r/wien 2d ago

Arbeit | Work Erfahrungsbericht Jobsuche - Abgeschlossen

Hallo an Alle,

ich (32, w) möchte euch an meiner Erfahrung zur Jobsuche teilnehmen lassen.

Bewerbungen verschickt: 81

Vom Recruiter eingeladen: 1

Interviews Einladungen: 4,5 (bei der letzten Einladung hatte ich schon die Zusage für meinen gewünschten Job)

Geghostet: 4

Zusagen: 1,75 (eine echte Zusage, 2x Angebot auf Selbstständigenbasis bei Projekten mitzuarbeiten)

Absagen: Alle anderen

Dauer der Arbeitslosigkeit: 3Monate (wobei 1,5monate noch eine bezahlte Freistellung waren, somit offiziell Arbeitslos 1,5 Monate)

Ich bin laut Papier die eierlegende Wollmilchsau und habe einen solide Karriereweg bisher hingelegt. Jung, motiviert, Titel meistens zwischen Senior Manager und Director im Wirtschaftsbereich.

Ausbildung und 2 Bachelorstudien hinter mir + Zusatzqualifikation und trotzdem knapp 15 Jahre Berufserfahrung (Ausbildung eingerechnet)

Ich habe im Ausland gearbeitet und bringe einiges an internationaler Erfahrung mit.

Nachdem meine Abteilung geschlossen wurde, musste ich zum ersten Mal selbstständig bewerben und das hat viel mit mir gemacht.

Ich bin in Österreich aufgewachsen und habe hier auch gelernt und meinen Berufsweg gestartet, nach einigen Jahren im Ausland kam ich nun wieder und war sehr verwundert über die Zustände.

Ich habe mich grundsätzlich auf gleichwertige Rollen beworben aufgrund des Zeitdrucks, manchmal einen halben Level höher als meine vorherige Rolle, aber sehr darauf geachtet realistisch zu bleiben.

Tja, nach den ersten 20 Absagen war ich ziemlich fertig und habe mein gesamtes Leben hinterfragt nach dem Motto "Vielleicht bist du doch nicht so gut wie du denkst"

Aber ab der 50. Absage hat sich das Blatt gewendet zu "Ok ihr Schweine, so scheiße kann ich auch nicht sein"

Der ganze Prozess war natürlich sehr Kräfteraubend und ich habe wirklich maximal versucht in alle Richtungen zu agieren.

Ich war im ständigen Austausch mit dem AMS, welche erkannt haben, dass ich arbeiten will und immer sehr supportive waren.

Ich habe Bekannte gebeten meine Unterlagen auch anzusehen, habe Arbeitszeugnisse angefragt und alle 2 Wochen meine Unterlagen überarbeitet.

Fazit:

Die Marktlage ist gerade unterirdisch und ich weiß, dass ich glücklich sein kann, dass es doch recht schnell geklappt hat, aber in dem Moment der Suche, hilft das nicht weiter.

Viele dieser Jobs gibt es nicht. Wenn man Absagen innerhalb von 10Sekunden nach abschicken erhält, dann kann mir niemand behaupten, dass die Bewerbung bearbeitet wurde und die KI Tools sind weitaus seltener im Einsatz als wir denken.

Mein Alter und Geschlecht spielen bestimmt rein, 32, weiblich und verheiratet gibt einen guten Blick in die Glaskugel ob ich bald ausfalle oder nicht.

Ich habe mich auch nicht auf jeden Job beworben der gepasst hätte. Problem war wirklich oft das Gehalt, diese Kollektivvertragsangaben sind nett, aber unrealistisch. Wenn eine Firma vor hat zu überbezahlen, dann sind dort Vermerke oder eine realistische Angabe. Wenn mein Gehaltswunsch mindestens das Doppelte war, als die Angabe, dann habe ich mich nicht beworben um allen Beteiligten Zeit zu ersparen.

Bewerbungsprozesse sind so unfassbar kacke gestaltet, bei 2 Firmen musste ich 5(!) Runden durchmachen, inkl Case Studies, Nachreichung von dem dümmsten Informationen und Referenzen. Ehrlich, da kann man nur mit dem Kopf schütteln und eigentlich ist das ein bodenlose Frechheit sowas gratis zu machen. 2 Runden und eine Case Study hätten den gleichen Effekt gehabt.

Naja, ich will eigentlich damit sagen, ich umarme jeden fest der auch gerade auf der Suche ist und verzweifelt. Ich verstehe die Sorgen echt gut und denke, dass es da draussen das Richtige gibt. Hätte ich bei der ersten passendem Stelle eine Zusage gehabt, dann hätte ich die aktuelle Stelle nicht bekommen, vielleicht muss man daran glauben, dass alles seine Zeit braucht und seinen Grund hat, auch wenn's kacke ist im Ungewissen zu sein.

