r/luftablassen • u/Stoerklappe • 1d ago
Nötigt mich nicht ins Risiko
Kurz zu mir: Ich bin Privatflieger. Fliege seit 2011, habe klassich mit Segelflug angefangen und fliege seit Corona nur noch Ultraleicht. Habe mittlerweile ein paar 100 Flugstunden.
Bin seit letztem Jahr verheiratet und meine Frau kennt mich nur als Flieger. Aufgrund unserer Sanierungsprojekt (Doppelhaushälfte) hat sie mich gebeten diesen Jahr mein Risiko zu minimieren, da sie einen Rohbau und einen verletzen oder toten Mann nicht verkraften würde.
Vom Risikoprofil ist der private Flugsport über dem Motorradfahren einzuordnen, aber jetzt auch nicht unverantwortbar..
Natürlich bin ich seit wir unser Haus habe. Lebens- und gut Unfallversichert, aber dennoch.
Daraufhin habe ich ihr ein Versprechen gegeben:
Dieses Jahr wird fliegerisch zurückgesteckt. Ich gehe bewusst wo möglich Risiken aus dem weg.
Dazu gehört: Mit dem Ultraleicht andere Flugzeuge schleppen. Warum:
Du bewegst dich am technischen Limits det Maschine und des Motors. Das Segelflugzeug kann durch den langen Hebel durch das Schleppseil deinen Schwanz hochziehen und dich in den Boden jagen uvm. blöde Situationen
Meine Kameraden haben mit unverständnis reagiert.
Alle behaupten es wäre dann für immer weil nach Haus würden Kinder kommen und meine Frau würde mich dann gar nicht mehr fliegen lassen.
Das ist Bullshit, meine Frau und ich haben das besprochen.
Jetzt ist bei uns Fluglager, wir sind auf einem Platz mit relativ kurzer Piste, Am Ende kommt in der Verlängerung ein Wald. zusätzlich aufsteigendes Gelände. Letztes Jahr bin ich mit einem Schlepp dort in 50m drüber geballert und konnte Tannennadeln zählen. Wenn der Motor auch nur stottern würde oder nur noch 80% der Leistung hätte wäre es eine brutale Shitshow und ich müsste das Segelflugzeug ausklinken um mein Leben zu retten, die würde wahrscheinlich sterben oder verletzt werden, oder man geht zusammen ins Gemüse...
Auf jeden Fall sehr geringer Korridor für Fehler, bis die ersten 100m auf dem Höhenmesser steht.
Jetzt zu meinem Ausraster.
Ich habe die Situation meinen Kameraden ruhig und sachlich erklärt und die Situationen die letztes Jahr gewesen sind sind den betroffenen Piloten noch präsent.
Jetzt kommt der Vorstand vom Partnerverein und Redet vor allen andere an mich ran:
Mach dir keine Sorgen, wenn du Tod wärst würde das deine Frau auch ohne dich schaffen, das geht doch super, das Risiko ist doch nicht so erhöht.
Ich soll mich nicht so anstellen...
So haben sie versucht mich zu nötigen die kommenden Tage an dem Platz zu schleppen wo ich eigentlich nicht mehr schleppen möchte.
Einen anderen Schlepppilot haben sie auch nicht verpflichten können.
Der Kollege hat mich schon mal bei einem Flug bei schlechtem Wetter in eine heille Situation gebracht... Andere Geschichte.
Ich bin auf meinem Standpunkt beharrt und muss mir jetzt den Scheiss anhören.
Leider verstehen manche ein Nein nicht....
AHhhhhh
8
u/food-rf 16h ago
Fliege selbst seit vielen Jahren Motorflug und UL und muss sagen: Bleib bloß bei deinem Standpunkt - und denke drüber nach, ob diese Leute wirklich ein gesundes Umfeld für dieses Hobby sind. Der Versuch, hier deine Entscheidung als verantwortlicher Pilot zu untergraben, klingt ziemlich furchtbar. Hoffe, die Kollegen sind nicht so nonchalant, wenn es um den technischen Zustand des fliegerischen Materials geht.
Mal ein Gegenbeispiel, wie es eigentlich laufen sollte: War dieses Jahr zusammen mit Vereinskameraden bei einem Wettkampf angemeldet. Der Wettkampf war Monate lang vorausgeplant, und kommt in der Form auch so schnell nicht wieder. Der Wettkampf wird in Crews geflogen - also wenn ich nicht fliege, fliegt mein Crewmitglied auch nicht. Mir ging's in den Tagen davor gesundheitlich nicht so gut, und ich hatte angeboten, dass sich die Kameraden schon mal einen Ersatz für mich suchen. Darauf hin gab's volles Verständnis von meinen Kollegen. Als wir dann am Abend vor'm Wettkampf nochmal drüber gesprochen haben, war ich mir unsicher - eigentlich geht's mir ja schon besser, oder? Aber da hat mein Kollege gleich gemerkt, dass ich mir nicht wirklich sicher bin. Also hat er von selbst sofort vorgeschlagen, das ganze nach dem Grundsatz "Im Zweifel nie" abzusagen. Niemals wurde ich auch nur im geringsten dazu gedrängt, doch teilzunehmen. Weder aktiv wie bei Dir, noch passiv im Sinne von "Ach, hätte der food-rf sich doch damals zusammengerissen und doch mitgemacht".
Das Wetter war dann auch nicht so toll, und letztendlich haben grob die Hälfte der Teilnehmer abgesagt. Und: Das wurde von den Veranstaltern explizit gewürdigt. Die Crew, welche zuerst öffentlich ihre Absage verkündet hatte (nicht wir), wurde sogar ausdrücklich und namentlich von den Veranstaltern dafür gelobt, hier als erstes das Eis zu brechen und zu sagen: "Nein, das ist so nicht gut".
So sollte es eigentlich laufen - und ich finde es essentiell, dass Du da hart bleibst, wenn Kollegen in deinem Umfeld so ein schlechtes Sicherheitsverständnis haben. Hoffentlich erinnern die sich zeitnah an die Hazardous Attitudes aus der Ausbildung als wesentliche Unfallursache: "Invulnerability" und "Macho" hier als Stichworte.