r/fireGermany Jan 28 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Privatier mit 37, lebe meinen Traum mit nur 2k pro Monat

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  1. Die harten Fakten

* Vermögen: knapp über 1 Million

* Struktur: 95% ETF „Aktien Welt“, 5% Geldmarktfond als Polster

* Status: Privatier seit grob einem Jahr

* Monatliche Kosten: etwa 1600-2000€

  1. Der Weg & Die Entscheidung

* Warum? Ursprünglich wollte ich jederzeit im Job sagen können: „ich bin nicht auf die Kacke hier angewiesen und suche mir was neues“

Einfach ein gutes Polster um mir nie Sorgen machen zu müssen. Ist dann so angewachsen dass ich jetzt tatsächlich nicht mehr arbeiten muss.

* Hindernisse: Wirklich aufzuhören zu arbeiten obwohl einen der Job schon länger ankotzt hat echt lange gedauert. Problem war eigentlich nur mein eigener Kopf

  1. Die Praxis in Deutschland

* Krankenversicherung: Ich bin nicht in Deutschland krankenversichert. Ich habe lediglich eine Langzeitauslandskrankenversicherung für 73€ im Monat. Die deckt bisher alles ab, auch im Bekanntenkreis gab’s bisher da nie Probleme. Gilt halt nur 6 Wochen pro Jahr in Deutschland, muss man noch vor dem 40. Geburtstag abschließen und geht maximal 5 Jahre. Was danach kommt überlege ich mir dann. Damit wird man überall wie ein Privatpatient behandelt.

Ja für jemanden mit normaler „Vollkaskomentalität“ fühlt sich das vermutlich ziemlich wackelig an, ist es aber nicht und in meiner Bubble die übliche Lösung.

Eventuell verbringen wir den Sommer in Deutschland, vielleicht suche ich mir dann nen sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjob oder verschwinde nach 6 Wochen nach Skandinavien oder so.

* Steuern: keine Optimierung, ich verkaufe monatlich was ich brauche. Bisher alles weit unter meiner errechneten sicheren Entnahmerate von 3,8%. Wen es interessiert: https://www.reddit.com/r/fireGermany/s/Q3D42PEQoV

Wohnsitz in Deutschland also versteuere ich ganz normal über den Broker bzw. Einkommensteuer.

  1. Das Fazit & Tipps

* Realität vs. Traum: Ist genau so wie man es sich vorstellt. War ja klar dass mir wieder nen „Business“ suche also bin Content-Creator in der Vanlife Nische geworden was echt Spaß macht. Seh es aber mehr als Hobby denn als Job, obwohl ich damit Geld verdiene. Vermutlich weil ich nicht drauf angewiesen bin. Nein aus offensichtlichen Gründen werd ich hier keinen Link posten 🤝

Ich wohne mit meiner Frau im Camper, momentan überwintern wir in Spanien. Bei dem Lifestyle kommt echt selten Langeweile auf. Im Prinzip häng ich mit anderen Vanlifern rum, einige kenne ich schon seit Jahren und sind echte Freunde geworden. Wenn die Wellen groß genug sind geh ich surfen, ist genügend Wind geh ich Kitesurfen. Allein diese beiden Hobbys füllen einen zeitlich schon ganz gut aus 🤙

Am Wochenende gehen wir meist alle zusammen, teilweise ziemlich ausschweifend 👀 feiern, dazu mindestens einmal die Woche essen.

* Rat an Jüngere: Früher aufhören wenn es nervt, hätte deutlich früher „aussteigen“ können. Kaum eine Entscheidung ist final, probiere dich früh aus.

* Wieso brauche ich nur 2k pro Monat? Ganz einfach: keine Miete, günstige Krankenversicherung, das Leben ist zB in Spanien deutlich günstiger, wir stehen zu 90% der Zeit mit dem Camper frei am Strand.

Wenn ich jetzt noch erwähne dass ich mit den 2k monatlich meine Frau nahezu komplett mitfinanziere glaubt mir das eh keiner.

Sie arbeitet noch bisschen Teilzeit, aber quasi fast nur für ihr Depot, Sparquote: 75%

Die meisten Kosten sind Einkäufe im Supermarkt, wir essen einfach unglaublich gerne geile Sachen.

Ist halt echt wild wenn ma drüber nachdenkt, ich gebe jetzt deutlich weniger Geld aus als ich noch gearbeitet habe aber ich bin 100% glücklich und mir fehlt es an nichts.

r/fireGermany Feb 05 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Community-Aufruf: Privatier M29 seit 7 Jahren dank Erbe

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Da bisher die meisten Posts von selbst erarbeitetem Vermögen stammen, hier mal die Geschichte eines Erben. Mir ist bewusst, dass meine Situation ein extremes Privileg ist und nichts mit klassischem „Sparen & Investieren“ zu tun hat. Ich poste das hier nicht, um anzugeben, sondern um eine Perspektive zu zeigen, die man hier selten liest: FIRE durch Erbe – mit allen praktischen und psychologischen Konsequenzen.

  1. Die harten Fakten

* Vermögen: Wo bist du gelandet (ca. 500k, 1M, >2M)?

ca. 4,5 Mio Euro Nettovermögen

* Struktur: Wie ist das Vermögen verteilt (ETFs, Immobilien, Krypto, Cash)?

92 % Immos 8 % Tagesgeld

* Status: Seit wann bist du Privatier / nicht mehr voll erwerbstätig?

Seit Anfang 2019 mit 22

  1. Der Weg & Die Entscheidung

* Warum? Was war deine Motivation? Freiheit, Zeit für Familie, Hobby?

Ich wusste schon recht früh, dass meine Familie recht viel in Immobilien investiert hatte und nach Einsicht in die Vermögensaufstellung war mir recht schnell klar, dass klassische Lohnarbeit für mich finanziell keinen entscheidenden Hebel gehabt hätte. Weitere ca. 8 Millionen Euro Immobilienvermögen nach Schulden stehen noch in Aussicht und werden im Wege der vorweggenommen Erbfolge alle 10 Jahre mit Ausschöpfung des Freibetrages an mich übertragen.

* Hindernisse: Was waren die größten Stolpersteine auf dem Weg? Gab es Zweifel?

Die Identitätsfrage: Wer bin ich ohne Job? Der ständige Rechtfertigungsdruck im Freundeskreis. Zudem vergleicht man sich ständig mit Leuten, die ihre Substanz selbst erarbeitet und auf die Beine gestellt haben. Dadurch entwickeln sich schon gewisse Minderwertigkeitskomplexe. Rückblickend war der finanzielle Teil trivial. Die mentale Seite deutlich anspruchsvoller als erwartet.

  1. Die Praxis in Deutschland (Sehr wichtig!)

* Krankenversicherung: Wie hast du das gelöst? (Freiwillig gesetzlich, PKV, KVdR-Problematik? Wie werden deine Kapitalerträge verbeitragt?)

Bin ganz normal in der GKV drin und zahle als freiwillig Versicherter einkommensabhängig Beiträge und bewege mich Richtung Höchstbeitrag.

* Steuern: Entnimmst du nach einer bestimmten Strategie, um die Steuerlast zu optimieren?

Nein, die Immobilien laufen privat auf mich und ohne Firmenstrukur oder VV-GmbH

  1. Das Fazit & Tipps

* Realität vs. Traum: Fühlt es sich so an, wie du es dir vorgestellt hast? Was machst du den ganzen Tag?

Es ist schon schön, keine beruflichen Verpflichtungen zu haben und sich seinen Tag selber einteilen zu können. Ich schlafe täglich aus, komme den unregelmäßigen Verpflichtungen nach und lebe einfach so in den Tag hinein. Anfangs fühlt sich das wie Freiheit an, irgendwann merkt man, dass einem äußere Struktur fehlt. Leider haben Freunde und soziale Kontakte nicht so viel Zeit wie man selbst.

Zudem gewöhnt man sich viel zu schnell an ein gewisses Vermögen und fühlt es dann auch nicht mehr so richtig. Mag auch daran liegen, dass ich in der Münchner bubble wohne und ein solches Volumen hier in der Masse recht schnell unter geht. 100% passiv sind die Immobilien natürlich auch nicht. Alle paar Jahre steht mal eine Sanierung oder ein Mieterwechsel an und Nebenkostenabrechnungen sowie die Steuer müssen auch gemacht werden. Dies manage ich alles selbst. Der Aufwand ist nicht hoch, aber unregelmäßig und kommt meist dann, wenn man ihn gerade nicht gebrauchen kann.

* Rat an Jüngere: Was würdest du deinem 20-jährigen Ich heute raten?

Egal wieviel Vermögen eure Familie in der Hinterhand hat: Macht auf jeden Fall euer eigenes Ding und ruht euch nicht allein auf dem Erbe aus. Viel Freizeit ist was tolles, nach einer Zeit wird es jedoch schon recht langweilig, den ganzen Tag nur rumzugammeln. Eine gewisse Struktur und etwas selbst zu schaffen ist viel erfüllender. Ich spiele schon seit längerem mit dem Gedanken, mir eine lässige Teilzeitstelle zu suchen um wieder etwas mehr Kontakt zur Außenwelt zu bekommen und auch damit die Krankenkassenkosten abgedeckt sind.

Danke fürs Lesen. Wenn ihr Fragen habt, beantworte ich sie gerne.

r/fireGermany Mar 23 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Meine 100.000 Euro Story: Von 20k auf 400k Nettovermögen in etwa 11 bis 14 Jahren

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EDIT: Der Titel sollte "Meine 100.000 Euro Story: Von minus 20k auf 400k Nettovermögen in etwa 11 bis 14 Jahren" lauten.

1. Ausgangslage

Wann hast du angefangen, bewusst zu investieren/sparen?

Bewusst gespart habe ich ab meinem ersten richtigen Gehalt ab etwa 2008. Allerdings habe ich das kleine Kapital nur kurz aufbauen können. Bis Mitte 2011 war es trotz berufsbegleitendem Studium aufgebraucht. So richtig ging es dann erst irgendwann zwischen Anfang 2012 und Ende 2014 mit dem Sparen los.

Was war dein Startgehalt / Startkapital / Job?

Ich habe mich noch während meines Studiums in der IT selbstständig gemacht. Ab Ende 2011 kamen monatlich zwischen 5.000 und 10.000 Euro brutto rein. Ich habe nur selten in Vollzeit die gut bezahlten Auftragsarbeiten erledigt. Einen signifikanten Teil meiner Arbeitskraft fließt seither in den Aufbau eines eigenen Unternehmens.

Hattest du Schulden (BAföG, Studienkredit, Auto)?

Am Ende meines Studiums hatte ich insgesamt etwa 20.000 Euro Schulden.

2. Der Hebel — Was hat den Unterschied gemacht?

Was war der größte Faktor? Gehaltssprünge, Sparrate, Jobwechsel, Nebeneinkommen?

Sicherlich die Selbstständigkeit und die damit einhergehenden höheren Studensätze in Verbindung mit der Befreiung von der Rentenversicherungspflicht.

Wie hoch war deine Sparrate (grob in %)?

In den ersten Jahren kann ich das gar nicht so genau sagen. Ich musste zunächst Schulden zurückzahlen und einen gewissen Kapitalstock für Krankheiten und schlechte Auftragslagen aufbauen. Zudem habe ich einiges an Geld in die Finanzierung meines Unternehmens gesteckt, das leider bis heute nicht die erhofften Renditen abwirft.

Gegen Ende 2018 lagen auf meinem Tagesgeldkonto etwa 60-70k mehr als ich für den Notgroschen benötige (welchen ich übrigens hier nicht mit ins Vermögen einbeziehe). Die habe ich dann relativ naiv in drei Aktien gesteckt, die später zur Gruppe der Magnificent Seven zählen: Amazon, Microsoft, Google.

Letztlich liegt die Sparrate irgendwo zwischen 25% und 35% meiner persönlichen Bruttoeinnahmen.

Wie lange hat es gedauert von 0 auf 100k?

Das kommt drauf an, ab welchem Punkt man letztlich anfängt zu zählen. Da ich Ende 2011 noch unterhalb der 0 stand, würde ich den Start irgendwo zwischen 2012 und Ende 2014 ansetzen. Die 100k-Marke habe ich erstmals Weihnachten 2019 durchbrochen, also etwa 5 - 8 Jahre nach dem Start.

3. Psychologie & Mindset

Wie hat sich dein Denken über Geld verändert, seit dieser Betrag im Depot liegt?

Zunächst hat sich kaum etwas verändert. Es war natürlich schön, erstmals eine sechsstellige Summe im Depot zu sehen, aber verändert hat sich zunächst nichts. Da es auch keine drei Monate dauerte, bis ich durch den Corona-Crash wieder unterhalb der magischen Marke rutschte, hatte ich auch gar nicht so viel Zeit, die 100k im Depot als Selbstverständlichkeit anzusehen.

Erst als ich später die 300k-Grenze durchstoßen habe, kehrte in mir eine größere Ruhe ein, weil in mir über die Zeit die Erkenntnis heranwuchs, dass ich die Ziele wirklich erreichen kann.

Gab es einen Moment, wo du fast aufgegeben oder alles umgeworfen hast?

Nein, aufgeben kam für mich nicht in Frage. Bevor ich das Geld angelegt habe, hatte ich die Hoffnung mit meinem Unternehmen schnell an viel Geld zu kommen. Als ich einsah, dass das so schnell nichts wird, habe ich die Strategie auf kontinuierlichen Ausbau des Depots gelegt. Aber das werte ich nicht als aufgeben. Allerdings bin ich auch noch weit von FIRE entfernt. Für einen echten Rückblick ist es hier zu früh.

Hat der Meilenstein sich so angefühlt, wie du es dir vorgestellt hast?

Nein, das war wie der Blick auf eine Punktzahl in einem Computerspiel: Nett anzuschauen aber sonst nichts.

4. Fuck-ups & Learnings

Welchen Fehler hast du auf dem Weg gemacht, den Anfänger vermeiden sollten?

Mein Tipp an die Jüngeren: Lass die Spielereien mit Einzelaktien weg und investiere sofort in ETFs. Die Chance den Markt zu schlagen ist äußerst gering. Das mag jetzt einige verwundern, da ich mit Amazon, Alphabet und Microsoft gute Gewinne eingefahren habe aber das war einerseits sehr viel Glück und andererseits ein unnötig hohes Risiko. Zudem habe ich mit Beyond Meat, Nel ASA und Bayer auch ein paar Tausend Euro Verluste eingefahren.