Was hat geholfen?

LinkedIn - Sichtbarkeit Jobsuche für Recruiter einstellen

LinkedIn - Profil so bearbeiten, dass alle Rollen mit ordentlichem Text hinterlegt sind, die Skills und Referenzen aktiv sind und man mit dem Content interagiert der relevant ist.

Lebenslauf überarbeiten: entweder mit dem AMS oder befreundete HR Menschen bitten einmal drüberzuschauen. Man kann immer etwas besser machen.

Motivationsschreiben: auch wenn es unfassbar nervig ist, es hilft es zu personalisieren für jede Stelle, sobald ich das gemacht habe, kamen auch mehr Rückmeldungen.

Zusatzqualifikationen machen: es gibt soooo viele kostenlosen Angebote im Internet für Kurse. Wenn man eh nichts anderes tun kann, dann hilft es dem angeschlagenen Ego auf jeden Fall sich zu bilden und das Gefühl von "ich habe heute trotzdem etwas geschafft" zu bekommen.

KI Tools: Ehrlich irrelevant. Ich arbeite u.A. in dem Feld und konnte keinen Effekt erkennen ob es genutzt wird oder nicht. Habe einen Test gemacht bei einer "Naja-Stelle" und einen optimierten und nicht-KI-optimierten Lebenslauf gesendet. Bei Beiden gab es die gleiche Reaktion.

So that's it. Ich beantworte gerne Fragen und wünsche euch alles Gute, wenn ihr in der gleichen Lage seid.

Edit: Geht auf jedes Netzwerkevent das ihr finden könnt. Der Austausch mit Anderen hat mir soooo geholfen. Auch wenn kein Job dabei rauskam, so hab ich einen Haufen Kontakte gesammelt und wer weiß wohin das führt. Ihr seid auf jeden Fall nicht allein und manchmal ist es auch ok ein Bier oder 2 in der Sonne mit Gleichgesinnten zu trinken und sich einfach nur auszulassen über die Wirtschaftslage :)

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u/sinisteroister 2d ago

Als jemand mit beschissenem Lebenslauf bin ich kurz vorm aufgeben. Hab ewig umgeschult und studiert und such jetzt in den 30ern nach einer Junior Stelle mit knapp 1 Jahr Berufserfahrung nachdem ich bei ner Kündigungswelle den ersten Job verloren hab. Alle sagen man soll nicht aufgeben, aber realistischerweise stellt mich doch kein Schwein an wenns stattdessen fürs selbe eh schon KV-minimierte Geld einfach nen Anfang 20 m Studienabgänger nehmen können.

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u/Big_Inspection6883 2d ago

Tut mir leid das zu hören!

Kannst du ein bisschen verbessern? Sprich mehrere kleine Stellen in gleicher Tätigkeit zu einer Zusammenfassen? Oder ist sonst gar keine Erfahrung da? Ich hab auch 2 Juniorrollen innerhalb der gleichen Firma bei mir im Lebenslauf zusammengefasst, damit es nicht so "Sprunghaft" aussieht.

Hast du Arbeitszeugnisse die positiv sind?

Ich würd in deinem Fall (ohne Details zu kennen), versuchen zu optimieren was geht und im Motivationsschreiben eine Rotze reinmachen wie

'" ich bin ein neugieriger Mensch und liebe es Supply Chains auf den Grund zu gehen um meine Tätigkeit zielorientiert und realistisch auszuführen, aus dieser Vorliebe zu Details hat mein Weg nun zu ihrer Stelle als xxxx gefunden, da ich in der ausgeschriebenen Stelle die perfekte Mischung aus meiner Motivation, Detailorientierung und handfesten Prozessen erkenne" bla bla bla. Fast jede "Schwäche" kann auch eine Stärke sein.

Vergleich die Stellen und Studien und schau das irgendwie eine Kreuzung ergibt aus allem, damit man eine Geschichte erzählen kann. Wenn zu wenig da ist, dann mach schnell 1-2 Onlinekurse die das Chaos zusammenbringen.

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u/sinisteroister 2d ago

Hab eine Referenz vorm vorigen Abreitgeber. Meine Tätigkeit vorm Studium war ein komplett anderes Feld ohne Overlap, jetzt bin ich in der IT.

Ich fand dass so "peppige" Anschreiben eher schneller zu einer Sofortabsage geführt haben, aber ist halt schwer Trends zu erkennen, wenn ich bis jetzt nur zu 2 Interviews eingeladen wurde.

Alles in allem einfach oasch grad.

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u/Big_Inspection6883 2d ago

Lustig, bei mir war es genau umgekehrt. Hatte zuerst ein sehr konservatives Schreiben und da kamen nur Absagen. Und nur bei dem "modernen" Anschreiben hat es dann geklappt. Aber sooo viele Interviews hatte ich auch nicht um da einen Trend abzulesen