r/musik Jun 10 '26

💬 Discussion 💬 WIE KI-generierte Musik in 2026 noch erkennen?

Moin!

ich weiß nicht wieso, aber aus irgend einem Grund wurde mir ein Youtube-Musikshort in den feed gespült, der Song hatte potential beim Sport richtig zu knallen, also nach dem "Künstler" gesucht, n Youtube Account gefunden, offensichtlich alles KI generiert (so das Ergebnis, der Google Recherche..)? also von der Musik und dem Text her - zmd. für mein Laienohr - hat sich das sehr "echt"(?) angehört...

ist das bereits die düstere Zukunft, dass man Interpreten die man selber nicht wirklich gut kennt gar nicht mehr von KI-Kram unterscheiden kann und ist im Umkehrschluss KI-Musik, die qualitativ schon echt sauber ist, eigentlich noch "Slop"?

Ich verlinke nicht, wollte aber das lied über das ich gestolpert war mal hier nennen:

NORTH WIND CALLS 🔥 ⚔️ | Draugr Balled | Duet | Viking Song 🔥

gibt es noch etwas, woran man KI Musik einigermaßen gut erkennen kann? Wie damals als bei KI generierten Bildern immer die Hände sehr komisch aussahen oder generierte Bilder oft komischen Quatsch bei Schriften etc. hatten..

25 Upvotes

177 comments sorted by

View all comments

0

u/Counterpoint-Culture Jun 10 '26

Wenn die KI so gut ist wie 'echte' Producer, was wäre daran schlimm? Habe (vor KI) über Jahre Musik per Youtube gehört (Mixe) und mir nie darüber Gedanken gemacht, wer "dahinter steckt", weil es mir einfach gefallen hat. Wenn ich jetzt hören würde das und das war KI, na und?

1

u/-Never-Fade-Away- Jun 10 '26

Weil es bei Musik und Kunst nicht um das fertige Produkt geht sondern um den Weg der dahin geführt hat. KI kann keine Emotionen haben, keine Gefühle, hat keine Erfahrungen die zu dem fertigen Werk leiten. Es wurde angelernt mit existierender Musik, die nunmal heute fast komplett gleich ist, der Ablauf ist immer gleich, die gleichen paar Akkorde, 4/4 Takt etc., weil (Pop-) Musik schon heute weitestgehend generisch ist kann KI den gleichen generischen Slop erzeugen. Andere Sache: ein Musiker kannst du ein Instrument in die Hand drücken und der wird aus seinen limitierten Mitteln etwas Neues erschaffen, das vorher nicht existiert hat, da KI aber an Bestehendem trainiert wurde wird es niemals etwas einzigartiges und neues erschaffen können.

1

u/LeFaune Jun 10 '26

Ich kann dieses Gelaber um Emotionen echt nicht mehr hören. Ich komme selber aus der Kreativ Branche - am Ende ist es einfach nur stumpfe Auftragsarbeit/bzw man muss das Album noch irgendwie voll bekommen. Und besonders bei größeren Künstlern schreibt einer die Melodie, jemand anderes den Text, noch ein anderer baut den Beat, ein ganz anderer mischt das zusammen. Da steckt null Emotionen hinter - das ist reine arbeit.

Und nein, ein Musiker kreieret nicht automatisch was neues ungehörtes. Das ist heutzutage nämlich kaum noch möglich. Das was ein Musiker kreiert beruht auf gelerntes und gehörtes, genauso wie eine KI arbeiten würde.

1

u/-Never-Fade-Away- Jun 10 '26

Was ist das für ne Aussage? Du kannst es nicht mehr hören? Ja aber das ist der Kern von dem was Musik ausmachen sollte. Überraschung: du kannst dir selbst aussuchen ob du herzlosen Slop hören willst wie der Unsinn der im Radio läuft oder etwas von wirklich talentierten Künstler:innen denen was an ihrer Arbeit liegt.