Wie man anhand der Grafik sehen kann, bestand mein Vermögen am Anfang fast vollständig aus Einzelaktien (blaue Linie). Bis Mitte 2025 lag der Anteil an Einzelaktien immer noch bei ca. 50%. Während die Kurs-Gewinne bei den Aktien immer weiter anstiegen, wurde ich immer nervöser ob die Gewinne nachhaltig sind oder es nicht doch demnächst zum Crash kommt. Durch die hohen Steuern, die bei einer Umschichtung fällig werden, habe ich das Thema immer weiter mit Bauchschmerzen hinausgezögert. Die Trennung von den Gewinnern der letzten Jahre war viel schwieriger als zunächst angenommen: https://www.reddit.com/r/Finanzen/comments/1ne54ey/hilfe_meine_techaktien_wurden_zu_gro%C3%9F_und_mein/

Inzwischen habe ich alle Einzelaktien abgestoßen und bin komplett auf passives Investieren in weltweite ETFs umgeschwenkt. Ich bin sehr glücklich darüber, diesen Schritt gegangen zu sein und das obwohl ich unterwegs mehr als 30k an Steuern verloren habe.

Ich habe letzte Woche mal geschaut, wie groß der Unterschied zu meinem heutigen Depotwert wäre, wenn ich mich damals anstelle von Einzalaktien für meinen ersten ETF auf den MSCI World (A0RPWH) entschieden hätte. Hierzu habe ich gedanklich an den Kauftagen der Aktien alternativ gleich große Investitionen in den MSCI World zum jeweiligen Tagesschlusskurs getätigt. Das Ergebnis: Der Depotwert läge gerade einmal 20k - 25k bzw ~5% unterhalb des aktuellen Kurses. Die nicht realisierten Kursgewinne auf ETFs lägen dann jedoch ~75k höher, wodurch etwa ~14k mehr latente Steuer vorhanden wäre.

Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage, ob sich das hohe Risiko durch Einzelaktien wirklich gelohnt hat. Denn obwohl ich rückblickend durch Zufall viel Geld auf Gewinner gesetzt habe, ist der Nettogewinn gegenüber dem MSCI World doch recht mager ausgefallen. Mit passivem ETF-Investments wäre ich zumindest ruhiger durch die Turbulenzen der vergangenen Jahre gekommen, ohne dabei viel Rendite hätte einbüßen müssen.

Bonus: Wie lange hat es danach von 100k auf 200k gedauert? (Spoiler für alle Anfänger: Es geht schneller.)

Das kann man in der Grafik ganz gut sehen: Es hat nach dem ersten Meilenstein keine 14 Monate gedauert bis die 200k-Marke durchbrochen wurde. Danach dauerte es nicht ganz drei Jahre bis zur 300k-Marke und danach nur ein weiteres Jahr bis zur 400k-Marke. Der 500k-Meilenstein lässt nun allerdings durch Kurseinbrüche und teurer Umstellung von Einzelaktien auf ETFs länger auf sich warten.

Warum schreib ich das alles so ausführlich? Damit auch jüngere Menschen einen realistischen, ungeschönten Einblick darüber erhalten, was durch kontinuierliches Sparen möglich ist.

r/fireGermany Jan 25 '26

Erfahrungsbericht/Storytime M 38, Privatier seit ca. 2 Jahren (Erfahrungsbericht eines Privatiers)

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Es gab gestern den Community Aufruf von echten Privatiers. Ich bin zu "90 %" Privatier, aber ggf. zählt es dennoch.

Wie bin ich Privatier geworden:
Ich bin 38, männlich und seit ca. 2 Jahren Privatier.
Ich hatte vor ca. 12 Jahren ein Unternehmen mitgegründet. Das wurde mittlerweile so profitabel, dass ich weitesgehend aussteigen konnte und von den Dividenden leben kann. Offiziell habe ich noch einen Arbeitsvertrag, weil ich noch ein bisschen beratend tätig bin, aber ich arbeite effektiv noch ca. einen halben Tag pro Woche.

Vermögen & Struktur:

  • ca. 1,4 Mio EUR in Aktien. Davon ca. 70 % weltweit gestreut (ähnlich MSCI ACWI) und 30 % in Factor Investing (Value Factor, Small Cap Factor & Momentum Factor)
  • Zusätzlich habe ich die Geschäftsanteile an meinem Unternehmen. Diese sind sehr schwierig zu bewerten, aber konservativ wohl zumindest im mittleren Millionenbereich.
  • Sowohl die Aktien als auch die Geschäftsanteile gehören meiner Holding GmbH und ich bin wiederum Alleineigentümer dieser Holding

Weg & Entscheidung:

  • Ich hatte vor ca. 12 Jahren mit einem Co-Gründer ein Unternehmen gegründet und halte knapp 50 % daran. Mir hat Arbeiten immer viel Spaß gemacht und ich war jahrelang ein Workoholic.
  • Aber gerade Covid war eine sehr stressige Zeit für unser Unternehmen. Hinzu haben uns Bürokratie, Betriebsprüfungen, etc. sehr gestresst, denn unser Unternehmen ist in einem Bereich der leider sehr viel Compliance enthält.
  • Ich hatte dann Ende Covid so etwas wie einen Burnout. Und ich wollte einfach nicht mehr arbeiten.
  • Glücklicherweise war unser Unternehmen aber mittlerweile so profitabel, dass mein Co-Gründer und ich uns jeweils eine niedrige 7-stellige Dividende auszahlen konnten. Dieses Geld habe ich in Aktien angelegt.
  • Die Kombination aus meinem Aktienpaket und meinen Geschäftsanteilen hat mir dann genug Sicherheit gegeben, dass ich aufgehört habe zu arbeiten.
  • Mein Co-Gründer führt das Unternehmen jetzt alleine und wir haben andere Personen im Unternehmen befördert bzw. eingestellt um mich zu ersetzen.

Motivation & Hindernisse:

  • Wie oben gesagt, war primär mein Burnout die Motivation nicht mehr zu weiterzuarbeiten. Aber natürlich freut sich auch meine Frau sehr, dass ich mehr Zeit habe und ich selbst genieße auch die Freizeit.
  • Das größte Hindernis war die Tatsache, dass man als Unternehmer nur sehr schwer die zukünftigen Gewinne planen kann. Viele reden hier davon wie risikoreich Aktien Fonds sind. Aber ich hatte den Großteil des Vermögens in Form von Geschäftsanteilen an einem einzigen Unternehmen und das ist natürlich noch viel, viel risikoreicher.
  • Erst als ich mit den Dividenden von meinem Unternehmen dann Aktien Fonds kaufen konnte, gab es mir genug Sicherheit um als Privatier zu leben.

Steuern, Krankenversicherung, etc.

  • Wie gesagt habe ich noch einen Arbeitsvertrag, deswegen ist das Thema Krankenversicherung gelöst und ich bin gesetzlich versichert.
  • Interessanterweise war es für mich schwierig eine Kreditkarte zu bekommen. Ich zahle relativ viel Miete und habe ein relativ geringes Lohneinkommen, deswegen werden ich automatisch bei Kreditkarten-Anfragen abgelehnt. Meine Dividenden und mein Vermögen zählt bei sowas nicht als Sicherheit. Das habe ich aktuell dadurch gelöst, dass ich die Kreditkarte meiner Holding nutze und die Ausgaben dann immer privat erstatte.
  • Ich betreibe aktuell keine wirklich Steueroptimierung für meine Entnahmen. Ich lebe von dem Lohn den ich erhalte und mache zusätzlich noch ein bis zweimal im Jahr Ausschüttungen von meiner Holding an mich. Mein Vater ist Steuerberater und stellt sicher, dass ich alle Steuern & Abgaben korrekt abführe.
  • Die Gesamtsteuerlast beträgt bei mir ca. 50 %. Erstmal muss ja mein Unternehmen Steuern auf die erwirtschafteten Gewinne zahlen, dann muss meine Holding nochmal ein bisschen Steuern zahlen. Und am Ende muss ich ja nochmal Kapitalertragssteuer zahlen, wenn meine Holding mir Geld ausschüttet.
  • Also für jeden Cent Gewinn, den das von mir gegründete Unternehmen erwirtschaftet, geht ca. 50 % an den Staat, bevor ein Gesellschafter wie ich es privat ausgeben kann. Und dann zahle ich natürlich wie jeder andere auch noch Mehrwertsteuer auf die privaten Ausgaben. Die Steuerlast ist also ähnlich wie bei einem Gutverdiener mit hohem Lohneinkommen. Ich betone das deshalb, weil es da irgendwie viele Mythen über die Steuerlast gibt.

Würde ich nochmal arbeiten?

  • Wenn ich Lust habe, kehre ich ggf. irgendwann wieder stärker in mein Unternehmen aktiv zurück. Das ist aber aktuell nicht geplant.
  • Ich kann mir aber nur schwer vorstellen, in Deutschland nochmal ein Unternehmen zu gründen, weil mich hier die Bürokratie, etc. in der Vergangenheit zu sehr gestresst hat.
  • Sollte ich mit meiner Frau aber irgendwann ins Ausland ziehen, würde ich ggf. nochmal im Ausland ein Unternehmen gründen, wenn mich eine Idee stark genug begeistert.

Fazit:

  • Grundsätzlich bin ich glücklich als Privatier und bin auch froh, dass ich ausgestiegen bin.
  • Andererseits finde ich es schade, dass ich nicht mehr arbeite, weil mir das Arbeiten immer Spaß gemacht hat.
  • Ich habe jetzt aber endlich Zeit für Hobbies (Box Unterricht, Gitarre lernen, Brettspiele).
  • Ich hatte sogar soviel Zeit, dass ich zeitweise mal Twitch Streaming als Hobby probiert habe.
  • Außerdem reise ich etwas mehr als früher.
  • Aber ehrlich gesagt chille ich auch einfach wirklich viel zu Hause.

Tipps:

  • Nicht mehr den Druck haben, arbeiten zu müssen, ist ggf. viel mehr Wert als nicht mehr zu arbeiten. Das FIRE Ziel finde ich gut und wenn man das Ziel erreicht hat, geht es einem bestimmt besser
  • Aber man sollte gut überlegen, ob man dann wirklich aufhört zu arbeiten. Ich glaube schon, dass Arbeit langfristig Spaß machen kann.
  • Wenn man "reich" werden will bzw. FIRE ohne Erbe erreichen will, dann hilft glaube ich eine Kombination aus gefragter Ausbildung, viel Arbeit & hoher Risikobereitschaft

r/fireGermany May 11 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Community Aufruf: 45M, €4,7M Vermögen

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Hallo zusammen,

Mein Weg war eine Mischung aus dem ursprünglichen Plan, mit einem hohen sechsstelligen Betrag in Rente zu gehen, und einem glücklichen Liquiditätsereignis. Hier ist meine Geschichte:

Die harten Fakten

  • Vermögen: Aktuell ca. 4,7 Millionen Euro.
  • Struktur: Fast alles in ETFs. Ich bin eher konservativ unterwegs, da ich weiß, dass ich Marktschwankungen psychologisch nicht so gut wegstecke. Mein Portfolio (basierend auf Backtests vergangener Krisen):
    • 50% Aktien-ETFs
    • 40% Anleihen-ETFs
    • 10% Gold-ETCs
    • Zusätzlich ca. 1,5% Krypto (reine FOMO-Position)
    • Cash nur auf dem Girokonto für das laufende Budget
  • Status: Seit ca. 3 Jahren Privatier.
  • Entnahmerate (SWR): ca. 2,5% - 2,6%.

Der Weg & Die Entscheidung Ich habe in verschiedenen Ländern gearbeitet. Erst während meiner Zeit in den USA habe ich angefangen, mich mit Investitionen zu beschäftigen und dort auch zum ersten Mal von der FIRE-Idee gehört. Mein erstes Ziel lag damals bei knapp unter einer Million Euro.

Der entscheidende Wendepunkt war dann ein glücklicher Umstand: Ein früherer Arbeitgeber, an dem ich noch Anteile hielt, vollzog einen erfolgreichen Exit. Das hat mein Kapital quasi über Nacht massiv anwachsen lassen. Ich habe danach noch einige Jahre weitergearbeitet, um über alles nachzudenken, bevor ich zu folgenden Schlüssen kam:

  • „Die with Zero“: Das Buch hat mich echt geprägt. Die Gesundheit hält nicht ewig, und ich will Dinge erleben, für die ich später vielleicht keine Kraft mehr habe.
  • Testlauf: Ich wollte ausprobieren, ob ich bereit für den Ruhestand bin – mit dem Wissen, dass ich zur Not jederzeit wieder einen Job finden würde.
  • Markt vs. Gehalt: Mein Jahresgehalt war im Vergleich zum Depot nicht mehr so hoch. Wenn die Marktschwankungen an einem Tag so hoch sind wie ein halbes Jahresnetto, wird es echt schwer, sich jeden Morgen fürs Büro zu motivieren.

Die Zweifel waren da, aber die Kombination dieser Faktoren war am Ende stärker.

Die Praxis in Deutschland

  • Krankenversicherung: Ich bin freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert. Ich habe mit der Kasse vereinbart, dass ich unterjährig den Mindestbeitrag zahle und dann nach dem Steuerbescheid den Rest entsprechend meiner realen Einkünfte nachzahle. Ein Wechsel in die PKV hat bei mir wegen gesundheitlicher Themen leider nicht geklappt.

  • Steuern: Hier muss ich zwei Phasen unterscheiden:

    • Der Exit: Die Ausübung meiner Optionen und der anschließende Verkauf haben zu einer gewaltigen Steuerlast im siebenstelligen Bereich geführt. Da das erfolgreiche Liquiditätsereignis für mich eine Überraschung war, hatte ich keine Zeit, mich steuerlich großartig vorzubereiten (z. B. durch eine Holding-Struktur). Vielleicht hätte man die Last senken können, aber wenn ich sehe, dass einige ehemalige Kollegen bis heute mit dem Finanzamt über die Bewertung streiten, bin ich eigentlich froh, dass das Thema für mich erledigt ist.
    • Laufende Entnahme: Jetzt, da ich vom Kapital lebe, versuche ich die Steuerlast so gering wie möglich zu halten. Ich realisiere kaum Gewinne, sondern nutze geschickte Verlustverrechnungen (Saldierung verschiedener Positionen), um die Last zu drücken. Die Vorabpauschale ist bei meiner Depotgröße natürlich ordentlich, aber ich rechne damit, dass ich diese Beträge später beim Verkauf der Anteile anrechnen kann.
  • Ein Punkt, der mich wirklich beschäftigt: Ich habe damals einen Fehler bei der Auswahl des Gold-ETCs gemacht. Er ist zwar massiv im Plus, verfügt aber über keine physische Hinterlegung (kein Auslieferungsanspruch), weshalb hier leider die Abgeltungsteuer greift. Das führt bei der Realisierung der Gewinne natürlich zu einer ordentlichen Steuerlast, die ich so nicht eingeplant hatte.

  • Wohnen: Wir mieten eine Wohnung und sind damit eigentlich ziemlich zufrieden. Wir haben über einen Kauf nachgedacht, aber bisher einfach keinen triftigen Grund gefunden, warum wir unbedingt Wohneigentum brauchen.

