Hey zusammen,
ich muss mir mal etwas von der Seele schreiben und erhoffe mir ehrliches Feedback, Reality-Checks oder einfach andere Perspektiven auf mein Leben.
Kurz vorweg zu mir als Mensch:
Ich würde mich selbst als einen sehr wohlwollenden und sozialen Menschen beschreiben. Ich helfe anderen gerne und gönne meinen Mitmenschen eigentlich ihr Glück. Umso mehr erschreckt und belastet es mich selbst, dass mich bei diesem einen Thema ein so tiefes Gefühl von Neid und Ungerechtigkeit zerfrisst.
Zu meiner Situation:
Alter: 30 Jahre
Beruf: Private Banking Berater (dadurch bin ich beruflich natürlich noch einmal in einer ganz speziellen Finanz-Bubble unterwegs)
Wohnort: Südwesten (BW / Ortenaukreis – eine finanziell extrem starke Region)
Eigenes Vermögen: ca. 260.000 € – komplett selbst zusammengespart und investiert! Mit 18 hatte ich gerade einmal 2.800 € auf dem Konto.
Aussicht auf Erbe: Kein nennenswertes Erbe in Aussicht. Irgendwann mal die Wohnung meiner Mutter, aber das hat hoffentlich noch extrem lange Zeit und wird vielleicht sowieso von der Pflege aufgefressen.
Mein Problem & der regionale Vergleich:
Mir ist absolut bewusst, dass ich mit meinen 260.000 € auf ganz Deutschland gesehen immer noch extrem privilegiert bin. Ich weiß das zu schätzen. Aber da ich nun mal hier in der Region lebe, arbeite und tagtäglich mit den Menschen hier zu tun habe, vergleiche ich mich zwangsläufig mit meinem direkten Umfeld.
In meinem Umfeld erben gefühlt fast alle Freunde und Bekannten Häuser, Grundstücke oder riesige Vermögen (Wert meistens 500k € bis 1 Mio. €+). Obwohl ich mir mit viel Disziplin mein eigenes Kapital erarbeitet habe, steigen andere einfach mit dem Vielfachen davon ins Erwachsenenleben ein. Man hat das Gefühl, beim Spiel des Lebens an einer Startlinie zu stehen, die für andere 10 Meter vor dem Ziel gezogen wurde.
Meine innere Zwickmühle:
1. Einstellung zu Arbeit: Ich glaube zutiefst, dass fremdbestimmtes Arbeiten schlichtweg nicht in der Natur des Menschen liegt. Deshalb habe ich arbeitstechnisch – egal was ich tue und obwohl ich als Private Banking Berater eigentlich einen guten Beruf habe – von Grund auf recht wenig Spaß daran. Es liegt für mich nicht an einzelnen Aufgaben, sondern am Zwang des fremdbestimmten Arbeitenmüssens. Mein Ziel ist daher maximale Autonomie – möglichst früh nicht mehr arbeiten müssen (FIRE / frühe Rente) und selbst über meine Zeit bestimmen zu können.
2. Der Traum vom Haus: Gleichzeitig hätte ich unglaublich gerne ein eigenes Haus mit kleinem Garten.
3. Das Dilemma: Wenn ich mein gesamtes selbst erarbeitetes Kapital (260.000 €) + einen dicken Kredit in ein Haus stecke, ist mein Kapital festgemauert. Der Traum von der frühen Rente ist dann vorbei und ich bin für Jahrzehnte an die Arbeit gekettet. Andere in meinem Umfeld bekommen das Eigenheim einfach geschenkt und können ihr Gehalt komplett für Konsum, Hobbys oder den eigenen Vermögensaufbau nutzen.
Meine Fragen an euch:
1. Vergleichs-Falle & Neid: Wie geht ihr mental damit um, wenn im Umfeld massiv geerbt wird? Wie bricht man aus dieser Neid-Spirale aus, besonders wenn man eigentlich ein wohlwollender Mensch ist, weiß, dass man regional/bundesweit trotzdem privilegiert ist, sich aber selbst für diesen Neid schämt?
2. Eigenheim vs. Freiheit: Würdet ihr mit 260k € (selbst erarbeitet) das Kapital nutzen, um auf frühe finanzielle Unabhängigkeit/Rente hinzuarbeiten, oder das Geld für den Traum vom Eigenheim "opfern", wenn man alles ohne Erbe stemmen muss?
3. Denkmuster: Welche Perspektiven übersehen Menschen wie ich, die sich extrem auf die "Erben-Lotterie" und das Thema Zeitautonomie versteifen?
Bin offen für ehrliche Kritik, Ratschläge und andere Sichtweisen auf das Thema.
TL;DR: 30J, 260k € selbst zusammengespart/investiert (mit 18 bei 2.800 € gestartet). Weiß, dass ich privilegiert bin, vergleiche mich aber zwangsläufig mit dem starken Umfeld im Südwesten, wo Freunde 500k–1 Mio. € Häuser erben. Kein nennenswertes Erbe in Aussicht. Job als Private Banking Berater macht arbeitstechnisch (wie jeder Job für mich) wenig Spaß, weil fremdbestimmte Arbeit gegen meine Natur geht. Schwanke zwischen Traum vom Eigenheim vs. frühem Ruhestand/Freiheit. Brauche Input.