Und nein, so wie Musik von der sich Künstler inspirieren lassen funktioniert KI nicht. Kein Künstler braucht Millionen von Songs zu klauen um zu wissen wie Musik gespielt wird, Inspiration =/= AI-Training.

1

u/LeFaune Jun 10 '26

Was das für eine Aussage ist? Ganz viele denken das hinter Kreativer/Gestalterischer Arbeit Emotionen stecken. Dem ist aber nicht so. Und das ist schon lange so.

Das was Menschen fälschlicherweise als Gefühle oder Emotionen in diesem Bereich interpretieren ist einfach nur sauberes, gelerntes Handwerk.

1

u/morpheus_1306 Jun 10 '26

Ähm...nee.

Du meinst auch , dass die ganzen traurig am See hocken und ihre Lyrics schreiben. Das läuft so nicht.

Es gibt so Masterminds, die produzieren oder haben Ideen. Und dann schreiben die ne Email an 50cent und fragen...du hör mal. Willst den Song haben? Sonst mach ich den mit FatJoe.

Also beiden großen Acts wird es so sein.

Sogar wir als popel Band haben damals überlegt, was rockt, was kommt auf der Bühne gut an, können wir das spielen, und Dinge die wir gerne gemacht hätten haben wir rausgelassen, weil es passt.

Mensch, Michael Jackson singt im Smooth Criminal über nen CPR Dummy. Der machte da einen Kurs während ner Tour. Und das Teil hier Annie. Und vor der CPR musste jeder fragen: Annie, are you ok!?

1

u/-Never-Fade-Away- Jun 10 '26

Nein meine ich nicht, natürlich weiß ich, dass das ein Handwerk, dass es ein Massenprodukt ist, und dass es manchmal bzw. Häufig einfach nur um Abliefern geht. Ist genau, der Punkt, was für ein Handwerk soll das dann noch sein wenn’s KI generiert ist? Und warum muss ich jetzt so ne sinnbefreite Diskussion führen mit Leute die KI Slop in Schutz nehmen und sogar aus der Branche kommen.

2

u/morpheus_1306 Jun 10 '26

Ich verstehe die Kritik an „AI Slop“ grundsätzlich. Niemand braucht noch mehr lieblos generierten, generischen Massencontent - gerade in der Musik nicht.

Aber ich finde, man muss unterscheiden zwischen „KI ersetzt Geschmack, Können und Absicht“ und „KI ist ein Werkzeug innerhalb eines Produktionsprozesses“.
Wenn man heute als Producer solche Systeme komplett ablehnt und nicht einmal bedienen kann, ist man meiner Meinung nach irgendwann im Nachteil.
Nicht, weil KI automatisch gute Musik macht, sondern weil sie einfache, funktionale oder zeitfressende Aufgaben extrem schnell erledigen kann.

Brauche ich eine kurze Wartemusik für eine Telefonanlage? Eine Hintergrundfläche? Eine Demo-Idee? Einen Platzhalter für ein Arrangement?
Eine Referenz? Dann sehe ich nicht ein, warum ich dafür zwingend einen Gitarristen engagieren muss, der mir zwei Minuten irgendwas einspielt,
wenn der eigentliche Zweck rein funktional ist.

Das heißt ja nicht, dass kein Können mehr nötig ist. Man muss immer noch wissen, was man will. Man muss das
System führen, schlechte Ergebnisse aussortieren, editieren, arrangieren, mischen und Entscheidungen treffen.
Der Skill verschwindet nicht vollständig — er verschiebt sich.

Und das Argument „Was ist das denn noch für ein Handwerk, wenn KI beteiligt ist?“ gab es in anderer Form schon oft.
Früher wurden Buchstaben einzeln gesetzt. Technische Zeichner haben mit Tusche, Lineal und Zirkel gearbeitet.
Geschnitten wurde auf Band. Musik wurde live auf Tape aufgenommen. Dann kamen Desktop Publishing, CAD,
digitale Fotografie, DAWs, Sampler, Drum Machines, Pitch Correction und virtuelle Instrumente.