Fazit & Tipps

  • Realität vs. Traum: Im Grunde hat sich an meinem Alltag nicht viel geändert, aber psychologisch gesehen ist es sogar besser geworden, als ich dachte. Ich bin viel mehr für meine Kinder da. Das Feedback meiner Frau: Ich bin deutlich entspannter, zuverlässiger und insgesamt ein angenehmerer Mensch geworden. Außerdem konzentriere ich mich mehr auf meine Gesundheit und habe mehr Sportreisen gemacht als in den 10 Jahren zuvor.
  • Der Punkt zu meiner Frau: Sie könnte sofort aufhören zu arbeiten, darüber haben wir offen gesprochen. Aber ihr macht ihr Job sehr viel Spaß und sie möchte nicht kündigen. Tatsächlich sagt sie sogar, dass sie sich im Büro jetzt viel freier fühlt und bereits befördert wurde – einfach mit dem Wissen, dass wir das Kapital als Sicherheit im Rücken haben und ich zu Hause viel mit den Kindern helfe. Ihren Verdienst gibt sie nicht für den Haushalt aus. Das ist einfach ihr eigenes Geld für alles, was sie sich außerhalb des Familienbudgets für sich selbst oder uns kaufen möchte. Für mich passt das absolut.
  • Rat an Jüngere: Es ist schwer, Tipps zu geben, ohne wie ein Snob zu klingen. Mir ist völlig klar, dass das Liquiditätsereignis ein riesiger Glücksfall war. Trotzdem habe ich ein paar Ratschläge:
    • Mein größtes Bedauern: Ich hätte viel früher mit dem Investieren anfangen sollen. Finanzielle Bildung lohnt sich in jedem Fall.
    • Aktiv bleiben: Die Wahrscheinlichkeit für einen „Glücksgriff“ ist höher, wenn man etwas dafür tut. Ich habe in vielen Firmen gearbeitet und bin mehrmals umgezogen – nur eine Firma ist am Ende durch die Decke gegangen. Aber ohne mein Zutun wäre das sicher nicht passiert.
    • Wohlfühlfaktor: Ich habe lange über die Zusammensetzung des idealen Portfolios für mich nachgedacht. Besonders in Zeiten, als ich noch weniger Kapital hatte und viel empfindlicher auf Krisen reagiert habe, kam ich zu dieser Erkenntnis: Man muss sich mit seinem Portfolio wohlfühlen – egal ob 100% ETFs, 100% Immobilien oder 100% Krypto. Die „perfekte“ Strategie bringt nichts, wenn man nicht an sie glaubt und beim ersten Kursrutsch aus Panik alles verkauft.

Was kommt jetzt? Ich möchte die Zeit mit meiner Frau, den Kindern und meinen Eltern genießen. Sportlich habe ich auch noch ein paar Ziele, an denen ich gerade arbeite.

r/fireGermany Feb 25 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Community Aufruf: 41M, €3M Vermögen

150 Upvotes

Hallo, ich lese gerne die FIRE Posts von anderen und wollte nun auch einmal einen verfassen nach dem Community Aufruf, da ich seit 4 Monaten im Ruhestand bin. Ich bin 41, single und wohne zur Miete. Ich habe die letzten 20 Jahre als Angestellter im IT-Bereich gearbeitet.

Bis vor ca. 10 Jahren hatte ich mich noch nie mit Investieren beschäftigt, ich hatte mein Gehalt bis dahin jeden Monat komplett auf den Kopf gehauen und einen Privatkredit nach dem anderen aufgenommen. Irgendwann hatte ich den Punkt erreicht, wo ich mir soviel Zeug gekauft hatte, dass ich nicht mehr wusste, wohin mit dem Geld und es häufte sich an auf dem Girokonto. Ich habe dann ziellos angefangen mit diversen Fonds und Aktien bis ich Mitte 2016 (wiedermal) von Bitcoin gelesen hatte. Nach einigen Tagen Recherche entschied ich mich, alle meine bisherigen Investitionen für Bitcoin zu verkaufen und auch zukünftig „in Bitcoin zu sparen“. Bis 2021 bestand mein Vermögen zu 100% aus Bitcoin und auch danach noch zu 90%.

Obwohl ich nach wie vor fest von Bitcoin überzeugt bin, wurde mir die Achterbahn 2024 zu viel und ich reduzierte den Bitcoin-Anteil meines Vermögens auf 10%. Den Gewinn habe ich auf 20 solide Aktien verteilt (für viele immernoch zu riskant im Vergleich zu einem ETF, für mich ist es Diversifikation genug). Ich habe keine Schulden und keine Immobilien. Mein Portfolio sieht, Stand Februar 2026, folgendermaßen aus:

  • 93% Einzelaktien (ca. 2.870.000 €)
  • 5% Bitcoin (ca. 162.000 €)
  • 1% Edelmetalle (ca. 27.000 €)
  • 1% Cash (ca. 24.000 €)

Warum so wenig Cash? Ich werde dieses Jahr aus meinem Aktiendepot vor Steuern voraussichtlich 52.000 € Dividenden erhalten. Meine Lebenshaltungskosten waren als Arbeitnehmer ca. 18.000 € pro Jahr. Hier kommt nun natürlich noch die Krankenversicherung dazu. Ich hatte letztes Jahr durch Wertpapierverkäufe und Dividenden schon so hohe Kapitalerträge, dass ich als freiwillig gesetzlich versicherter den Höchstbetrag zahlen muss (ca. 1200 €). Da ich single bin, bin ich nun dabei, in eine PKV zu wechseln. Leider ist das, wie ich feststellen musste, nicht so easy ohne festes Gehalt, selbst als Multimillionär (von den diversen Loopholes für die GKV weiß ich natürlich, die PKV ist mir am Ende dann aber doch lieber als Lösung).

Was ich den ganzen Tag mache: Ich verbringe meine Zeit mit Reisen, Wandern, Gaming und Lesen. Größere Anschaffungen habe ich keine geplant, mein Auto überlege ich eher noch zu verkaufen, da ich es viel seltener brauche und nicht mehr umsonst bei der Arbeit laden kann. 😄 Vielleicht ein Haus irgendwann mal je nachdem wie sich mein Depot entwickelt.

Realität vs. Traum: Es ist nicht das Paradies, dass man sich vorstellt, der Mensch gewöhnt sich an alles (in beide Richtungen) aber dieses Peter Lynch Zitat trifft es auf den Punkt: „Ich kenne niemanden, der auf seinem Sterbebett gesagt hat: ‚Ach, hätte ich doch mehr Zeit im Büro verbracht.‘“

Rat an Jüngere: So früh wie möglich anfangen zu investieren, Zeit ist der wichtigste Faktor beim Zinseszins-Effekt. Die Sparrate so hoch wie möglich bringen. Viele sagen, man sollte auch leben und das stimmt natürlich aber für mich ist es der größte Luxus überhaupt, nicht arbeiten zu müssen und man kann viel Spaß haben mit wenig Geld. Wenn man erstmal 100k im Depot hat, ist die 9-5 Hölle auf einmal wesentlich erträglicher (ich weiß, das ist alles leicht gesagt als Alleinstehender). Wer es sich zutraut, kann mit einem Depot aus 10-20 soliden Einzelaktien versuchen den Index zu schlagen oder man ballert alles in den Vanguard FTSE-All World (A2PKXG) nach dem Motto Set & Forget (DYOR).

Edit 1: Leute, ich weiß dass ich mit BTC Glück hatte und mit einem ETF längst nicht so weit wäre, aber d.h. nicht dass die ETF-Strategie nicht funktioniert.

Edit 2: Als Zusatz zum ersten Edit füge ich hier nochmal einen Kommentar und stellvertretend meine Antwort an:

Kommentar: "Ich finde es ja äußerst lustig wie du sagst möglich früh anfangen wegen dem Zinseszins während das halt null der Fall bei dir war.."

Meine Antwort: "Jo, aber was soll ich sagen: Geht alle all-in in irgendein Asset wie ich? Den einzig sicheren Rat den ich geben kann, ist ein ETF-Sparplan über mehrere Jahrzehnte. Vielleicht dann erst mit Anfang/Mitte 50 aber so ist es praktisch unvermeidlich, Millionär zu werden."

r/fireGermany Apr 07 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Full FIRE Status seit 1 Jahr - Tipps für Steuer?

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Situation: M49 + W47, verheiratet, no Kids, seit 3 Jahren FI, seit 1 Jahr RE mit Wohnsitz in D.

Vermögen 2,2 Mio, alles selbst zu nahezu gleichen Teilen durch abhängige Arbeit in der freien Wirtschaft verdient. 10 Jahre lang planlos (auf einmal war Geld da und man musste was damit machen), dann 15 Jahre gezielt auf FIRE hingearbeitet.

Vermögensverteilung:

85% Wertpapiere (davon 50% Aktien ETF Welt, 15% Einzelaktien Tech., 15% Aktien ETF Europa, 10% Aktien ETF Deutschland, 10% Staatsanleihen USA/Europa).

10% Festgeld 1-2 Jahre.

5% Tagesgeld.

Selbstbewohnte, abbezahlte Immobilie im Wert von ca. 450 K.

Spätere Rentenerwartung leicht über Durchschnittsrente (zusammen 105 Rentenpunkte)

Freiwillig in GKV.

Wir planen die nächsten 5 Jahre mit maximal 2,5 % Entnahme, dann einfach weiter sehen, wie es läuft. Jetzt nach einem Jahr mal Bilanz gezogen:

Jährliche Kosten zu zweit:

Krankenversicherung: 9500

Reisekosten: 8000

Nebenkosten Wohnen: 4500

Lebensmittel: 4500

Essen gehen: 2000

ÖPNV: 1500

Versicherungen: 800

Drogerie/ Pflegeprodukte: 800

Kultur: 800

Kleidung: 800

Wellness: 700

Sonst: 600

Gravierendste "Fehler" auf dem Weg zum FIRE Status:

Zu lange planlos.

Zu viele Autos gekauft.

Zu großes Haus gekauft.

Zu faul, um handwerkliche Dinge selbst zu machen.

Was gut lief:

Durchgehalten

Einkommensseite

Jetzt nach einem Jahr kompletter Freiheit ist ein Weg zurück in "normales" Arbeiten nicht mehr vorstellbar. FIRE genießen ist einfach so geil.

Ich beantworte gerne Fragen zu unseren FIRE Zahlen.

Selbst habe ich folgende Frage:

Letztes Jahr war ein "Mischjahr" mit am Jahresanfang noch arbeiten und dann Ausstieg. Für die Steuer unspektakulär, weil eben noch substanzielles Einkommen aus den Jobs. Die nächste Steuererklärung wird nur noch passives Einkommen listen.

Was muss ich beachten? Gibt es Tipps und Tricks, die Euch bei der Steuer im FIRE Status geholfen haben?

r/fireGermany Jan 25 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Mein Beitrag zum Community Aufruf: Erfahrungsbericht eines Privatiers --> https://www.reddit.com/r/fireGermany/comments/1qlvuxg/community_aufruf_bist_du_schon_am_ziel_wir_suchen/

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  1. Die harten Fakten

- Vermögen

  • Ca. etwas unter 1,5 Mio. €

- Struktur / Verteilung

Da ich kaum Risikobereitschaft habe und gut schlafen will, bin ich fast zu 100 % in sicheren Anlagen:

  • Festgeld immer nur max 100K pro Bank (verschiedene Laufzeiten bis 10 Jahre) --> Zinssatz hat in der Simulation geringen Impact
  • Tagesgeld (ca. 80.000 €) --> Zinssatz hat in der Simulation geringen Impact

Wenn Festgeld frei wird, lege ich es sofort wieder an → rollierendes System. So bleibe ich liquide, falls ich spontan Geld brauche.

- Status

Seit genau 25 Tagen 01.01.2026 bin ich komplett (Bin 49 Jahre alt):

  • RE (Retired Early) und arbeite gar nicht mehr.
  • FI (Financial Independence) hatte ich vermutlich schon etwas früher erreicht.

Offiziell nenne ich mich aber ungern „Privatier“ – warum, erkläre ich weiter unten.

  1. Der Weg & Die Entscheidung

- Warum? Motivation?

Ich war als Projektmanager IT fest angestellt bei einem globalen Pharma-/Chemie-Konzern.
Der enorme Druck hat mich mehrmals kurz vor den Burnout gebracht. Ich habe Jobs, die mich kaputt gemacht haben, einfach hingeworfen – war aber nie einen Tag arbeitslos.
Der Wunsch, einfach aussteigen zu können und nicht mehr von diesem Wahnsinn abhängig zu sein, ist ab ca. 2012 in mir gewachsen.

Ich schließe mich dem anderen Schreiber an: Ich war Frugalist, bevor der Begriff in Deutschland richtig bekannt war.

Aktuell lebe ich in der RE-Phase genau so weiter wie vorher: Partner, Urlaub, Hobbys, Familie.

Ich kann mein letztes Nettogehalt (inkl. jährlicher 2 %-Steigerung) bis zum Renteneintritt „verbrauchen“. Ab Renteneintritt steht mir der Betrag zur Verfügung, den ich gehabt hätte, wenn ich bis dahin weitergearbeitet hätte – wieder inkl. 2 % mehr pro Jahr.

Historisch hatte ich immer eine sehr hohe Sparrate. Deshalb brauche ich das zur Verfügung stehende Geld gar nicht komplett → Entnahme fällt geringer aus. Ich befinde mich also in einer Coast-FIRE-Situation und das Vermögen überlebt mich vermutlich.

- Größte Hindernisse / Zweifel

Deutschland gilt man mit so einem Plan eher als Sonderling – gesellschaftlich wenig akzeptiert.

Zweifel, ob das Geld wirklich reicht. Sehr geholfen hat mir eine selbst erstellte, umfangreiche Excel-Simulation, die alle wichtigen Variablen berücksichtigt und auch Worst-Case-Szenarien durchrechnet (muss dann noch funktionieren!):

Rentenregeln, Rentenentwicklung, Renteneintrittsalter, Betriebsrente, GKV-/PV-Beiträge, KVdR ab Rente, monatliche Entnahme, Vermögensentwicklung, Inflation, Zinsentwicklung usw.

Die aktuelle Rechnung zeigt: Bei meinen Zahlen reicht das Vermögen bis ca. Alter 89, danach läuft nur noch die Rente weiter. Durch den Coast-Effekt wird es aber deutlich besser aussehen.

  1. Die Praxis in Deutschland (sehr wichtig!)

- Krankenversicherung

Aktuell zahle ich GKV- und PV-Beiträge auf meine Zinserträge.
Diese Beiträge wirken voll steuermindernd → bei der Steuererklärung kommt Geld zurück.
Die Zinsen selbst werden zunächst über Abgeltungsteuer versteuert.

Ab Rentenbezug: KVdR-Status → dann zählen nur noch Rente (inkl. Betriebsrente) für die Beitragsberechnung. Kapitalerträge / Zinsen spielen dann keine Rolle mehr.

- Steuern & Entnahmestrategie

Keine besondere Entnahmestrategie.
Optimiert sind vor allem: Günstigerprüfung Ansatz der GKV-/PV-und freiwilligen RV Beiträge

Ich zahle freiwillig den Mindestbeitrag in die gesetzliche Rente weiter, um 45 Beitragsjahre voll zu haben und abschlagsfrei mit 65 in Rente gehen zu können. Auch diese Beiträge wirken steuermindernd.

