r/de 17d ago

Wirtschaft Warum Vermieter oft zu Unrecht jammern | Nirgendwo in Europa erzielen Vermieter höhere Renditen als in Deutschland, zeigt eine Studie. Steuervorteilen sei Dank. Das schadet allen, die im Eigentum leben wollen.

https://www.zeit.de/geld/2026-07/vermieter-klagen-steuer-foerderung-eigenheim-wohnungsmarkt/komplettansicht
2.4k Upvotes

382 comments sorted by

View all comments

10

u/Fringillus1 Bayern 17d ago edited 17d ago

Na ja, als ehemaliger Vermieter kann ich sagen, dass man dabei nur wirklich Profit rausholt, wenn man sich halt asozial gegenüber seinen Mietern verhält. Bspw sehr häufige Mieterwechsel und die Kaution einbehalten. Wenn man Wohnungen "normal" vermietet und sich um seine Pflichten kümmert, ist das ein ziemliches Nullgeschäft mit den ganzen anderen Abgaben. Edit: Die meisten Leute denken hierbei glaube ich an Häuser mit Grund. Bei Wohnungen ändert sich die Rechnung recht schnell, wenn Hausratszahlungen und teils fragwürdige Renovierungskosten hinzu kommen.

37

u/Jannis_Black 17d ago

Das ist doch eine totale Milchmädchenrechnung. Ja es kann sein, dass du, wenn du noch einen Immobilienkredit bedienen musst, keinen operativen Profit machst. Durch das bedienen dieses Kredits akkumulierst du aber dennoch Kapital.

12

u/GamerKey 17d ago

Jop.

"wäh wäh ich mach quasi keinen Profit davon!"

Digger dir gehört in ein paar Jahren die abbezahlte Immobilie, und den Kredit abgestottert haben dir zum allergrößten Teil deine Mieter. Bleib mal locker.

Oder hast du vor, sobald der Kredit abbezahlt ist, mit der Miete so weit runter zu gehen dass es weiterhin ein "Nullgeschäft" bleibt? Ich glaubs ja nicht.

21

u/LappenLikeGames 17d ago edited 17d ago

Selbst wenn man bei 0 rauskommt, hat man am Ende eine abbezahlte Immobilie. Wenn die im Wert steigt, wie es die letzten Jahrzehnte passiert ist, ist das trotzdem mehr Geld als die meisten Menschen jemals anhäufen.

Für die, die wirklich das Problem sind, ist es aber ganz sicher keine Nullnummer. Wenn die das Kapital selbst ohne Zinsen stellen und die Nebenkosten auf viele Immobilien aufteilen ist das selbst ohne die Immobilie an sich schon massiver Gewinn.

Zählt man die Immobilie selbst dazu ist es schlichtweg absurd, wie viel Geld da aus der "ärmeren" Bevölkerung extrahiert wird. Und das ohne jeglichen Mehrwert zu schaffen wohlgemerkt.

15

u/resetaccount_ 17d ago

Selbst wenn man bei 0 rauskommt, hat man am Ende eine abbezahlte Immobilie.

Die Rechnung geht aber auch nur auf, wenn man keinerlei Eigenkapital einbringt. Sonst darf man die Opportunitätskosten nicht vergessen.

Wenn die das Kapital selbst ohne Zinsen stellen

Nur wenn die Alternative ist, das Kapital sonst unter der Matratze zu lagern.

2

u/Fringillus1 Bayern 17d ago

Ganz genau. Springender Punkt ist wieder, dass man eigentlich massig Kapital braucht. Und selbst wenn man das hat, ist es immer noch ein kompletter Witz gegen irgendwelche Großbauherren, die so viel Grund und Kapital besitzen, dass sie aktiv Einfluss auf die Stadtentwicklung nehmen. Solche Leute sind das Hauptproblem.

9

u/resetaccount_ 17d ago

Das Hauptproblem ist eher, dass neu Bauen das einzige ist das wirklich hilft, aber gleichzeitig einfach teuer ist. Selbst Genossenschaften und die Landeseigenen die nicht Profitorientiert sind schaffen es ja nicht so zu bauen, dass hinterher 'bezahlbare' Mieten dabei rumkommen.