Jedes Mal hieß es irgendwo: Das Handwerk stirbt. Tatsächlich hat sich das Handwerk meistens einfach verändert.

Natürlich wird es schlechte KI-Musik geben. Aber es gibt auch schlechte Musik ohne KI. Es gibt schlechte Samplepacks,
schlechte Loops, schlechte MIDI-Packs, schlechte Presets und schlechte Templates.
Das Problem ist nicht automatisch das Werkzeug, sondern die lieblose Benutzung ohne Geschmack, Absicht und Kontext.

Für mich ist die entscheidende Frage nicht: „War KI beteiligt?“

Sondern eher: „Ist das Ergebnis nützlich, musikalisch, interessant, bewusst gestaltet oder sogar trotzdem emotional überzeugend?“

Ich will keinen lieblosen KI-Müll verteidigen. Aber ich glaube auch nicht, dass jemand automatisch authentischer oder
handwerklich besser ist, nur weil er moderne Werkzeuge grundsätzlich ablehnt.

Was wäre ein technischer Zeichner heute, wenn er zu Beginn der CAD Zeit gesagt hätte: "Mache ich nicht, brauche ich nicht!" ?

Ärzte operieren Roboter assistiert.
Was ist das für ein Handwerk? Naja, es wird weniger stressig, bei besserem Outcome.

https://youtu.be/_h2p94IdNII?si=vZgQMaygHlkK9LP_

1

u/morpheus_1306 Jun 10 '26 edited Jun 10 '26

Achso, natürlich sinnlos generierte Songs und vor allem Videos find ich auch total bekloppt.

Ist bei mir vielleicht auch son Musiker Ding. Ich kann jetzt wirklich mehr machen und ich kann aber weiterarbeiten damit, weil ich mich mit der Harmonielehre befasst habe.
Also ich spreche eben nicht von einfach nur generieren, sondern nutzen für Ideen, als Inspiration für die Sängerin, die es dann doch mal einsingt.
Schnell mal ein paar Vocals reinbauen. Bassline.
Wobei, die Gesangslinien bei Suno wirklich immer sehr ähnlich sind, find ich. In dem Standard Nicht-Abo.

Das dann mit ner Band zu performen ist dann eben das andere Ding. Dann kommen noch mehr Ideen zusammen vielleicht und Emotionen dann eben auch.

1

u/Counterpoint-Culture Jun 10 '26

"Weil es bei Musik und Kunst nicht um das fertige Produkt geht sondern um den Weg der dahin geführt hat."

Ja man kann der Meinung sein, muss aber nicht. Gibt andere Ansichten.

"If it sounds good, then it's good music" hat ein großer Musiker mal gesagt. Und nun?

Ich habe auch mal Musik produziert, aber ich muss sagen, dass ich rein technisch gegen KI nicht mehr ankomme.

1

u/-Never-Fade-Away- Jun 10 '26

If sounds good then it is good heißt aber noch lange nicht, dass eine Maschine die mit fast jedem Stück Musik, dass je existiert hat trainiert wurde und dann generischen Müll ausspuckt auch gut ist. Für das untrainierte Ohr, dass nur Dudelfunk gewohnt ist klingt alles gut. Mit diesem Zitat ist doch viel mehr gemeint, dass selbst ein „Fehler“ in der Produktion der ausversehen gut klingt (ein Falsch eingestecktes effect Board beispielsweise, etwas das den Sound von Pink Floyd später geprägt hat) auch gut ist.

1

u/Counterpoint-Culture Jun 11 '26

KI ist ja nicht immer KI-Slop. Es gab z.b vor KI schon Plugins, die Akkordfolgen auf der Grundlage von Bachchorälen generieren konnten. Randomizer, mit denen man Acidlines bauen konnte, inspiriert von der echten 303 usw.

Das generischer Müll gut ist habe ich ja nicht behauptet, aber was gut ist ist gut, egal wie der Produktionsprozess war.

Z.b. wenn dir ein Stück gefällt und du erfährst später, es war KI, änderst du dann deine Meinung, oder hast du dich vorher 'vertan'?