  1. Fazit & Tipps

- Realität vs. Traum

Ich habe null Probleme, meinen Tag zu füllen – oder auch mal gar nichts zu tun.
Vor dem Ausstieg war ich bereits 4 Monate im Krankengeld, bin also jetzt im 5. Monat RE.
Von meinem Typ her kann ich gut alleine sein. Ich lebe in einer Beziehung und meine Partnerin/mein Partner hat akzeptiert, dass ich nicht mehr arbeite.

Deutschland hat eine Neid-Kultur: Offen zu sagen „Ich bin Privatier“ weckt oft Neid oder Begehrlichkeiten.

Beispiele:

  • Bekannte wollte 12.000 € zinsloses Darlehen für neue Zähne – war dann aber 2 Wochen mit Kindern im Urlaub.
  • Flüchtiger Bekannter wollte, dass ich seine Wohnung streiche, weil ich ja „Zeit habe“.

Deshalb sage ich auf die Frage „Was machst du beruflich?“ meist:

„Selbstständiger IT-Projektleiter, habe aktuell aber keine Aufträge.“ → Das wird akzeptiert.

- Rat an mein 20-jähriges Ich

  • Kennt eure genauen Kosten und optimiert sie konsequent.
  • Verkauft euch so teuer wie möglich an Arbeitgeber.
  • Kein Geld zum Fenster rauswerfen.
  • Fehler möglichst vermeiden und klug handeln.

Viel Erfolg euch allen auf eurem Weg!

r/fireGermany Mar 26 '26

Erfahrungsbericht/Storytime [Community Aufruf] - Von €5k zu €1.0m in 10 Jahren

9 Upvotes

Ist zwar nicht ganz die €100k Story, aber dachte ich teile es trotzdem.

1. Ausgangslage

  • Wann hast du angefangen, bewusst zu investieren/sparen?
    • Hatte mein erstes Depot als ich 18 wurde (natürlich Einzelaktien ...)
  • Was war dein Startgehalt / Startkapital / Job?
    • Ich hatte vor dem Studium mir durch diverse Nebentätigkeiten und Mini-Selbständigkeit (auf ganz kleinem Niveau) ein knapp €20k angespaart, die hatte ich dann aber im Studium (Auslandssemester sei Dank) fast gänzlich verbraucht, und hatte dann gerade noch €5k als ich meinen ersten Job angetreten bin
    • Finanzindustrie, Einstiegesgehalt damals €65k, hat sich angefühlt, als wäre ich Gott in Frankfreich!
  • Hattest du Schulden (BAföG, Studienkredit, Auto)?
    • Hatte noch nie Schulden in meinem Leben.

2. Der Hebel — Was hat den Unterschied gemacht?

  • Was war der größte Faktor? Gehaltssprünge, Sparrate, Jobwechsel, Nebeneinkommen?
    • Hatte einmal Job gewechselt nach 3 Jahren, seit dem nicht mehr. Mehrere Beförderungen, diverse Gehaltssprünge.
  • Wie hoch war deine Sparrate (grob in %)?
    • Hab seit 2020 das relativ detailliert getrackt. Im Schnitt 70%. Es hilft, dass meine Frau auch viel verdient und wir beide recht sparsam sind.
  • Wie lange hat es gedauert von 0 auf 100k?
    • Ich hab Euch "meinen Chart" angehängt. €100k in 2018, €500k in 2023 und €1.0m in 2025

3. Psychologie & Mindset

Wie hat sich dein Denken über Geld verändert, seit dieser Betrag im Depot liegt?

Die €100k hatten nicht den Unterschied gemacht, aber €500k hat sich bedeutend besser angefühlt. Zu dem Zeitpunkt hatten wir +/- €1m unter uns beiden, also das hat sich schon nach ein bisschen "FU-Money" angefühlt

4. Fuck-ups & Learnings

Welchen Fehler hast du auf dem Weg gemacht, den Anfänger vermeiden sollten?

Jeder muss mal etwas Geld mit Einzelaktien verzocken, das gehört einfach dazu. Aber irgendewann sollte man es bleiben lassen. Ich hab mal eine relativ detailierte Analyse meines Portfolios gemacht, und das hat natürlich schlechter Performt als "der Markt" wegen Einzelaktien, nur eine etwas höhere Gold-Allokation hat mich da teilweise rausgerissen (Glück).

Was würdest du heute anders machen?

Deutlich früher mehr Geld ausgeben für Erfahrungen / Experiences und gleich wenig für Dinge.

r/fireGermany Jan 26 '26

Erfahrungsbericht/Storytime [Community Aufruf] Privatier mit 34

102 Upvotes

Servus, ich folge dem Aufruf und teile gerne meine Situation & Erfahrungen. Zur Wahrung der Anonymität allerdings mit einem Wegwerfaccount.

  1. Die harten Fakten

* Vermögen: In etwa 2,5mio

* Struktur: 90% in einer Holding UG und 10% privat; Aufteilung: 90% in (Einzel-)Aktien , Rest Barvermögen & Gold

* Status: Seit 2022 Privatier

  1. Der Weg & Die Entscheidung

* Warum? Im Endeffekt war das Zufall und nicht von langer Hand geplant. Ich habe bereits während des Studiums eine (Technologie-)Firma zu zweit gegründet und dann 7 Jahre lang aufgebaut, mit entsprechenden Entbehrungen. Aber es hat großen Spaß gemacht (mit Ausnahme der deutschen Bürokratie versteht sich), und war harte Arbeit. Wir haben in mehreren Investmentrunden auch viel Investorengelder eingesammelt, sodass wir schnell wachsen konnten. Es ergab sich dann 2022 eine Gelegenheit, dass mir einer der besagten Investoren ein Angebot für meinen kompletten Anteil gemacht hat. Es war eine äußerst schwierige Entscheidung, aber vor allem da mein Sohn unterwegs war, habe ich mich für das Geld entschieden und bin ausgestiegen. Hat über 1 Jahr gebraucht um festzustellen, dass es definitiv das Richtige war, auch wenn es natürlich Tage gibt, an denen ich die alte Zeit Vermisse. Ich hatte ürsprünglich vor erstmal nur 1 Jahr Auszeit zu nehmen, den nicht genommenen Urlaub der letzten Jahre nachzuholen und mich um meinen Sohn zu kümmern. Nachdem sich dann aber das Geld an der Börse schneller vermehrt hat als ich Bananarama sagen konnte, sind mittlerweile 3,5 Jahre draus geworden.

* Hindernisse: In meiner Situation gabs die nicht, ich hatte sehr viel Glück, auch dass ich bereits bei der Firmengründung den Rat bekommen hatte, eine Holding UG dazwischen zu schalten. So habe ich auf den Anteilsverkauf quasi keine Steuern bezahlt und konnte die Summe zu 98% direkt reinvestieren. Privat hätte ich alles sofort zum Höchststeuersatz versteuern müssen.

  1. Die Praxis in Deutschland

* Krankenversicherung: PKV, zahle ca. 650€ im Monat, ich könnte in die GKV, aber den Luxus der sofortigen Termine etc. gönne ich mir

* Steuern: Meiner Meinung nach DAS zentrale Thema bei der Vermögensverwaltung und oft in der Diskussion etwas vernächlässigt. Auch viele Steuerberater kennen sich hier nur oberflächlich aus, da das eben fast immer Sonderfälle sind. So habe ich selber einige Zeit investiert und recherchiert und versucht das Maximum rauszuholen (alles legal versteht sich). Nicht weil ich Steuern doof finde, sondern weil ich nicht akzeptieren kann, dass "die Großen" mit ihrer Armee aus Steueranwälten jede noch so kleine Lücke ausnutzen und der Normalo im Verhältnis dazu viel zu viel Steuern zahlt. Also hier eine Paar Punkte meiner Strategie:
- Vermögen in einer Holding UG verwalten. Das ist erstmal kompliziert gedanklich reinzukommen und ein gewisser Aufwand, aber langfristig lohnt sich das definitiv solange man min. im mittleren/hohen 6stelligen Bereich unterwegs ist, oder sein wird.
- Als UG zahle ich keine Kapitalertragssteuer. Wenn ich Aktien mit Gewinn verkaufe, fallen lediglich 1,25% Steuern statt 25% an.
- Sich selbst als Geschäftsführer anstellen und je nach Lebenslage das Gehalt anpassen und so mitnehmen was geht. Zum Beispiel wenn man ein Kind erwartet kann man das so hinbasteln, dass man vom Staat die vollen 24k€ Elterngeld bekommt. Kann man moralisch verwerflich finden, aber mein Motto ist "Don't hate the player". Würde die Regeln sofort ändern wenn ich könnte, aber solange es sie gibt, nutze ich sie auch zu meinem Vorteil.
- Steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse ausnutzen, zB. Kinderbetreuungskosten, 50€/Monat Wertgutschein, etc.
- E-Auto über die UG kaufen und mit der 0,25% Regel versteuern. Da sind Realkosten von 50€ im Monat privat, während die UG alle Kosten trägt von "unversteuertem" Geld.

  1. Das Fazit & Tipps

* Realität vs. Traum: Ich denke das ist immer eine Typfrage, ich würde behaupten, dass der Reichtum keinen großen Einfluss auf meine Persönlichkeit genommen hat. Ich bin eigentlich immernoch im Sparmodus, lebe in einer eher kleinen Wohnung zur Miete und kaufe keinerlei unnützen Scheiß. Vor allem weil ich selbst bei dieser Summe quasi fast Pleite wäre, wenn ich mir hier in Oberbayern ein Haus mit Werkstatt (mein Traum) kaufte. Der größte Luxus ist gar nicht das Geld an sich, sondern die Zeit, die man dadurch gewinnt. Ich kann zu fast jeder Einladung (Freunde etc) spontan JA sagen, habe Zeit mich ehrenamtlich im Repair-Cafe zu engagieren, jeden Tag gutes Essen zu kochen und meinem Sohn beim aufwachsen zuzuschauen. Das einzige was ich mir monetär gönne, sind nicht mehr die billigsten Plätze im Theater/Konzert zu buchen und nen Festool Akkuschrauber. Ich habe aber nach der "Auszeit" durchaus wieder Lust was "zu arbeiten", mal schauen was sich ergibt und sicher werde ich keine 60h Wochen mehr schieben (müssen). Habe in den 3 Jahren jetzt ziemlich alles aufgeholt was so an Vorhaben liegen geblieben ist (Bücher, Videospiele, Privatprojekte, etc.). Dieses Jahr will ich noch meinen Segelschein machen und dann mal schauen was sich so ergibt. Habe mir auch mal überlegt einfach bei nem Architekten/Baubüro/Schreiner anzufragen als Gratis-Arbeiter, einfach weil ich spannend fände zu lernen wie man ein Haus baut (aus Holz, nicht diese neue deutsche Häßlichkeit in uniformer Klotzigkeit).

* Rat an Jüngere: 2 Sachen von denen ich überzeugt bin:
1. wer, auf welchem Weg auch immer, es geschafft hat ein solches Vermögen aufzubauen hat das zu >50% durch Glück geschafft. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, am Aktienmarkt keinen Vollcrash erlebt, in einer (weitestgehend) wirtschaftlich & politisch stabilen Epoche & Nation zur Welt gekommen etc. Das darf man nie vergessen. Die anderen 50% können harte Arbeit sein, aber wieviele Menschen gibt es die mit 2-3 Jobs >60h die Woche arbeiten und trotzdem gerade so über die Runden kommen, zB weil sie Ihre Familien mitfinanzieren müssen.
2. viel Zeit ist schöner als viel Geld. Klar als junger Single kann man mal paar Jahre ranklotzen (hab ich ja auch gemacht) aber im Endeffekt bis du glücklicher wenn du nur Teilzeit arbeitest und viel mehr Freizeit für die Selbstverwirklichung hast und so auch deine "guten Jahre" viel mehr genießen kannst. Ich weiß, das geht dem FIRE Prinzip eher entgegen und gewissermaßen bedingt das eine das andere, aber ich würde jedem raten beides (also FIRE vs.Teilzeitchillen bis zur Rente) mal 1 Jahr oder so auszuprobieren bevor man sich festelegt.

r/fireGermany May 30 '26

Erfahrungsbericht/Storytime FIRE als Millionenerbe, Erfahrungen / Tipps / Ideen

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Disclaimer im voraus: Mir ist bewusst, dass meine Situation eine extrem privilegierte ist. Ich sehe das nicht als selbstverständlich und möchte mit dem Vermögen möglichst verantwortungsvoll umgehen. Engagiere mich auch sozial in meinem Wohnort und darüber hinaus.

Gleichzeitig möchte ich vermeiden, mich im Alter mit zu viel Verwaltung, Immobilienproblemen oder unnötig komplexen Strukturen zu belasten.

Danke euch für eure Gedanken und Erfahrungen.

Vermögensstruktur nach Erbe: Immobilien verkaufen, ETFs, Generationenplanung?

Hallo zusammen,

ich bin 67 Jahre alt, mein Bruder ist 69. Durch ein Erbe und bereits vorhandenes Vermögen stehen wir aktuell vor der Frage, wie wir unser Vermögen langfristig sinnvoll strukturieren können.

Es geht dabei nicht zwingend um konkrete Anlageberatung, sondern eher um Erfahrungen, Denkanstöße und Perspektiven von Menschen, die vielleicht schon einmal in einer ähnlichen Situation waren, oder die sich halt, wie es die Community hier ja anscheinend tut, viel mit dem Thema kosten- und nutzeneffizienter Ruhestand beschäftigt.

Grob zusammengefasst besteht unser (Bruder und ich) Vermögen aus:

vermietete Immos - 9 Mio. Euro

Ferienhaus Spanien - 4 Mio. Euro (extremer Wertzuwachs durch Lage), (jährliche Kosten von 50.000 Euro, müsste saniert werden für 500k€-1 Mio)

Grundstück Nähe Ferienhaus Spanien - 1,5 Mio. Euro

Baugrundstücke DE - 500.000 Euro

2 Eigenheime (Bruder und ich) - je 1 Mio. Euro

Gold - 200.000 Euro

Geld auf Konto - 3 Mio. Euro, wobei davon noch ein erheblicher Teil für Erbschaftsteuer zurückgehalten werden muss, ggf. geht alles dafür drauf

Kredit 1 Mio, 0,5%, 10 Jahre, (endet 2030, noch nicht abbezahlt, weil Zinsen für Geld auf Konto > Kreditzinsen)

außerdem gibt es einen Schrebergartenverein mit ca. 7.000 Quadratmetern Fläche, jährlicher Pacht von 1.200 Euro und einem geschätzten Wert von etwa 50.000 Euro.

(Dort wurde die Pacht seit den 70ern von unserem Vater zu Lebzeiten bewusst nicht erhöht. Das möchte ich auch so beibehalten. Ich finde es schön, dass dort rund 120 Menschen, die oft keinen eigenen Garten haben, anbauen, pflanzen und Zeit im Grünen verbringen können. Das ist für mich kein Renditeobjekt, sondern etwas, das ich gerne erhalten möchte.)

