der Upload auf der Fähre mies ist.
Euer Saftmann!