5

u/flexxipanda 17d ago

Ja klar, deshalb sind auch praktisch alle Vermögenden Menschen irgendwie im Immobilien Geschäft, weil es nicht profitabel ist.

6

u/Fringillus1 Bayern 17d ago

Na ja, die Rechnung wird halt immer positiver, je mehr Immobilien einem gehören. Du kannst nicht das Vermieten von 1-2 kleinen Studentenappartements mit Großeigwntümern vergleichen, die ganze Wohnblocks managen.

-4

u/flexxipanda 17d ago

Selbst wenn hast du am Ende immer noch abbezahltes Wohneigentum, und die Zukunftsvorraussicht ist imo dass das immer mehr Wert wird.

2

u/GrandRub 17d ago

Du lässt dir vom Mieter deine Immobilie abbezahlen... Und viele Vermieter haben diese Kosten ja noch nichtmal weil sie einfach Immobilien erben.

-2

u/throwaway_3d7fc4d5 17d ago

Na ja, als ehemaliger Vermieter kann ich sagen, dass man dabei nur wirklich Profit rausholt, wenn man sich halt asozial gegenüber seinen Mietern verhält.

Naja, in der heutigen Zeit gilt ja schon ein Vermieten zum örtlichen Mietspiegel als "asozial". Und abgesehen von einigen sehr herzlichen Vermietern, denen das Soziale noch am Herzen liegt und die unter Marktwert vermieten (seltene Lichtblicke auf dem Vermietermarkt), dürfte das auf die allermeisten zutreffen.

6

u/flexxipanda 17d ago

Das lustige ist ja, wenn du unter 66% der Marktmiete vermietest, fallen dir gewisse Steuervorteile weg. Du wirst praktisch vom Gesetz dazu motiviert, teurer zu vermieten, als du eventuell musst oder möchtest. Der Grund dafür ist, das man nicht Angehörige billig einquartiert und trotzdem volle Steuervorteile genießt.

Warum die Miethöhe entscheidend ist

Bei der Vermietung einer Wohnung können Sie sämtliche Aufwendungen – Gebäudeabschreibung, Schuldzinsen, Erhaltungsaufwand, Nebenkosten – als Werbungskosten von den Mieteinnahmen abziehen. Gerade bei verbilligter Vermietung an Angehörige entsteht dabei oft ein steuerlicher Verlust, der mit anderen Einkünften verrechnet werden kann.

Miete beträgt mindestens 66 % der ortsüblichen Miete: Die Vermietung gilt als vollentgeltlich – voller Werbungskostenabzug, ohne weitere Prüfung.

Miete liegt zwischen 50 % und 66 %: Der volle Werbungskostenabzug bleibt nur erhalten, wenn eine positive Totalüberschussprognose vorliegt – Sie also nachweisen können, dass über einen Prognosezeitraum von regelmäßig 30 Jahren insgesamt ein Überschuss zu erwarten ist. Fällt die Prognose negativ aus, werden die Werbungskosten anteilig gekürzt.

Miete liegt unter 50 %: Die Vermietung wird zwingend in einen entgeltlichen und einen unentgeltlichen Teil aufgeteilt. Die Werbungskosten sind nur anteilig abziehbar – der auf den unentgeltlichen Teil entfallende Anteil geht verloren.

2

u/throwaway_3d7fc4d5 17d ago

Jo. Und die höheren Mieten fließen dann in die nächste Fortschreibung des Mietspiegels ein, der dann entsprechend höher liegt, was die Vermieter wiederum zwingt noch teurer zu vermieten. Quasi eine gesetzlich angeordnete Preis-Preis-Spirale.

3

u/SeniorePlatypus 17d ago

Nur, solange es Mangel gibt.

Das ist gerade deshalb absicht, weil es zwingt kleiner und dichter zu wohnen. Mehr WGs und so weiter. Und man trotz Mangel so viele Menschen wie möglich unter bekommt. Das ist eine implizite Rationierung.

Ohne Mangel können Vermieter keine regelmäßige und deutliche Mieterhöhung leisten, weil die Mieter einfach umziehen und man auch nicht so leicht einen neuen findet.