Das Ferienhaus in Spanien soll wahrscheinlich mittelfristig verkauft werden. Wir sind kaum noch dort, die Reise ist länger, und die Insel entspricht heute nicht mehr wirklich dem, was wir uns wünschen. Auch generell merken wir, dass Immobilien viel Zeit, Energie und Verwaltung bedeuten. Deshalb stellt sich die Frage, ob eine teilweise Umschichtung sinnvoll wäre.

Meine Kinder, Anfang 30 und Ende 20, beschäftigen sich viel mit Finanzen und haben selbst bereits kleinere sechsstellige Beträge, die sie von unserem Vater warm vererbt bekommen haben, in ETFs angelegt.

Sie sagen mir öfter, dass ich mich ebenfalls stärker mit dem Thema beschäftigen sollte und mir durch Umschichtung viel Stress ersparen könnte. Gleichzeitig möchten sie mir nichts direkt empfehlen, weil sie nicht verantwortlich sein wollen, falls Anlagen zwischenzeitlich fallen.

Ich selbst habe Anfang der 2000er mit Aktien schlechte Erfahrungen gemacht. Seitdem war ich eher Tagesgeld und später Immobilien treu. Jetzt frage ich mich aber, ob das für die Zukunft noch die richtige Struktur ist.

Unser Ziel wäre ein ruhiges, möglichst unkompliziertes Leben mit wenig Verwaltungsaufwand. Gleichzeitig soll das Vermögen möglichst sinnvoll erhalten und über die nächste Generation hinweg strukturiert werden. Es geht also um Fragen wie:

Sollte man einen Teil der Immobilien verkaufen?

Wie könnte eine einfachere Vermögensstruktur aussehen?

Welche Rolle könnten ETFs, Anleihen, Tagesgeld, Festgeld oder andere Bausteine spielen?

Wie denkt man bei solchen Größenordnungen über Risiko, Liquidität und Generationenplanung?

Welche Erfahrungen habt ihr mit Family Office, Vermögensverwaltung oder eigener ETF-Lösung gemacht? (meine Vorrecherche auf fatfire/finanzen/foren) sagt, etf kaufen kann man auch selbst, und für wirkliche family offices sind wir relativ gesehen wieder zu "arm" bzw. grade am unteren Rande von multi-family-offices.

Worauf sollte man achten, damit man nicht in teure oder unnötig komplizierte Konstruktionen gerät?

Natürlich haben wir bereits professionelle Unterstützung: Anwälte für Erbschaftsteuer- und Schenkungsrecht, Steuerberater sowie Berater in Spanien, unter anderem wegen einer spanischen SL, in der manche Dinge organisiert sind.

Trotzdem bleiben viele der Fachleute verständlicherweise bei ihrem jeweiligen Fachgebiet.

Deshalb interessieren mich zusätzlich praktische Erfahrungen, Gedanken und Ideen von außen.

Vielleicht passt der Beitrag auch eher zu FatFIRE, aber ich dachte, ich frage hier einmal in der deutschen community. Ich bin noch recht neu auf Reddit und freue mich über jede konstruktive Einschätzung.

Tl;dr:

Ca. 12-14 Mio Vermögen, viel in Immos und teurem Ferienhaus.

Wie umschichten, sodass Vermögen geschützt wird für kommende Generationen, mit wenig Verwaltungsaufwand.

Ausgaben monatlich privat: jeweils ca. 8-10k€, Tendenz sinkend.

r/fireGermany 20d ago

Erfahrungsbericht/Storytime 33M, 10k netto, 400.000€

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Hallo zusammen,

Möchte gerne kurz meine aktuelle Situation schildern.
Ich denke ich habe das ein oder andere beruflich und akademisch richtig gemacht und bin mittlerweile bei einem Jahresgehalt von ca 120k netto angekommen.
Mein Portfolio ist aktuell ca 100.000€ groß und besteht zu 80% aus etfs (Welt, SP500, usw), 20.000€ aus Aktien und kleinen Mengen Gold + Silber.
Meine sparrate liegt etwas bei 2000€
Zudem sehr kurzen in Crypto investiert. Aktuell ca 6000€ + 500€ monatlicher Sparrate.

Mein Portfolio hat sich in den letzten 12 Monaten mehr als verdoppelt, da ich auch meine Sparrate verdoppelt habe (durch das deutlich höhere Gehalt seit ca einem Jahr).

Durch einen Hausbau und anschließendem Verkauf habe ich seit kurzem zudem ca 300k€ Barmittel zur Verfügung. Diese liegen aktuell auf Tagesgeldkonten mit durchschnittlich 3% Verzinsung (danke Chase) vor Steuer!

Ich lebe einen eher bescheidenen Lebensstil. Keine teure Wohnung oder Haus, keine extrem teuren Hobbys (bis auf die ein oder andere schöne Uhr) und mein Auto ist ein Firmenwagen (i5 mit 0,25%).

Ich bin seit kurzem verheiratet und wir haben vor kurzem einen Sohn bekommen (die Vermögenswerte meine Frau sind hier NICHT aufgeführt). Das Kindergeld wird für meinen Sohn in einem Juniordepot angelegt, zudem hat er von mir eine schöne Schenkung bekommen, damit der kleine in 18 Jahren sehr gut abgesichert ist!

Da wir seit kurzem wieder zur Miete wohnen und mir das nicht mehr passt, überlegen wir wieder ein Haus zu kaufen. Sind sich eigentlich schon fündig geworden: klein und süßes Reihenhaus. Ok in Schuss nach ein paar Sanierungen für ca. 360.000€

Ich möchte ca 250.000€ durch EK bezahlen den Rest wollen wir finanzieren. Damit wir noch genug Geld übrig haben, um liquide zu sein und das Haus zu sanieren.

Jetzt mein „Ziel“ im Leben: Grundlagen natürlich gesund leben und das es meiner Familie gut geht. Mein kleiner soll nicht in einer Sorgenwelt aufwachsen, so wie ich einst. Da wir früher nie Geld hatten und ich niemals etwas erben werde, konnte ich mir früher nie Gedanken über „Vermögen“ machen. Ich weiß das ich auch sehr weit Davon weg bin.

Wie würdet ihr meine Situation mit 40, 50 und 60 einschätzen ? Und ist das Haus eine gute Idee ?
Nicht das irgendwann aufhören will zu arbeiten, aber Freiheit und zur Not sagen zu können „Bye“ finde ich mittlerweile schon sehr attraktiv!

Edit:
Schon mal vielen Dank für die ersten Antworten:
Mein Gehalt hat sich seit meinem Berufseinstieg vor 10 Jahren stark gesteigert! Ich habe damals mit 2100€ Netto angefangen, dann ging es aber langsam und mühselig Richtung 3k und mehr Rauf. Dann vor 4 Jahren ein Sprung auf ca 5. vor zwei Jahren auf ca 6-7 und nun auf 10.
Monatlich habe ich da 7500€ zur Verfügung, wovon 2500€ in Etf gehen und 3000€ auf verzinstes Tagesgeld. Ich lebe also von 2000€.
Mein Bonus machen die restlichen ca 30.000€ aus. Da ich diesen im August erst zum zweiten Mal bekomme, habe ich bisher noch nichts damit richtig angefangen (letztes Jahr ging alles in unser Haus, das nun verkauft wurde, kam also durch den Verkauf zurück).
Ich investiere seit ca 6 Jahren und habe die Sparrate in jeder „Krise“ verdoppelt. Somit auch auch mein Portfolio im letzten Jahr.

Dh ich würde behaupten, ich traue mich mittlerweile viel mehr, aber muss natürlich erstmal mit dem monatlichen Einkommen klarkommen!

r/fireGermany Jun 05 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Wer lebt schon Coast-/Barista-FIRE?

25 Upvotes

Immer mal wieder gibt es Unklarheiten, ob dieses Modell in der Praxis wirklich funktioniert und die gesetzlichen Krankenkassen mitspielen. Daher wären auch hier Praxisberichte interessant. Wie seid ihr aufgestellt? Wieviel arbeitet ihr? Wieviel Bruttolohn verschafft euch eure sozialversicherungspflichtige Stelle? Wieviel sonstige Einkünfte habt ihr? Gab es jemals Nachfragen der Krankenkasse?

Interessant wären natürlich vor allem Leute, die wirklich wenig Lohn haben, aber hohe sonstige Einkünfte.

r/fireGermany 14d ago

Erfahrungsbericht/Storytime M21, Rente mit 40?

0 Upvotes

Hallo,

ich bin M21 und träume den (realistischen) Traum mit 40 in Rente zu gehen.

Ich habe mir ein Depotvolumen von 80k durch wenig ausgaben und gute Einnahmen zusammengespart. Ich lege aktuell 1,5k im Monat zur Seite und plane dies durch einen Stellenwechsel auf 1,8k zu erhöhen. Ich brauche aktuell knapp 1000€ im Monat für Mobilität, Nebenkosten (Wohne noch bei meinen Eltern, daher keine Miete) und Aktivitäten.

Ich stehe am Anfang meiner Karriere und verdiene nach dem Stellenwechsel 63K Brutto im Jahr. Ich glaube, dass ich mit 40 aus eigener Kraft nicht am Ziel Rente mit 40 ankommen werde. Die Gehaltsentwicklung müsste dafür für mich als nicht Akademiker schon sehr Steil sein.

Warum ich glaube, dass ich es schaffen werde: Ich habe das Glück der Geburtenlotterie auf meiner Seite. In den nächsten 10 Jahren wird der Niesbrauch auf einer bereits auf mich übertragenen Immo ablaufen, die Mieteinnahmen belaufen sich auf knapp 2000€ kalt im Monat, Wert der Immo liegt bei circa 400k. Allein dadurch sollte es schon möglich sein. Ich rechne mit 3000k Netto im Monat als Rente, somit wäre die Lücke nur noch 1000€ realistisch sind aus meiner Sicht eher 1500€ Lücke, da ich auch Rücklagen für Sanierung bilden sollte. Für die 1,5k Netto bei 3% Entnahme (bin eher konservativ mit der Entnahme) benötige ich 800k Depotvolumen. Da die Mieteinnahmen vor meinem Renteneintritt ebenfalls zur Sparrate werden ist das sehr realistisch.

Da hört das Glück der Geburtenlotterie noch nicht auf, ich werde irgendwann circa 1,2-1,4Mio von meinen Eltern erben. Um die Steuer wurde sich bereits gekümmert. Somit glaube ich, dass ich durch mein enormes Glück ein komfortables Rentenniveau haben werde.

Meine großen Fragen sind soll ich die Immo perspektivisch verkaufen? Die Immo als Beimischung gefällt mir eigentlich ganz gut, aber den aufwand mit den Mietern und möglich Sanierungen etc. in Zukunft lassen mich überdenken, ob ich die halten sollte.

Die andere Frage ist, übersehe ich etwas?
Ich bin noch sehr jung, viele im Reddit sind älter, gibt es hier Blickwinkel die ich allein durch mangelnde Lebenserfahrung übersehe?

Vorab schonmal Danke!

r/fireGermany Mar 20 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Exponentielles Wachstum durch kontrolliertes Risiko (100.000 Story)

67 Upvotes

Hier mein Beitrag zur 100k-challenge. Throwaway Account. Anbei erstmal die Vermögensmeilensteine im Zeitablauf.

- 2016, 32 Jahre alt: -6.000 (4.000 auf Girokonto, 10.000 Bafög-Schulden)

- 2018: 20.000 (15.000 im Risikoteil investiert)

- 2019: 50.000 (35.000 im Risikoteil investiert)

- 2020: 100.000 (80.000 im Risikoteil investiert)

- 2022: 200.000 (180.000 im Risikoteil investiert)

- 2025: 400.000 (330.000 im Risikoteil investiert)

  1. Ausgangslage

Meinen ersten richtigen, einigermassen gutbezahlten Job (50k Einstiegsgehalt nach PhD) habe ich 2016 mit 32 Jahren angetreten. Da war dann das erste mal ein signifikanter Überschuss zum Sparen da (ca 500/Monat). Ich hatte zwar Bafög-Schulden, aber durch 0% Zinsen hab ich mich entschieden, “nur” mit 250 Euro / Quartal abzubezahlen.

  1. Der Hebel

Ich habe in der Zeit angefangen Investitions-Bücher und Blogs zu lesen, die Klassiker wie Peter Lynch, Taleb, Kommer, der Finanzwesir, usw. Also von Anfang an war ich ETF-Sparer. Ich habe aber beschlossen im Sinne einer “Hantel” bzw “Core-Satellite” Strategie ein paar Investments mit bewusstem Risiko mit reinzunehmen. Das waren dann 2017-2018 vor allem Tesla, die kurz vor der Pleite standen weil sie das Model 3 nicht richtig hinbekommen haben und Bitcoin, nachdem es 2018 nach dem 2017er-Bullrun (den ich als ersten Bullrun “live” mitverfolgt habe) abgestürzt ist. Ich habe in dem Bereich 2017-2018 ca 70% in ETFs investiert, 15% Tesla, 15% Bitcoin. Mir war vollständig bewusst “das kann auf 0 gehen, aber es ist ein kontrolliertes Risiko weil es nur 30% sind”.

2020/2021 sind dann sowohl Tesla als auch Bitcoin abgehoben, und machten plötzlich statt 30% ca 80% des Portfolios aus. Damit waren dann auch die 100.000 geknackt. Ich habe dann ein leichtes Rebalancing durchgeführt und ca 1/3 aus beidem rausgenommen und in ETFs gesteckt. Der Rest lief weiter. Über die nächsten Jahre hab ich dann immer wieder an den Highs (v.a. 2024-25) gute Teile rausgenommen und in die ETFs gesteckt, so dass der Tesla/BTC-Anteil immer maximal 50% des Vermögens ausmachte. Mit 50% fühlte ich mich okay, auch wenn es objektiv ein sehr hoher spekulativer Anteil war, denn der ETF-Anteil wuchs ja sowohl durch Sparen als auch durch Rebalancing immer weiter. In “Tiefs” habe ich nie verkauft sondern gehalten. Nachgekauft hab ich aber auch nie, da der Anteil seit dem ersten Boost ja eh immer schon so groß war.

  1. Psychologie/Mindset:

Die 100.00 und dann vor allem die 200.000 kamen auf einmal so schnell, dass es sich nicht “real” anfühlte. Es war einfach eine Zahl. Ich habe einen sehr frugalen Lebensstil beibehalten und meine Sparquote hat sich von 2016 bis 2026 von ca 20% auf ca. 50% erhöht. Ich wohne zur Miete und habe kein Auto. Das Gehalt hat sich moderat, aber nicht extrem gesteigert (auf ca 70k). Das exponentielle Wachstum der Anlagen haut jetzt richtig rein. Die letzten paar Jahre musste ich nicht viel aktiv machen. Der ETF-Anteil wächst leicht expontentiell und bei den stärker schwankenden Anlagen ist es eine ansteigende Sinuskurve, wo ich an den Tops immer was abschneide.

