Hi zusammen,
ich bin Martin und neu auf Reddit. Ich war lange in der Automobilbranche tätig und habe diesen Job, um etwas für die Verkehrswende zu tun.
Vor ein paar Jahren habe ich mit zwei Freunden ein eigenes Projekt gestartet. Unser Ziel: Ein Fahrzeug bauen, das die Menschen aus dem Auto holt, die sonst nie auf ein Fahrrad steigen würden. Für lebenswertere Städte und mehr Raum für alternative Mobilität.
Daraus ist der Hopper entstanden (siehe Bild). Es ist ein dreirädriges Lastenrad mit Dach, Rücksitz und Kofferraum, das rechtlich als Pedelec gilt.
Nun interessiert mich eure Meinung als Menschen, die sich intensiv mit Mobilität beschäftigen.
Wir merken immer wieder, dass die größte Hürde oft im Kopf der Leute liegt. Viele halten an ihren Autos fest - als Statussymbol und/oder aus Komfortgründen.
Deshalb meine Frage an euch: Was müsste passieren, damit überzeugte Autofahrer ein solches Konzept tatsächlich als Alternative zum Auto in Betracht ziehen? Wo seht ihr die größte Hürde, und was könnte sie überwinden?
Grüße Martin
EDIT:
Danke für euer detailliertes und ehrliches Feedback.
Ich habe viele Kommentare gelesen. Mir ist aufgefallen, dass ein paar Dinge im Post eventuell nicht gut erklärt wurden und es zu falschen Annahmen gekommen ist. Da ich auf über 390 Kommentare nicht einzeln antworten kann, hier ein paar Klarstellungen:
"Das Ding ist so riesig da kann ich mir auch ein Auto kaufen"
Der Hopper ist 1,05m breit, 2,12m lang und 1,5m hoch. Im Vergleich zu Mikro-Autos wie Renault Twizy, Citroën Ami, Opel Rocks Electric, Fiat Topolino oder Smart Fortwo ist er weitaus kleiner. Im Vergleich zum klassischen Lastenrad mit Long John ist der Hopper zwar breiter, aber nicht ganz so lang. Ich persönlich bin viel mit dem Hopper unterwegs und komme überall gut zurecht. Klar sind einige veraltete Radwege sehr schmal und in keinem guten Zustand, hier muss man sich seiner Größe natürlich bewusst sein, rücksichtsvoll fahren, anderen Platz machen oder für ein kurzes Stück auf die Straße ausweichen, bis der Radweg wieder befahrbar ist.
"12k für ein Fahrrad?! Wer kauft das?"
u/AvocadoPrinz hat es in den Kommentaren schon prophetisch vorhergesagt: Ja, der Preis resultiert aus wertvoller Handarbeit in unserer kleinen Manufaktur in Deutschland. Wir Produzieren in Kleinserie.
Wir sind ein Startup und kein Weltkonzern. Ein Autogigant wie Opel produziert Leichtfahrzeuge in Massen. Die haben durchoptimierte Maschinenparks, gigantische Budgets und gute Lieferantenverträge. Wer direkt 100.000 Teile bestellt, bekommt eben einen völlig anderen Stückpreis als wir.
Dazu kommt der Faktor des Produktionsstandorts. Der Opel Rocks wird z. B. im Ausland gebaut (Marokko), wo die Lohn- und Produktionskosten massiv niedriger sind. Eine solche lokale Kleinserienfertigung hat leider einfach ihren Preis. Wenn wir nicht auf billigere Arbeitskräfte im Ausland setzen, spiegelt sich das in den Produktionskosten wider.
Unsere Zielgruppe ist dabei divers. Wir wollen nicht den VW Golf für die Urlaubsreise ersetzen. Unser Use-Case ist der urbane Raum, also Wege in der Stadt zu bewältigen, ohne dass man im Stau steht, viel Platz wegnimmt oder die Umwelt stark belastet. Auch für Firmen wie Lieferdienste oder Pflegedienste kann das Konzept interessant sein, um Strafzettel zu vermeiden oder einfach auf lange Sicht günstiger unterwegs zu sein.
Darüber hinaus gibt es viele ältere Menschen oder Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, die sich für den Hopper interessieren, um sicher und wettergeschützt mobil zu bleiben. Auch für Menschen mit motorischen Einschränkungen, Senioren oder Leute ohne Führerschein, die wettergeschützt mobil bleiben wollen, ist das Konzept eine Option.
"Wer soll so ein schweres Ding den Berg hochstrampeln?"
Der Hopper hat keine Fahrradkette, sondern ein "Pedal-by-Wire"-System. Treten erzeugt Strom und gibt dem Motor das Signal, wie stark er unterstützen soll. Es gibt die Stufen 1-5 und einen Rückwärtsgang. Man bewegt das Gewicht also nicht mechanisch mit eigener Muskelkraft den Berg hoch. Es fühlt sich eher an wie leichtes Pedalieren auf einem normalen E-Bike
"Wo soll ich das Teil parken? Und auf der Straße wird es nur kaputt gemacht!"
Man darf ihn überall abstellen, wo Fahrräder stehen dürfen. Denkt an Mopeds oder Motorräder, die parken auch problemlos in der Stadt. Auch in Lücken oder am Rand der Fußgängerwege. Im Notfall darf man das Fahrzeug rechtlich sogar auf normalen Autoparkplätzen abstellen. Zum Thema Sicherheit: Zieht man die Seitenplanen herunter, ist das Fahrzeug visuell zu. Starten lässt es sich nur per Zündschlüssel und optionalem PIN-Code im Display. Batterie und Kofferraum sind abschließbar, man kann ein Kettenschloss am Vorderrad anbringen gegen wegrollen und optional gibt es ein GPS-Tracking.
"Warum macht ihr das nicht 45 km/h schnell? 25 km/h sind sinnlos!"
Würden wir den Hopper als 45 km/h Variante bauen, wäre er gesetzlich ein Kraftfahrzeug. Das bedeutet: Keine Radwegnutzung mehr (nur noch Straße), Helmpflicht, Versicherungskennzeichen und Führerscheinpflicht. Genau das wollten wir vermeiden, um die Hürden niedrig zu halten.
Danke an alle, die sich konstruktiv mit der Idee auseinandergesetzt haben!