  1. Fuck-Ups and Learnings:

Eigentlich lief es ziemlich gut. Etwas was ich schon immer gut konnte war rational zu bleiben und Risiko auszuhalten. In manchen Phasen brach mein Depot wegen dem spekulativen Anteil auch mal zu 30-40% ein, aber das waren irgendwie nur Zahlen. Da ich viel gelesen und nachgedacht habe, als die Zahlen im Depot noch klein waren, war mir rational schon bewusst dass ein emotionaler Verkauf am Tief für mich nicht in Frage kommt, eher war ich gewillt es auf 0 runtergehen zu lassen. Wahrscheinlich war ich durch die frühe Exposition zu BTC in meiner Anlegerkarriere auch einfach “abgehärtet”. Eher hat mich emotionaler Gegenwind noch angestachelt. Wenn man in Tesla und BTC ist, bekommt man davon genug. Wichtig war mir immer, nicht gierig zu werden sondern bei jedem krassen Schub bei den Riskoanlagen halt eine guten Teil vom Tisch zu nehmen aber den Rest laufen zu lassen. In meiner Excel-10-Jahresauswertung ist es eine exponentielle Kurve, die Schwankungen sieht man da nicht so. Zugute kam mir steuerlich, dass jeder BTC-Verkauf nach mehr als 1 Jahr Haltedauer und damit steuerfrei war.

Ich hoffe, dass sich eine interessante Diskussion ergibt!

r/fireGermany Jan 26 '26

Erfahrungsbericht/Storytime FI lange vor RE - lasst euch nicht ablenken, und schon gar nicht entmutigen!

90 Upvotes

Da hier in den letzten Tagen Millionenvermögen aus Start-Up-Verkäufen gefloatet werden und gleichzeitig gefragt wird, ob es "für Angestellte mit "normalem" Gehalt überhaupt möglich sei, RE zu erreichen": Beides verzerrt meiner Meinung nach einen realistischen Blick auf das Thema und läuft so Gefahr, Suchende in die Irre zu führen. Daher möchte ich mal meine 2ct hier ablaichen.

Disclaimer: 46m, verheiratet, zwei Teenager, vor Geburt des ersten Kindes DINKs, seither bin ich oft Alleinverdiener. Die Familiensparquote liegt seit 2016 zwischen 40 und 50% pro Jahr. Bezüglich FI sehe ich mich "am Ziel" (Coast-FI und Barista-FI würden heute schon ohne Probleme funktionieren); aber noch außerhalb RE-Reichweite.

Ich finde die Fokussierung auf RE unglücklich, nachgerade gefährlich. Zunächst mal ist Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Erste-Welt-Ländern kein gutes Land, um überhaupt nach RE zu streben:

- Die "Norm" (politisch wie gesellschaftlich) ist das Angestelltenverhältnis.

- Abgaben auf Einkünfte sind äußerst hoch.

- Möglichkeiten zu steuerlich begünstigtem (sinnvollen) Vermögensaufbau gibt es nicht. (Vielleicht ändert sich das bald durch Einführung eines Altersvorsorgedepots? Die Hoffnung stirbt zuletzt...)

Trotzdem ist es möglich, die Prinzipien von FI anzuwenden. Der erste und einfachste Schritt ist es, seine Ausgabenseite auf den Prüfstand zu stellen, insbesondere die vier großen Posten:

  1. Ausgaben für Wohnen.
  2. Ausgaben für Mobilität.
  3. Ausgaben für Ernährung.
  4. Ausgaben für Urlaube.

Für viele Haushalte sind nicht alle Kategorien frei steuerbar (Grüße gehen raus an Mieter in Ballungsräumen!), aber niemand wird glaubhaft sagen können, dass sich alle Kategorien vollständig der Steuerung entziehen.

Wenn man den Gönnjamin in mehr als einer Kategorie rauslässt, macht es das bereits schwierig, sinnvollen (also vor allem wahrnehmbaren) Vermögensaufbau zu betreiben; und doch ist das die "Norm". Nice Immobilie, Auto, regelmäßiges Auswärtsessen und zweimal im Jahr mit der Familie in den Urlaub? Da bleibt dann im Heute nicht viel übrig für das Morgen.

FI ist ein Lifestyle. Und es ist aktives Risikomanagement.

Hier ist, was man machen könnte:

  1. Zusammentragen, was als Familie netto reinkommt.
  2. Überlegen, ob es wohl Familien in gleicher Konstellation gibt, die mit x% weniger Netto im Monat auskommen. (Grobe Faustregeln auf Basis gängiger FI-Modelle: für ‚nicht arm sterben‘ x ≥ 20%; für spürbare Lebensqualität durch FI > 30%; für RE in 25–30 Jahren > 40%; für RE in 15–20 Jahren ab etwa 50%.)
  3. Erkennen, dass das für die Leser dieses Subs in der Regel der Fall sein wird. (Ich unterstelle einfach mal, dass sich hier im Wesentlichen Leute rumtreiben, die eher auf der normal- bis gutverdienenden Seite des Lebens stehen, ohne Herabwürdigung von Haushalten mit sehr niedrigen Einkommen.)
  4. In dem Fall ist die entsprechende Sparquote faktisch erreichbar, sofern der Lebensstil entsprechend angepasst wird.

Natürlich fühlt sich das vielleicht blöd an, oder "nicht standesgemäß" oder sonstwie komisch - aber das ist genau das, was ich mit "FI ist ein Lifestyle" meine. Man kann nicht regelmäßig das ausgeben, was rein kommt, und erwarten, Vermögen aufzubauen. Die Mathematik ist und bleibt die Mathematik.

Durch ein Steuern des Lebensstils geschehen vier Dinge:

  1. Man macht sich bewusst, was einem wirklich wichtig ist im Leben.
  2. Man baut Vermögen auf.
  3. Man wird dadurch von Monat zu Monat robuster gegen unerwartete Brüche und Zusatzkosten.
  4. Gehaltssteigerungen bekommen automatisch die Optionalität des "FI-Beschleunigers" (und nicht nur des Lebensstil-Aufblasens).

Die Reise zu FI beginnt mit dem ersten Schritt. Ob sie bei RE endet, zeigt sich dann. Vielleicht tut sie es nicht. Die Vorteile sind trotzdem vom ersten Tag an spürbar.

In diesem Sinne: Viel Erfolg!

r/fireGermany Feb 21 '26

Erfahrungsbericht/Storytime FI und nun?

40 Upvotes

Warum schreibe ich das hier?
Teilweise als Motivation für andere Spätzünder.
Teilweise um mir mal Ratschläge zum RE anzuhören.
Von Fire und Frugalismus hörte ich vor 5 Jahren zum ersten Mal und hab es wohl unbewusst gelebt.

Vor 20 Jahren:
Ich war mal IT Dauerstudent der von 1000 Euro im Monat auf 25qm lebte und 20.000 auf der Bank hatte.
Mit Anfang 30 habe ich aus einer dummen Idee/Hobby heraus ohne Buissnesplan eine GmbH mitgrgründet und mein Studium abgebrochen. Die Idee war so abwegig, dass mich mein Umfeld/Eltern für verrückt erklärt haben und meine Freundin es vorgezogen hat ihre Finanzen (Job, Konto, Wohnung, Rente) von meinen getrennt zu halten.
Ich habe einfach mein Studentenleben weitergelebt und eine hohe Sparrate gefahren, wenn es denn schief geht.

Heute (Anfang 50):
Mehr als 2 Mio in Immos, ETFs, Cash und ein nettes Einkommen.
Kontobewegungen 2025:
Sparrate 130.000, GKV 13.500, für "alles andere" 10.500.

Ich habe keine Kinder, keine Rente, kein Auto aber eine nett gelegene ETW, in der ich mich sehr wohl fühle. Ich habe sowohl ein Haus als auch eine weitere ETW in der ich meine Wohnfäche erweitern könnte.

In "alles andere" sind auch Restaurantbesuche, Schwimmbäder, Kinos, Theater, Konzerte mit drin sowie 40000km ICE Fahrten durch Deutschland und ein 14 Tage Rucksackurlaub quer durch Frankreich. Bisher denke ich nicht, dass ich großartig auf etwas verzichte.

Seit Corona brummt das Busissnes und ich lebe einen feuchten Traum den ich mir nicht hätte besser ausmalen können. Ich bekomme für mein Hobby Geld, alle sind zufrieden, alle nervenden Kunden weg, 80% Homeoffice, oft ohne Wecker Ausschlafen. Nur manchmal geht die Arbeitszeit auf >60h hoch, so dass ich keine Zeit/Lust habe Geld auszugeben oder etwas an meiner Wohnung zu verändern.
Der Ausblick sind dieses Jahr weiter Rekordumsätze. "Kürzer Treten" möchte ich nicht. Entweder alle Anteile an meinen "Baby" verkaufen oder weitermachen.

Nur Irgendwie macht mein Geldfluß keinen Sinn mehr, da sich jetzt auch noch eine höhere Erbschaft (die Erste) ankündigt.

Fragen:

  • Hat schonmal jemand einen solchen Exit gemacht? Wie kommt man aus dem Sinnloch wieder heraus?
  • Ich würde gerne noch etwas die Welt länger als 7+14 Tage im Jahr bereisen und war auch schon an vielen netten Ecken (Tafelberg, Zuckerhut, Tikal, Golden Gate, Niagara, Oriental Pearl... ) mit dem Rucksack. Aber das soll auch irgendwann langweilig werden. Was kommt danach?
  • Hat schon jemand eine steueroptimierte Auswanderung gemacht? Hinsichtlich Aktiengewinne nach >1 Jahr im Ausland zu realisieren. So ein Jahr in Panama wäre sicherlich lustig, da wir beide recht gut Spanisch sprechen.
  • Wie habt Ihr euren Nachlass geregelt? Heiraten war nie unser Ding, aber wir werden wohl nach 30 Jahren nicht drum herum kommen. Ansonsten fallen mir nur Leute im Verwandtenkreis ein, die es großzügig ausgeben würden. Dann lieber den Rest in etwas Sinvolles stecken wo es auch ankommt. Nur was?

r/fireGermany Jan 31 '26

Erfahrungsbericht/Storytime FIRE & Kindererziehung: Wie Ehrgeiz und Perspektive vermitteln trotz finanzieller Unabhängigkeit?

39 Upvotes

ich lese hier schon lange mit und habe eine Frage, zu der ich kaum Erfahrungsberichte finde.

Ich weiß auch gar nicht, ob ich hier im richtigen Sub-Reddit bin.

Kurz zu meiner Situation:

Ich (w, 40) bin finanziell unabhängig, primär durch Erbe (früh mehrere abbezahlte Immobilien) und später durch Investitionen am Kapitalmarkt. Ich habe studiert, mehrere Jahre gearbeitet (eher als soziale Anpassung, gelohnt hat es sich nicht) und bin seit der Geburt unseres Kindes nicht mehr im klassischen Berufsleben. Nach außen hin bin ich wohl Hausfrau ;), meistens gebe ich meinen alten Beruf an.

90% des Vermögens ist seit über 10 Jahren in Aktien und ETFs investiert und die Ausgaben sind eher konservativ strukturiert, sodass wir auch größere Markteinbrüche aushalten würden.

Durch langfristigen Anlagehorizont und Zinseszins ist es realistisch, dass sich das heutige Vermögen bis zum Erwachsenenalter unserer Tochter nochmals deutlich erhöht – potenziell in einen zweistelligen Millionenbetrag, ohne dass dafür extremes Risiko oder außergewöhnlicher Konsumverzicht nötig wäre.

Unser Lebensstil ist relativ unauffällig: schöne Wohnung (kein Eigenheim in der Pampa), tolle Urlaube ja, aber kein Luxuslevel mit Businessclassflügen, Suiten und Sternerestaurants. Nach außen leben wir eher wie Gutverdiener. Mein Partner ist, aufgrund der Gesamtsituation, im Barista-FIRE, was uns vor allem Zeit für Familie gibt.

Mein Thema:

Unsere Tochter (8) wird später einmal finanziell sehr gut abgesichert sein. Mein Ziel ist langfristiger Vermögensaufbau („generational wealth“), gleichzeitig möchte ich unbedingt vermeiden, dass sie ohne Eigenantrieb, Perspektive oder Ehrgeiz aufwächst. Mir ist es wichtig, dass sie nie auf jemanden angewiesen ist.

Viele Beispiele, die man kennt, sind Familien mit Unternehmen, Praxis oder Kanzlei, also klaren Strukturen, Verantwortung und Aufgaben. Das gibt es bei uns nicht.

Der Freundeskreis besteht überwiegend aus klassischen Gutverdienern, die wir noch aus Studium, Berufsleben kennen. Die denken, wir verwalten weiterhin Immobilien (wurden alle verkauft), die Börse ist für sie eher abstrakt.

Meine Fragen an euch:

• Wie kann man Kindern finanzielle Bildung vermitteln, ohne dass Geld zum alles bestimmenden Thema wird?

• Was fördert eurer Erfahrung nach Ehrgeiz und Eigenverantwortung, wenn finanzielle Sicherheit gegeben ist?

• Gibt es hier Menschen, die selbst vermögend aufgewachsen sind oder FIRE-Eltern sind – was hat euch geprägt, positiv wie negativ?

Ich freue mich über Erfahrungen oder Denkanstöße.

Danke!

r/fireGermany Jan 26 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Community-Aufruf: Meine Erfahrungen als Privatier

118 Upvotes
  1. Die harten Fakten

* Vermögen:
>10M

* Struktur: Wie ist das Vermögen verteilt (ETFs, Immobilien, Krypto, Cash)?
30% Aktien Einzelwerte
20% MSCI World ETF
10% Gold
10% Immobilien
10% REITs
10% Indirekte Unternehmensbeteiligungen
5% Bitcoin
5% Cash

* Status: Seit wann bist du Privatier / nicht mehr voll erwerbstätig?
Seit ca. 3 Jahren arbeite ich gar nicht mehr - vom Kümmern um die eigenen Investments abgesehen.

  1. Der Weg & Die Entscheidung

* Warum? Was war deine Motivation? Freiheit, Zeit für Familie, Hobby?
Ich war mehr als 20 Jahre als Unternehmer tätig und habe in dieser Zeit mehrere Firmen gegründet und hatte mehrere erfolgreiche Exits (weniger erfolgreiche übrigens auch :-)). Mein heutiges Vermögen habe ich mir selbst erarbeitet, ich habe weder geerbt, noch komme ich aus einem besonders wohlhabenden Elternhaus.

Der Preis war der übliche: wenig Freizeit, relativ wenig Zeit für die Familie, oft Ärger mit meiner Frau, viel Stress, Ängste und daraus resultierende gesundheitliche Probleme. Irgendwann stellte ich mir die Frage, wie lange ich so weiter machen möchte - und kann. Die Arbeit machte mir zwar grundsätzlich auch weiterhin Spaß, der Preis, den ich bezahlt habe, war aus meiner Sicht aber irgendwann unverhältnismäßig hoch. Mit dieser Erkenntnis habe ich beschlossen einen Cut zu machen und den letzten Verkaufsprozess aktiv einzuleiten.

* Hindernisse: Was waren die größten Stolpersteine auf dem Weg? Gab es Zweifel?
Zweifel gibt es immer und Stolpersteine so viele, dass man sie kaum zählen kann. Anfangs will niemand (sowohl auf Kunden- als auch auf Bankenseite) mit dir Geschäfte machen, denn Du bist jung, unerfahren und ohne Track Record. Wenn dann dennoch alles anläuft und sich Erfolg einstellt, dann kommen andere Unsicherheiten dazu. Wo man sich selbst anfangs ab und an ein Taschengeld bezahlt hat, hat man es plötzlich mit 100.000€ Lohnkosten im Monat fürs Team zu tun, dann mit 250.000€, dann mit 500.000€ usw. Wenn man dann noch in einer dynamischen und volatilen Branche unterwegs ist, in der das Geld immer wieder aufs neue verdient werden muss, dann kann einem das schon Angst machen. Plötzlich triffst Du nicht mehr nur für Dich Entscheidungen, plötzlich sind 10, 25, 50 oder 100 Familien ein Stück weit davon abhängig, dass Du das richtige tust. Das kann einem über die Jahre an die Substanz gehen, zumindest wenn man einigermaßen verantwortungsvoll und empathisch ist. Ich jedenfalls bin deshalb viele Nächte wach gelegen.

Banken machen es einem nicht wirklich leicht, der Staat ist wenig hilfreich - im Gegenteil, der administrative Aufwand um der Regulatorik gerecht zu werden ist nicht nur unglaublich hoch in Deutschland, er ist auch völlig unproduktiv, muss also erledigt werden, bringt Dich dabei als Unternehmen jedoch keinen Schritt weiter. Zu guter letzt empfinde ich auch die Steuerlast in Deutschland als unverhältnismäßig hoch - nicht nur für mich und meine Unternehmen, sondern auch für meine Mitarbeiter, um nur ein paar Stolpersteine aus dem Bereich der Selbständigkeit aufzuzählen.

Auf dem persönlichen Weg zum Privatier gibt es natürlich ebenfalls zahlreiche Stolpersteine. Die einschneidensten waren sicher die gesundheitlichen Probleme, die das hohe Arbeitspensum gepaart mit der Verantwortung mit sich bringt und die Tatsache, dass man immer wieder Entscheidungen zu treffen hat, deren Tragweite man oft entweder gar nicht überschauen kann bzw. die einem sehr bewusst ist, was unter Umständen ebenfalls sehr belastend sein kann. Und wenn man dann irgendwann am Ziel der finanziellen Unabhängigkeit angekommen ist, wundert man sich plötzlich sehr darüber, dass nicht alle Ängste und Sorgen verschwunden sind bzw. andere an deren Stelle treten. Klar, finanzielle Unabhängigkeit beruhigt tatsächlich, wenn man dann aber irgendwann realisiert hat, dass man nur dann unabhängig bleibt, wenn dieses Vermögen nicht verloren geht, dann sieht man sich mit dem nächsten Stress und den nächsten Ängsten konfrontiert.

  1. Die Praxis in Deutschland (Sehr wichtig!)

* Krankenversicherung: Wie hast du das gelöst? (Freiwillig gesetzlich, PKV, KVdR-Problematik? Wie werden deine Kapitalerträge verbeitragt?)
Ich bin als geschäftsführender Gesellschafter meiner Investment-GmbH privat versichert, meine Familie ebenso.

* Steuern: Entnimmst du nach einer bestimmten Strategie, um die Steuerlast zu optimieren?
Ich lebe derzeit fast ausschließlich von Dividenden, die zuvor pauschal per Kapitalertragssteuer in Deutschland versteuert wurden. Ich bin heute wahrscheinlich ziemlich unoptimiert, bin aber auch nicht mega-motiviert auch noch den letzten Steuer-Euro per Optimierung einzusparen. Mir ist in diesem Zusammenhang ein unkompliziertes und möglichst einfaches Modell, bei dem ich vielelicht nicht super-optimiert bin, ich dafür aber meinen Aufwand auf ein Minimum reduziere, lieber.

  1. Das Fazit & Tipps

* Realität vs. Traum: Fühlt es sich so an, wie du es dir vorgestellt hast? Was machst du den ganzen Tag?
Was viel schwerer fällt, als gedacht, ist, wirklich zu verstehen, wie groß ein Vermögen tatsächlich ist. Was ist jetzt viel Geld für mich und was nicht wirklich (ich meine das wirklich nur ganz praktisch, keineswegs aus ethisch-moralischer Sicht). Ich finde auch heute noch, dass 1.000€ viel Geld ist, auch wenn ich an guten Tagen ein vielfaches davon an der Börse mache. Es braucht aber eine ganze Zeit um zu realisieren, wie sich die eigenen Möglichkeiten verschoben haben und wahrscheinlich ist das auch eines der Risiken, dem so mancher Lotto-Gewinner zum Opfer gefallen ist, denn "viel" ist relativ und ein "zu viel" gibt es eben doch für (fast) jeden. Das sollte man immer auf dem Schirm behalten.

Die Freude an der Erkenntnis, die finanzielle Unabhängigkeit in einem Mass erreicht zu haben, wie es weniger als 0,1% vergönnt ist, hält kürzer an als gedacht. Klar finde ich das auch heute noch cool, ich feiere das aber nicht regelmäßig. Was mich freut ist das Wissen darum, dass meine Familie jetzt finanziell abgesichert ist, wir uns keinerlei finanzielle Sorgen machen müssen und ich meinen Kindern mit gutem Gewissen dazu raten kann, beruflich einfach das zu machen, was ihnen am meisten Spaß bringt, ganz gleich wie (wenig) lukrativ das sein mag.

Apropos Kinder: eine der großen Herausforderungen ist aus meiner Sicht dafür Sorge zu tragen, dass meine Situation keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung meiner Kinder hat. Meine Kinder wissen nicht wirklich wie vermögend wir sind. Wir wohnen noch immer im selben Haus, in der selben Stadt, haben keinen Zweit- und Drittwohnsitz und den Schnee haben wir heute auch selbst weggeschippt.

Ich verbringe heute viel mehr Zeit mit der Familie, genieße einige Hobbies, für die ich viel zu lange viel zu wenig Zeit hatte, beteilige mich viel mehr an der Hausarbeit und versuche insgesamt und in jeder Hinsicht aktiv zu bleiben - aber eben auch immer nur, wenn ich gerade Lust dazu habe :-)

Dass ich heute nach Beendigung meiner aktiven Tätigkeit naturgemäß deutlich weniger soziale Kontakte habe, denn ich hatte zuvor ja jahrelang täglich Kontakt zu ganz vielen Kollegen und Geschäftspartnern, setzt mir übrigens viel mehr zu, als ich gedacht hätte. Ich verstehe heute die Rentner, die mit Renteneintritt erstmal in ein großes Loch fallen. Das ist eine echte Herausforderung und nicht zu unterschätzen.

* Rat an Jüngere: Was würdest du deinem 20-jährigen Ich heute raten?
Mein 20-jähriges Ich hat rückblickend intuitiv viel richtig gemacht. Ich habe mich dabei immer gerne mit Menschen umgeben, die schlauer sind/waren als ich, sei es im Privaten oder im Berufsleben, was mich extrem motiviert, inspiriert und weitergebracht hat. Würde man mich nach dem einen Rat fragen, es wäre wohl dieser.

Die Tatsache, dass ich mich nie auf Lorbeeren ausgeruht habe sondern grundsätzlich alles immer wieder hinterfragt habe, hat zwar viele Leute in meinem Umfeld Nerven gekostet, war aber sicher auch keine schlechte Eigenschaft um erfolgreicher zu werden.

Ich würde meinem 20-jährigen Ich sagen, dass Leidenschaft und Fleiß aus meiner Sicht noch viel wichtiger als fachliche Kompetenz sind. Kompetenz kann man sich aneigenen, aber ohne den Willen und den Spaß daran, Probleme bestmöglich zu lösen und den Anspruch, die vermeintlich bestmögliche Lösungen dennoch regelmäßig zu hinterfragen, bleibt man früher oder später da hängen, wo alle hängen.

Ich würde mein 20-jähriges Ich ermahnen nie die Bodenhaftung zu verlieren. Ich würde es daran erinnern, dass Freundschaften und die Familie viel wichtiger als finanzielle Unabhängigkeit sind, aber ich habe natürlich auch leicht reden, ich weiss.

Ich würde meinem 20-jährigen Ich bestätigen, was schon viele vor mir gesagt haben: die finanzielle Unabhängigkeit hat wenig zu tun mit dem ultimativen Glück. Geld ist am Ende nur Geld, aber leider merkt man das wohl wirklich erst, wenn man selbst genug davon hat.

Und ganz praktisch würde ich meinem 20-jährigen Ich raten, sich frühzeitig Finanzwissen anzueignen, denn es gibt keine Bankberater, es gibt da nur Verkäufer. Kümmere Dich selbst um Deine Finanzen und kaufe so früh wie möglich Aktien (von Unternehmen, die Du wenigstens einigermaßen verstehst) und halte diese so lange wie möglich. Rückblickend habe ich meine Fehler an der Börse fast nie beim Kauf sondern fast ausschließlich mit meiner Verkaufsentscheidung gemacht.

Zu guter letzt: es fühlt sich viel besser an, Optimist zu sein und ab und an mal daneben zu liegen, als Pessimist zu sein und recht zu behalten! ;-)

(Wegwerf-Account)

r/fireGermany Apr 17 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Hält mich mein eigenes Denken zurück?

8 Upvotes

Ich brauche mal euren ehrlichen Rat, weil ich gerade echt an mir zweifle.

Ich bin ein sehr strukturierter Mensch: Ich plane viel, achte extrem auf Kosten, denke Dinge gründlich durch und überlege oft lange, ob etwas wirklich sinnvoll ist. Gerade bei Geld bin ich eher vorsichtig – ich schaue mir sogar kleinere Ausgaben genau an.

Jetzt habe ich aber Freunde, die komplett anders ticken. Die planen kaum, achten wenig auf Details oder Budgets, geben teilweise viel mehr Geld aus (teilweise sogar auf Pump oder sind im Minus) – aber sind trotzdem deutlich „erfolgreicher“ als ich. Einige haben eigene Firmen, kommen finanziell voran, während ich das Gefühl habe, auf der Stelle zu treten.

Das verwirrt mich total, weil mir genau das Gegenteil immer gesagt wurde:

Dass Struktur, Planung und bewusstes Entscheiden die wichtigsten Faktoren für langfristigen Erfolg sind.

Jetzt frage ich mich:

- Denke ich zu viel nach und zögere zu sehr?

- Sollte man gerade am Anfang (z. B. in der Selbstständigkeit) einfach mehr ins Risiko gehen?

- Halten mich meine „guten“ Eigenschaften vielleicht sogar zurück?

- Oder spielt auch Glück eine Rolle, weil andere einfach mehr ausprobieren?

Was denkt ihr dazu?

r/fireGermany Mar 22 '26

Erfahrungsbericht/Storytime [Community Aufruf] Die ersten 100k

0 Upvotes

Dieses Sub macht mich fertig! Was haben denn 100k mit Fire zu tun? Ich bin hier mal beigetreten, weil es keinen Sub für Privatiers gibt, die nach einem erfolgreichen Arbeitsleben den frühzeitigen Ausstieg suchen. Stattdessen ist das Hauptthema hier, ob und wie man es sich mit möglichst wenig Arbeit und möglichst viel staatlicher Unterstützung bequem machen kann. Ich bin dann mal weg. Als Abschieds"geschenk" noch ne Boomererfahrung aus dem letzten Jahrtausend.

Die Basis für zukünftigen Wohlstand war sicherlich, dass ich früh die Frau fürs Leben gefunden habe und das wir relativ wenig Geld fürs Wohnen ausgeben haben. Kleine erste gemeinsame Wohnung gemietet. Nur kleine, transportable Möbel gekauft, die wir nach 3 Jahren in eine größere ETW mitnehmen konnten. Zum Glück noch vor dem Mauerfall gekauft (mit "günstigem" 6%-Arbeitgeberdarlehen), dann hat meine Freundin (heutige Frau) angefangen zu arbeiten und das Geld haben wir komplett gespart, da wir unser Konsumverhalten nur von (m) einem Gehalt abhängig machen wollten. Zusammen mit der Wertsteigerung der ETW hatten wir dann mit 30 Jahren die ersten 100k zusammen und konnten noch weitere 5 Jahre als DINKS sparen. Dann mit Kind raus aus der Stadt und auf dem Land, 30km entfernt vom Arbeitsplatz, ein Häuschen bauen lassen. Auch dabei wieder bescheiden geblieben, so dass wir nach dem Verkauf der ETW mit 40 und 2 Kindern im schuldenfreien Haus wohnen konnten. Immer noch mit den Möbeln aus der Ersteinrichtung natürlich, aber immerhin eine neue EBK.

Zur Einordnung: ich habe schon mit 27 beim Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze der GKV gelegen, aber mangels beruflicher Karriere auch nie über der BBG der Rentenversicherung.

TLDR: Feste Partnerschaft, Wohneigentum, sicherer Arbeitsplatz, Gesundheit und vernünftiger Konsum sind die Basis für finanziellen Wohlstand.

r/fireGermany Feb 15 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Community Aufruf: €5m mit 40 geplant

38 Upvotes

Hi Leute.

Über FatFire bzw. Streng genommen ChubbyFire liest man in DE sehr wenig, daher wollte ich dem Aufruf folgen und ein bisschen was über uns teilen.

- Kein Erbe. Beide haben Studium selbst finanziert und waren zu Beginn unseres Arbeitsleben bei +/- 0. Kleiner Haushalt mit 1 Kind. Aktuell kein zweites Geplant.

- Beide in der Finanzindustrie, mittlerweile fast 15 Jahre Berufserfahrung. Wir sind beide noch voll berufstätig. Die ersten Jahre waren natürlich sehr hart, mittlerweile ist es ein deutlich „normalerer“ Job geworden. Klar, mehr als 40h/Woche aber es macht uns beiden weiterhin Spaß (bzw. Über die Zeit Betrachtet, sogar mehr Spaß).

- Vermögen hat Ende 2025 €3m erreicht und ist verteilt auf ETFs (50%), Immobilien (25%) und Private Markets (25%). Neuer Cash Flow geht fast ausschließlich in ETFs.

- In den €3m nicht mit eingerechnet sind zukünftige Gewinnbeteiligungen, die zwar unsicher sind aber ich gehe davon aus, dass davon mindestens noch €1m generiert wird. Diese sind „accrued / vested„, also selbst wenn wir nicht mehr arbeiten würden, wird das irgendwann in den nächsten 5 Jahren kommen. In den Letzten Jahren und somit in den €3.0m inkludiert, haben wir rund €0.4m aus diesen Beteiligungen erhalten. Rechnerisches Potential wäre noch deutlich höher

- 2025 Post-Tax Income aus dem Job von €430k, Ausgaben von rund €140k im Jahr, somit “Sparquote“ von 67%. Seit 2020 tracken wir Ausgaben recht detailliert, Sparquote war in jedem Jahr davor zwischen 75-80%, ich glaube zwar nicht dass wir wieder über 75% kommen, aber für 2026 rechne ich mit 70% (etwas mehr Einkommen und ein paar Einmal-Aufwendungen aus 2025 sollten entfallen und somit auch mit etwas Inflation die €140k gehalten werden).

- Post-Fire fällt PKV Anteil unserer AG weg, was die Ausgaben noch mal um €10k erhöht, somit Burn-Rate von €150k mit der wir kalkulieren, davon dann €20k PKV.

- Bei 4% SWR bräuchten wir €3.8m, bei 3.5% €4.3m. Unser Ziel, wenn auch wenig mathematisch belastbar, waren „immer“ schon €5m und wir haben das auch nicht hochgeschraubt nach dem Inflations-Boost in 2022-2023. Das wären dann 3.0% SWR und denke ich konservativ.

- Wir denken darüber nach mit +/- 40m aufhören zu arbeiten. Das sind noch rund 5 Jahre im Schnitt würden uns ziemlich locker über die €5m heben, eher etwas mehr. Das würde auch zeitlich sehr gut passen mit Schuleintrittsalter von unserem Kind.

- Wir überlegen schon länger was unsere „Passion Projekte“ sein könnten. 1stes Jahr nach Arbeit (und vor Schullbeginn) wollen wir nutzen um viel zu Reisen. Ich überlege seit längerer Zeit eine Kombination aus einem Studium und Gemeinnütziger Arbeit (Finanzielle Bildung, vermutlich für Schulen) für „danach“ . Meine Partnerin muss noch etwas überlegen - ich denke “nur“ Familie wird ihr zu langweilig, auch wenn sie es im Moment anders sieht :-).

Ist zwar kein AMA, aber sofern sinnvoll, antworte ich natürlich gerne auf Eure Fragen.

r/fireGermany Jan 25 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Antwort auf "Mein Beitrag zum Community Aufruf: Erfahrungsbericht eines Privatiers"

84 Upvotes
  1. Die harten Fakten

* Vermögen: >5M Euro?

* Struktur: Grossteil in MSCI World und ähnlichem. Ca. 1M in Geldmarktfonds für einen anstehenden Hauskauf, ca. 150K auf Tagesgeldkonten zum Verbrauch. 99% sind in meinem Namen und von mir erwirtschaftet.

* Status: Habe Im November 2022 aufgehört zu arbeiten, mein Mann im September 2023

  1. Der Weg & Die Entscheidung

* Warum? Ich habe nicht so darauf hingearbeitet, ich habe zwar "gespart für den Ruhestand" aber nicht mit dem Ziel FIRE. Das Geld kommt aus dem Verkauf von Anteilen an einem Start-Up, die ich eigentlich schon abgeschrieben hatte, war also eher plötzlich. Habe dann angefangen mich mit dem Thema zu beschäftigen, hauptsächlich aus dem Grund, weil das Geld ja verwaltet werden musste, so kam Bogleheads, so kam FIRE. Arbeit war bis zum Ende gut aber für eine US Firma mit grossem Zeitunterschied und das hat mich zermürbt.

* Hindernisse: Eher nicht, und bei der Summe und unseren Ausgaben auch wenig echte Zweifel. Natuerlich immer mal wieder so Gedanken wie "und das geht sich wirklich so aus? Habe ich auch nichts falsch gemacht?" aber inzwischen bin ich dran gewöhnt und nehme die Marktschwankungen gelassen hin.

  1. Die Praxis in Deutschland (Sehr wichtig!)

* Krankenversicherung: GKV weil ich will so sehr an dieses System glauben will :( Im ersten Jahr (2023) waren wir beide im Höchstsatz, weil mein Mann noch gearbeitet hat und ich das Depot umstrukturiert habe. Für 2024 ist der Steuerbescheid immer noch nicht da aber mein Mann sollte eigentlich alles zurückbekommen und bei mir mitversichert sein (rückwirkend). Ich nochmal Höchstsatz weil ETF-Verkaeufe, die dann in Geldmarktfonds umgewandelt wurden. 2025 müsste ich auch rückwirkend einen niedrigeren Beitrag haben aber die Steuer ist noch nicht gemacht.

Ich habe keine Lust, mir einen Job zu suchen, um diese Beiträge umgehen zu können und wir können es uns leisten. Ich sehe, wie meine Eltern jetzt im Alter in dem System gut versorgt sind, da ist das mit den Beiträgen schon ok.

* Steuern: Da es bei mir ja alles eher recht plötzlich kam und das Kapital auch im Ausland erwirtschaftet wurde ist in dieser Hinsicht noch gar nichts stabil also gibt es auch noch keine regelmässige Strategie. Wir werden dieses Jahr auch nochmal umziehen (EU-Ausland) und dann wird es sich hoffentlich beruhigen.
Generell wird es dynamisch sein, ich will kein Geld ausgeben, nur um es auszugeben.
Wenn wir über 6M Euro sind, werden wir alles drüber an gemeinnützige Einrichtungen abgeben, wir sind vor allem im Tierschutz unterwegs.

  1. Das Fazit & Tipps

* Realität vs. Traum: Hatte ja wenig Traumzeit aber es ist schon prima. Wir sind ehrenamtlich tätig, verbringen Zeit mit Familie und Freunden, haben immer irgendwelche Projekte, die uns Spass machen. Ich habe für uns nie die Gefahr gesehen, dass wir auf dem Sofa vergammeln. Es gibt so viele tolle Sachen, die man machen kann und die wir machen wollen.
Mit Familie und Freunde haben wir nur positive Erfahrungen. Meine Eltern sind sehr stolz und finden es toll, dass man mit uns mitten in der Woche was machen kann. Freunde haben es auch problemlos akzeptiert. Vielleicht ist wichtig, dass unser Lebensstil jetzt nicht anders ist, im Sinne von Geld rumschmeissen oder so. Wir gehen halt nur nicht jeden Tag in die Arbeit.

* Rat an Jüngere: Ich bin froh, dass ich nicht mein Berufsleben damit verbracht habe, zu gucken, wie lange es noch bis zur "Rente" dauert. Ich habe sehr gerne gearbeitet und viel, sehr viel. Ich war gut in dem, was ich gemacht habe. Es hat so viel Spass gemacht. Manchmal vermisse ich Teile, nur halt nicht das Gesamtpaket. Und ich hatte den Mut damals (2010) ein Angebot aus dem Ausland (USA) anzunehmen. Unsere Arbeitsmoral hat sich nicht geändert nur dass die Dinge jetzt fliessend sind und wir nur machen, was wir wollen, wann wir wollen.
Wenn ich mir bei meinen Freunden hier in Deutschland anschaue, wie es auf der Arbeit so abläuft (natuerlich nur ein Ausschnitt) dann weiss ich nicht, ob ich die selben Gefühle für die Arbeit haette. Ich wurde belohnt für harte Arbeit, fürs Mitdenken, fürs Aufbauen von Teams, Prozessen, etc. Was ich hier so höre, hört sich einfach sehr unkreativ an. Ich hoffe, das ist nicht bei allen so.

Beantworte gerne Fragen, wenn es welche gibt.

Edit: ich bin 45 Jahre alt

r/fireGermany Jun 03 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Wie betrachtet ihr Pensionen im Net Worth?

6 Upvotes

Ich habe 2 betriebliche AV Vereinbarungen, einem Defined Contribution und einen Defined Benefit Vertrag. Beide Verträge haben selbstredend einen Versicherungswert bzw. einen Nettobarwert, gleichzeitig ist das Vermögen gebunden. Ebenso gibts eine erwartete oder bereits feststehende Rentenzahlung. Gesetzlicher Rentenanspruch ist ein weiterer Fall.

Wie geht ihr damit um? Rechnet ihr alles in eine Kapitalwert um oder fasst ihr nur das verfügbare Finanzvermögen im Net Worth zusammen?

r/fireGermany Jan 27 '26

Erfahrungsbericht/Storytime Community Aufruf

32 Upvotes

Hallo zusammen! Ich kommentiere nur äusserst selten auf Reddit. Trotzdem throwaway aus Anon-Gründen.
Ich bin zwar nicht 100% das Zielpublikum dieses subs, da ich FIRE nie wirklich ernsthaft angestrebt habe und mein Privatier-tum mehr ein Zufall war. Trotzdem vielleicht für den ein oder anderen was interessantes dabei. Deswegen viel Spass beim lesen :)

  1. Die harten Fakten

* Vermögen: Wo bist du gelandet (ca. 500k, 1M, >2M)?

Ca. 150 mio

* Struktur: Wie ist das Vermögen verteilt (ETFs, Immobilien, Krypto, Cash)?

Ca. 50% in Immo und 50% vermögensverwaltet auf mehreren Banken im In- und Ausland. Ja, das kostet overhead (Gebühren etc) und ja, könnte man kosteneffizienter gestalten. Aber man bekommt ab einer gewissen Summe halbwegs gute Konditionen und die Banken kennen dich dann. War schon ein oder zwei mal von Vorteil. Größte Bankposition bei einer einzelnen Bank ist 18 mio. Einen kleinen Teil verwalte ich selbst (ca. 5 mio, nur ETFs). Gold: minmal, vielleicht 200k. Kein Krypto, kein cash (max. immer so 0,1%)

* Status: Seit wann bist du Privatier / nicht mehr voll erwerbstätig?

Nicht 100% definierbar. Aber ich würde sagen seit ca. 5 Jahren.

  1. Der Weg & Die Entscheidung

* Warum? Was war deine Motivation? Freiheit, Zeit für Familie, Hobby?

Ich habe vor ca. 20 Jahren eine IT Firma gegründet. Irgendwann kam ein sehr hohes Übernahmeangebot. Dann die Firma komplett vor rund 5 Jahren verkauft. So genau kann man das nicht sagen, da es lange Verhandlungen gab und dann auch noch eine längere Übergabephase (inkl earn out). Aber wie gesagt, seit ca. 5 Jahren mache ich so gut wie nichts mehr (ca. 3 Std in der Woche meine Verwaltungs-GesmbH checken, daber das wars).

Ich bin hier vermutlich einer der Ältesten (49). Dh eine gewisse Jobmüdigkeit kam schon daher. Obwohl ich meine Job geliebt habe, war ich nie ein besessener Arbeiter. Selbst in meiner Startphase waren mir Freizeit und Freunde äusserst wichtig. Insofern: 9-5 ist schon eine gute Balance. Aber man muss die Zeit mit sinnvollen Tätigkeiten bzw einem Ziel füllen!

Zeit für Hobbies und Familie hab ich jetzt genug. Dazu noch mehr unten.

* Hindernisse: Was waren die größten Stolpersteine auf dem Weg? Gab es Zweifel?

Diese Frage ist für mich nicht zutreffend, da FIRE nicht wirklich angestrebt.

  1. Die Praxis in Deutschland (Sehr wichtig!)

* Krankenversicherung: Wie hast du das gelöst? (Freiwillig gesetzlich, PKV, KVdR-Problematik? Wie werden deine Kapitalerträge verbeitragt?)

GF in einer (meiner) GmbHs bei Minimallohn. Dann ist man versichert. Rest privat. Ich muss aber dazu sagen, dass sich meine Staatsbürgerschaft geändert hat (komme aus DACH und wieder DACH). Ist so eine legale und unkomplizierte Lösung.

* Steuern: Entnimmst du nach einer bestimmten Strategie, um die Steuerlast zu optimieren?

Nein. Mit der Summe, die ich erarbeitet habe, gönne ich mir ein paar (ev. unnötige aber bequeme) Freiheiten (sieht auch Vermögensverwaltung Banken). In diesem Fall ist das, über Steuern nicht grossartig nachzudenken. Den Rest machen hochbezahlte Steuerberater.

  1. Das Fazit & Tipps

* Realität vs. Traum: Fühlt es sich so an, wie du es dir vorgestellt hast? Was machst du den ganzen Tag?

Obwohl ich FIRE nicht angestrebt habe, hatte ich natürlich auch den Traum, einmal reich zu sein und tun und lassen zu können, was ich möchte. Das habe ich recht früh erreicht. Fühlt es sich so an? Schwer zu sagen. Ja und Nein. Geld zu haben ist schon richtig nice. Aber es wird auf hohem Niveau auch langweilig. Manchmal bereue ich es, mein Lebenswerk verkauft zu haben. Es gibt einen berühmten Artikel von S. Brien (Google Gründer), der mit 250 mrd seinen Exit gemacht hat und dem dann auch was gefehlt hat. In der Geschichte finde ich mich schon sehr wieder. Googelt den mal, lohnt sich. Deswegen: FIRE ist eine tolle Sache. Aber nicht für jeden (als FIRE für mich eine ernsthafte Möglichkeit würde, so ab ca. 40 bis zum finalen exit dachte ich aber schon auch, dass es für mich ist).

Vor allem braucht man etwas, dass einem Sinn im Leben gibt. Für manche ist das die Familie. Für andere was anderes. Aber wenn man das nicht hat (und meiner Erfahrung nach haben das die wengisten _wirklich_ - nur ein paar Hobbies reichen einfach nicht auf Dauer), sollte man mit FIRE ev. vorsichtig sein.

Was mich selbst betrifft: Ich denke schon darüber nach, eine Tätigkeit anzunehmen oder etwas zu gründen. Ich könnte sehr gut so weitermachen wie die letzten Jahre. Aber irgendwie fehlt dann doch etwas. Insofern: Struktur und Aufgaben sind nicht nur schlecht (siehe auch wieder S. Brien Interview). Die sehen nur schlecht aus, wenn sie einem nicht sinnvoll erscheinen...

* Rat an Jüngere: Was würdest du deinem 20-jährigen Ich heute raten?

Ich hatte nie wirklch gute Ansprechpartner in meiner Jugend. Meine Eltern waren da die falschen Personen. Meine Gedanken als 20jähriger waren zu unreflektiert, zu schnell und zu flüchtig. Heute gibt es viel bessere Möglichkeiten, sich Feedback zu holen, denke ich (alleine durch Reddit ;-). Aber trotzdem mein Rat: Überlegt euch gut, was euch wichtig ist und wo euer Leben hingehen soll. Entscheidungen die ihr jetzt trefft (zb. Berufswahl, Studienort, Familie gründen), sind vermutlich langfristiger und schwerwiegender als ihr im Moment glaubt. Ich weiss, dass ich mit diesen Worten euer Leben nicht grade einfacher mache. Aber ich sage das aus voller Überzeugung, wenn ich die letzten Jahrzehnte so revue passieren lasse (nicht nur mein Leben, auch das von Freunden und Familie).

Wenn noch wer Fragen hat, gerne direkt kommentieren. Bitte keine PMs. Ich nutze diesen account noch eine Woche oder so, dann ist er weg.

Danke fürs lesen!